Drei Monate vor dem Ratsbürgerentscheid stellen der NRW-Ministerpräsident und Kölns OB das Logo und prominente Olympia-Unterstützer vor.
„Unsere Städte, unsere Spiele“Hendrik Wüst, Torsten Burmester und der „Buzzer-Moment“ für Olympia

Kölns OB Torsten Burmester (l.) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (4. v. l.) beim „Buzzer-Moment“ für Olympia vor der Lanxess-Arena.
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Schon vor dem großen „Buzzer-Moment“ wabert weißer Nebel vor der Lanxess-Arena umher und verhüllt ein riesiges Olympiaplakat. Je mehr das Tageslicht schwindet, desto größer wird die von der Staatskanzlei des Landes NRW inszenierte Spannung. Um 17.20 Uhr am späten Montagnachmittag schließlich schreitet Paralympicssieger Markus Rehm im Beisein von unter anderem Ministerpräsident Hendrik Wüst zur Tat und drückt einen roten Buzzer: Die Nebelmaschinen stoppen ihren Dienst und geben die Sicht frei. Dazu sprühen 17 Feuerfontänen Funken in die kalte Luft.
So startete das Land seine Einladung an die Bevölkerung, der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Köln und 16 weiteren Kommunen in der Region Rhein-Ruhr zuzustimmen. Zeitgleich wurden Lichtinstallationen an markanten Bauwerken im Land aktiviert. Am Römisch-Germanische Museum in Köln, am Dortmunder „U“, der Zeche Zollverein in Essen und dem Düsseldorfer Schauspielhaus.
Drei Schulklassen als Symbol für die Olympiateilnehmer der Zukunft
Zuvor hatten NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester in der Arena mit starken Worten, prominenten Persönlichkeiten und drei Schulklassen begeisterter Kinder als Symbol für die Olympiateilnehmer der Zukunft für die Ausrichtung Olympischer Spiele geworben. „Der Sport kann Menschen zusammenführen und neue Zuversicht stiften“, sagte Wüst zu Beginn und erklärte weiter: „Wir machen Deutschland und der Welt das Angebot für die kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spiele, dabei stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt unserer Bewerbung.“
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Drei Schulklassen sorgen zum Auftakt der Olympia-Kampagne des Landes und der Stadt für Stimmung.
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Zum Beweis hatte er die Olympiasiegerinnen Isabell Werth und Britta Heidemann, den Paralympicssieger Markus Rehm, den ehemaligen Ruder-Weltmeister Sebastian Schulte und den ehemaligen Ministerpräsidenten und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mitgebracht. Sie seien „der Leistungs-Kader, die Spielmacher oder der Mannschafts-Rat unserer Bewerbung“, sagte Wüst: „Die besten Köpfe für Köln-Rhein-Ruhr.“
Sie standen aufgereiht im Innenraum der Lanxess-Arena hinter drei weißen Redner-Pulten mit dem neuen Logo der NRW-Bewerbung, die jetzt offiziell den Namen „Köln-Rhein-Ruhr“ trägt. Der Untertitel: „Unsere Städte. Unsere Spiele.“ Dazu viele bunte Farbspitzen für die 17 beteiligten Kommunen. Ein negatives Votum halte er für „völlig unwahrscheinlich“, sagte Wüst. Dafür seien die Menschen in NRW zu „sportaffin, um nicht zu sagen sportbekoppt“. Und überhaupt sei „die olympische Idee zu schade, um nur noch an Despoten zu gehen“.

Mit einer Lichtinstallation am Römisch-Germanischen-Museum wirbt die Landesregierung für ihre Olympia-Kampagne.
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Zweifel daran, dass Köln es hinbekommen würde, wie im Konzept vorgesehen ein temporäres Olympia-Stadion samt Olympischem Dorf aufzustellen, konterte Torsten Burmester mit der Ansage: „Köln kann auch bauen.“ Wüst erklärte zum Thema Nachhaltigkeit: „Da bleibt hinterher nichts stehen, was wir nicht brauchen.“ Und zu den Kosten, die bislang niemand beziffern kann oder will: „Olympische Spiele kosten Geld, aber sie bringen auch Geld.“ Die Analysen aus Paris, dem viel gelobten Ausrichter der Spiele 2024 hätten ergeben: „Es ist gut ausgegangen.“
Isabell Werth sagte: „Wir sehen, welche Begeisterung und welche Motivation allein schon der innerdeutsche Wettbewerb weckt.“ Dass sie sich Olympia in Deutschland wünscht, erklärte die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt so: „Es gibt keinen besseren Weg, einen Ruck in unsere Gesellschaft zu bekommen und Ziele für die jungen Sportler zu setzen. “
Wunsch einer starken Verbindung zwischen Olympia und Paralympics
Prothesen-Weitspringer Markus Rehm, nach einem Sturz frisch am gesunden Fuß operiert und mit Gehstützen unterwegs, nahm seinen Stolperer aufs Podium mit Humor und erzählte von seinem Traum: „Ich würde mir wünschen, die olympischen und paralympischen Athleten mehr zusammen zu bringen.“ Sein Vorschlag für die Spiele in Köln-Rhein-Ruhr: Die Abschlussfeier von Olympia mit der Eröffnung der Paralymics verbinden und das Feuer per Staffellauf mit olympischen und paralympischen Athleten von einem zum anderen Event weitergeben.
Kölns OB Torsten Burmester erklärte: „Der Traum von Olympia an Rhein und Ruhr kann Wirklichkeit werden: mit Köln als Leading City und Kapitän eines starken Teams.“ Er wolle die Olympischen und Paralympischen Spiele nach Köln holen, „weil sie viel mehr bedeuten als ein vorübergehendes Sport-Event“. Seiner Ansicht nach könnten sie ein starker „Impuls für die Stadtentwicklung“ sein. Deshalb appelliere er an die Kölnerinnen und Kölner: „Geht zur Wahl und sagt Ja zu Köln-Rhein-Ruhr.“

