Abo

Interview

Rewe-Chef Souque zu Olympia
„Eine großartige Chance, die Strahlkraft dieser Region sichtbar zu machen“

5 min
Rewe-Group-CEO Lionel Souque durfte bei den Olympischen Spielen in seiner Heimatstadt Paris das Olympische Feuer tragen.

Sein persönlichster Olympia-Moment: Rewe-Group-CEO Lionel Souque durfte bei den Olympischen Spielen in seiner Heimatstadt Paris das Olympische Feuer tragen.

Souque, Chef des Kölner Lebensmittelkonzerns, spricht sich für eine Olympiabewerbung aus – und würde dafür mit Konkurrent Edeka an einem Strang ziehen.

Herr Souque, man hört, Sie seien großer Olympiafan. Warum?

Ich bin einfach sportverrückt – ob Fußball, Biathlon, Tennis oder Leichtathletik. Dabei empfinde ich Olympia als große Inspiration: Es geht um Spitzenleistungen, aber genauso um Werte wie Zusammenhalt, Respekt und die Leidenschaft, gemeinsam Großes zu erreichen. Genau diese Mischung fasziniert mich – und sie passt auch hervorragend zu dem, was wir als Rewe Group leben und fördern.

Sie haben schon einige Olympische Spiele miterlebt, unter anderem in Ihrer Heimatstadt Paris. Was war Ihr persönlich schönster Olympiamoment?

Für mich gibt es viele großartige Olympiamomente – aber keiner war so besonders wie der Moment, als ich 2024 selbst das olympische Feuer tragen durfte. Dieses Symbol der Spiele, das seit der Antike für Frieden, Fair Play und internationale Verbundenheit steht, in den Händen zu halten, war unglaublich bewegend. Man spürt in diesem Augenblick die gesamte Geschichte und Bedeutung der olympischen Bewegung. Und natürlich war es für mich etwas ganz Besonderes, die Spiele 2024 in meiner Heimatstadt Paris mitzuerleben. Zu sehen, wie die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, die Welt empfängt, hat mich sehr berührt. Und mich beeindruckt immer wieder, wie Athletinnen und Athleten über sich hinauswachsen – diese Mischung aus Leidenschaft, Talent und Disziplin ist inspirierend.

Beim Kampagnenstart der Köln-Rhein-Ruhr-Bewerbung zeigte Lionel Souque seine Unterstützung in der Lanxess-Arena. Auf dem Bild setzt er seine Unterschrift auf ein Werbeplakat

Beim Kampagnenstart der Köln-Rhein-Ruhr-Bewerbung zeigte Lionel Souque seine Unterstützung in der Lanxess-Arena.

Mit Köln-Rhein-Ruhr will sich eine weitere Region, mit der Sie stark verbunden sind, für die Austragung bewerben – sofern die Bevölkerung zustimmt. Was könnte die Bewerbung und weitergedacht ein Zuschlag für den Standort bewirken?

Die Region Köln-Rhein-Ruhr hat enormes Potenzial: wirtschaftlich, kulturell und sportlich. Eine erfolgreiche Bewerbung könnte ein starker Modernisierungsschub sein – für Infrastruktur, für Mobilität, für Nachhaltigkeit. Große Sportereignisse können Regionen zusammenschweißen und langfristige Investitionen anstoßen, die der Bevölkerung auch nach den Spielen zugutekommen. Und natürlich wäre es eine großartige Chance, die Strahlkraft dieser Region international sichtbar zu machen.

Welche wirtschaftlichen Effekte erwarten Sie?

Aus Erfahrungen anderer Ausrichterstädte wissen wir: Für die Olympischen und Paralympischen Spiele muss man erstmal investieren, sie setzen dann aber erhebliche wirtschaftliche Impulse – vor allem in Tourismus, Handel, Gastronomie, Logistik und Bauwirtschaft. Für die Spiele können 14 Millionen Tickets angeboten werden, was ein absoluter Spitzenwert in der olympischen Geschichte ist. Aber es geht dabei nicht nur um die Zeit der Spiele selbst, sondern um die Jahre davor und danach: neue Infrastruktur, internationale Aufmerksamkeit, zusätzliche Nachfrage und Netzwerkeffekte. Wichtig ist aber, dass das Ganze nachhaltig geplant wird – dann kann die Chance größer sein als jedes Risiko.

Rewe ist Partner der Wirtschaftsinitiative für eine deutsche  Olympiabewerbung

Wovon würde in dem konkreten Fall die Rewe Group profitieren?

Wenn Regionen wachsen, wenn sich Infrastruktur verbessert, wenn mehr Menschen zu Besuch kommen, dann profitieren Handel und Tourismus als Ganzes. Als Nahversorger wären wir natürlich ganz praktisch gefragt – vom täglichen Einkauf bis zur Logistik für Kundinnen und Kunden aus aller Welt. Aber es geht uns nicht um kurzfristige Effekte, sondern darum, langfristig starke, lebenswerte Regionen zu unterstützen.

