Der Start der Bewerbung markiert einen seltenen Moment, in dem sich die Stadt wieder etwas zutraut.
Kampagne gestartetOlympia als Test für Kölns Selbstvertrauen


Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als „Leading City“, um Olympische und Paralympische Spiele in der Lanxess-Arena.
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Montag, 17.20 Uhr, war einer dieser seltenen Augenblicke von Aufbruchstimmung in Köln. Mit einem Mal war so etwas wie ein kollektiver Wille spürbar. Mit dem offiziellen Startschuss der Olympiabewerbung hat diese Stadt einen entschlossenen Schritt nach vorne gemacht – nicht euphorisch, nicht großspurig, aber selbstbewusst genug, um zu sagen: Ja, wir versuchen es!
Das ist als Botschaft nicht zu unterschätzen, hat Köln doch ansonsten ein besonderes Talent dafür, große Ideen erst zu zerreden, um sie anschließend für gescheitert zu erklären. Umso bemerkenswerter ist dieser Auftakt der Olympiabewerbung Rhein-Ruhr mit Köln als „Lead City“: Zum ersten Mal seit langem steht nicht das reflexhafte „Das klappt hier sowieso nicht“ im Vordergrund, sondern die Frage, was möglich ist, wenn man es gemeinsam anpackt.
Münchens Olympiabewerbung als Signal
Es ging am frühen Montagabend, als das Logo der Bewerbung von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Bürgermeister Torsten Burmester (SPD) enthüllt wurde, nicht um Zahlen, nicht um Bauzeiten, auch nicht um das Internationale Olympische Komitee und seinen zweifelhaften Ruf. Es ging um die schlichte, manchmal fast vergessene Idee, dass diese Stadt sich wieder etwas zutrauen könnte.
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Das klare Ja aus München, wo 66,4 Prozent für die Olympiabewerbung stimmten, ist ein Signal. Es zeigt, dass Großprojekte dort Zustimmung finden, wo sie frühzeitig erklärt, politisch verlässlich getragen und transparent zur Entscheidung gestellt werden. Verbunden mit einer gesunden Prise Selbstbewusstsein, an dem es in München wahrlich nicht mangelt.
Am 19. April ist die hiesige Bevölkerung gefragt. Bis dahin wird es Diskussionen geben, aus guten Gründen geben müssen: Kostenrisiken, Umweltschutz, Nachhaltigkeit – all das gehört in diese Debatte, und niemand darf kritische Anfragen zu alledem beiseiteschieben. Ein Fehler wäre allerdings, jetzt in die vertraute Kölner Haltung zu verfallen: Dass es am Ende ohnehin nicht reicht, dass andere es besser können, dass man lieber vorsichtig bleibt. Damit macht sich diese Stadt kleiner, als sie ist.
Starke Argumente für Köln und Rhein-Ruhr
Dass sich bekannte Namen aus Sport, Gesellschaft und Wirtschaft hinter die Bewerbung stellen, sendet – wie die breite Mehrheit im Rat – ein wichtiges Signal des Rückhalts. Von allen Kölnerinnen und Kölnern sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage dieser Zeitung bereits 57 Prozent für die Bewerbung aus.
Die Argumente für Köln und Rhein-Ruhr sind stark: die kompaktesten Spiele trotz insgesamt 17 Austragungsorte, kurze Wege, vorhandene Sportstätten, ein olympisches Dorf, das in Köln so viele Sportlerinnen und Sportler beherbergen kann wie nirgendwo anders. Olympische Spiele, die zugänglicher wären als viele ihrer Vorgänger. Mit 14 Millionen Tickets, die nicht Exklusivität versprechen, sondern Teilhabe. Nachhaltig, demokratisch, tolerant – Begriffe, die oft bemüht werden, hier aber tatsächlich mit Inhalt gefüllt werden könnten. Weil es auch die Stärken dieser Stadt sind, auf die Köln zurecht stolz ist.
Natürlich bleibt offen, wie diese Geschichte endet. Mit einer gesunden Portion Realitätssinn muss Köln auch damit rechnen, dass es die Spiele am Ende nicht bekommt. Darüber entscheiden andere, später, nach Regeln, die nicht immer transparent sind. Aber darum geht es jetzt nicht. Entscheidend ist, ob Köln bereit ist, die erste Hürde zu nehmen und für eine Vision zu stimmen, die über den nächsten Haushalt hinausreicht. Der Start ist gelungen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit dieser Bewerbung: überzeugen, erklären, werben – und vor allem: zusammenhalten. Köln kann Olympia. Wenn es an sich glaubt.