Land und Stadt werben in der Lanxess-Arena mit Unterstützern für ein positives Olympia-Votum.
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Am 19. April wird es in allen 17 beteiligten Kommunen einen Ratsbürgerentscheid geben, über vier Millionen Menschen sind nach angaben des Landes stimmberechtigt. In Köln wird per Briefwahl abgestimmt, so hat es der Rat mit großer Mehrheit entschieden. Es ist die günstigste Variante, sie wird nach Berechnungen der Stadt rund 2,5 Millionen Euro kosten – 85 Prozent dieser Aufwendungen will das Land tragen.
Wie bei Kommunalwahlen sind Deutsche und EU-Bürger ab 16 Jahren stimmberechtig, die am Wahltag seit mindestens 16 Tagen in Köln gemeldet sind. Das sollen laut Stadt rund 817.000 Menschen sein. Sie alle werden automatisch angeschrieben und müssen die Wahlunterlagen nicht extra beantragen. Die Briefe sollen bis zum 27. März zugestellt werden. Am 19. April werden die Stimmen dann ebenso wie in den übrigen Kommunen ausgezählt.
Bürgerentscheid in Köln ist nur unter einer Bedingung gültig
In Städten mit über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, und damit auch in Köln, gilt ein sogenanntes „Abstimmungsquorum“ von zehn Prozent. Das bedeutet, dass die Frage nur dann wirksam im Sinne der Mehrheit der gültigen Stimmen entschieden ist, wenn diese Mehrheit zugleich auch mindestens zehn Prozent der Bürger der Gemeinde entspricht. In kleineren Kommunen liegt das Abstimmungsquorum bei bis zu 20 Prozent. Entscheidet sich die Mehrheit der gültigen Stimmen für „Ja“ oder „Nein“ und wird das Abstimmungsquorum erreicht, ist das Ergebnis bindend
Neben Köln-Rhein-Ruhr bemühen sich auch München, Berlin und Hamburg um die Gunst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die finale Entscheidung, mit welcher Stadt sich der Dachverband des deutschen Sports beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt, soll am 26. September im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB fallen. Es geht um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 – genauer lässt sich das aktuell nicht eingrenzen, da bisher niemand weiß, wann das IOC wieder eine Austragung in Europa in Betracht zieht.
München hat mit 66,4 Prozent für eine Olympia-Ausrichtung gestimmt
In München hatten 66,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Austragung Olympischer Spiele in der bayrischen Metropole gestimmt. Diese Zahl gilt es nun wohl zu überbieten, um die DOSB-Mitglieder für Köln Rhein Ruhr zu gewinnen. Die Zustimmung der Bevölkerung in den vier potenziellen Ausrichterstädten dürfte ein gewichtiges Kriterium bei der nationalen Auswahl sein.
„Moderne, nachhaltige Spiele kann es nur mit und nicht gegen den Willen der Menschen im Land geben“, sagte Wüst. Und Burmester versprach: „Diese Spiele werden nachhaltig wirken und den Kölnerinnen und Kölnern langfristig nutzen. Sie stärken den Spitzensport und in gleichem Maße den Breitensport in unserer Stadt und sie bringen Investitionen in erheblichem Umfang mit sich – in der Gastronomie, im Hotel- und Baugewerbe, bei der Infrastruktur und nicht zuletzt im Einzelhandel.“
Vor dem eigentlichen Startschuss-Termin hatten Wüst und Burmester sich mit Vertretern der Kölner Wirtschaft und Stadtgesellschaft zusammengesetzt. Ziel ist es wohl, gemeinsam die positiven Effekte einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele für die lokale Wirtschaft zu vermitteln. Burmester sprach von einem „starken Team, das unsere Bewerbung unterstützt – das ihr Fundament bildet“ und mit dem es gelingen könne, „auf ganzer Linie und mit guten Argumenten zu überzeugen: für den Traum von Olympia an Rhein und Ruhr“. Auch sie kamen zum großen „Buzzer-Moment“ vor der Arena und trugen dabei einheitlich rot-weiße Schals auf denen steht: „Köln sagt Ja!“ auf der einen und „Coloooooni-Ja!“ auf der anderen Seite.