Haben Sie eine Einschätzung, welche zusätzlichen Einnahmen oder Arbeitsplätze so ein Großevent bedeuten würden?

Konkrete Zahlen lassen sich seriös erst nach detaillierten Studien nennen – und genau das erarbeitet der DOSB gemeinsam mit den Städten.

Während die einen von einem Schub für Wirtschaft und Tourismus träumen, warnen andere von Verdrängungseffekten, explodierenden Mieten oder wenig nachhaltigen Konzepten. Kurz: Der wirtschaftliche Nutzen werde überschätzt, so die Kritik. Was entgegen Sie?

Diese Kritik ist wichtig – und man muss sie ernst nehmen. Olympia darf nur dann stattfinden, wenn es ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig ist. Genau deshalb finde ich gut, dass der DOSB jetzt einen neuen Weg geht: mit einem dezentralen, bereits bestehenden Sportstätten-Konzept und einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Dabei wirbt zum Beispiel Köln-Rhein-Ruhr mit dem kompaktesten Olympia-Konzept. 95 Prozent der Athletinnen und Athleten werden im Olympischen und Paralympischen Dorf wohnen können. Dabei sieht kein anderes Konzept so kurze Wege vor. Und die Austragung fände zu 100 Prozent in schon bestehenden oder temporären Sportstätten statt.

Wichtig ist aber, dass das Ganze nachhaltig geplant wird – dann kann die Chance größer sein als jedes Risiko.
Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group

Die Rewe Group ist Partner der Wirtschaftsinitiative für eine Olympiabewerbung des DOSB. Inwiefern unterstützt das Unternehmen die Olympia-Pläne Deutschlands?

Wir unterstützen den DOSB dabei, eine tragfähige, nachhaltige und wirtschaftlich realistische Bewerbung vorzubereiten. Das bedeutet: Wir bringen Expertise ein, wir beteiligen uns an Netzwerken, und wir unterstützen die Idee, dass Deutschland wieder Olympische und Paralympische Spiele ausrichten könnte – allerdings nur unter modernen, verantwortungsvollen Rahmenbedingungen. Dazu gehören Nachhaltigkeit, regionale Rücksichtnahme und wirtschaftliche Vernunft.

Noch sind mehrere Städte im Rennen. Positionieren Sie sich als CEO eines deutschen Konzerns mit Sitz im Rheinland für die hiesige Bewerbung – oder müssen Sie Neutralität wahren?

Wir freuen uns sehr darüber, dass die Region Köln‑Rhein‑Ruhr im Rennen ist. Für uns als Unternehmen, das seit 99 Jahren seinen Sitz in Köln hat, wäre das natürlich etwas ganz Besonderes – allein schon aufgrund unserer tiefen regionalen Verwurzelung und der starken Verbindung, die wir zu dieser Region haben. Gleichzeitig ist uns wichtig zu betonen: Wir unterstützen am Ende die beste Lösung für Deutschland. Entscheidend ist, dass das Konzept, das sich durchsetzt, für das ganze Land, die Bevölkerung und die langfristige Entwicklung der Sport‑ und Infrastrukturlandschaft am sinnvollsten ist. Olympia ist ein nationales Projekt – und genau so betrachten wir es.

Ihr Konkurrent Edeka mit Sitz in Hamburg ist Premium-Partner der deutschen Olympia-Mannschaft und des DOSB – könnte das nicht zu Reibungen führen?

Nein, überhaupt nicht. Wenn es um Olympia geht, stehen das Gemeinwohl und der sportliche Gedanke im Mittelpunkt. Und ganz ehrlich: Bis Olympia tatsächlich in Deutschland stattfindet, vergeht noch einige Zeit. Wer weiß, was bis dahin passiert – vielleicht sind wir als Rewe Group dann ja selbst Premium-Partner. Aber Olympia ist ein Projekt, das nur gemeinsam gelingt. Die Sportkultur in unserem Land ist so stark, die Deutschen sind so sportbegeistert, dass Deutschland auf jeden Fall verdient hätte, tolle Olympische Spiele ausrichten zu dürfen.


Lionel Souque trat 1996 der Rewe Group bei. Seit 2001 arbeitet er dort in führenden Positionen, etwa beim internationalen Discounter Penny, den Billa Supermärkten und als Chef von Rewe Deutschland. Seit Juli 2017 ist er Vortsandsvorsitzender des Kölner Lebensmittelkonzerns. Öffentlich positioniert er sich mit seinem Unternehmen für eine deutsche Olympiabewerbung. Der Franzose, geboren 1971 in Paris, ist nicht nur großer Olympiafan, sondern als Aufsichtsratvorsitzender auch bekennender Anhänger des 1. FC Köln.