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Patent angemeldetKölner Start-up entwickelt Kinderschuh, der mitwächst

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Alexander Schemel und Leander Peters stehen vor dem NawiMedi-Institutsgebäude der Deutschen Sporthochschule Köln.

Alexander Schemel und Leander Peters gründeten Sizeless noch als Studenten der Deutschen Sporthochschule Köln. Zur Geschäftsführung gehört inzwischen auch der schottische Schuhdesigner Louis Robert Smith.

Noch als Spoho-Studenten gründeten Alexander Schemel und Leander Peters „Sizeless“. Jetzt kommt ihr Schuh auf den Markt – und muss sich im Alltag bewähren.

Alexander Schemel und Leander Peters haben ein Patent angemeldet. Die Erfindung der beiden Kölner: ein größenverstellbarer Kinderschuh. „Er kann stufenlos um acht Millimeter mitwachsen, das sind zwei Größen in einem Modell“, erklärt Peters. „So müssen Eltern nicht ständig neue Schuhe kaufen und die alten aussortieren oder Kompromisse wie ‚da wächst du noch rein‘ machen.“

Allerdings sind die beiden nicht die einzigen, die sich diesem Problem angenommen haben. „Es gibt kaum direkten Wettbewerb“, sagt Schemel, während er die Ware der internationalen Konkurrenz, gerade mal eine Handvoll Paare, auf dem Tisch vor sich ausbreitet. Größenverstellbare Exemplare „sind in Deutschland nicht erhältlich, funktionieren nicht oder sind gesundheitlich bedenklich“, ist ihr Eindruck.

Auf einer Arbeitsfläche stehen die grünen Schuhe von Sizeless, daneben lederne Römersandalen, Prototypen und Entwurfsskizzen.

Anders als alte, lederne Römersandalen wird der Sizeless-Schuh aus atmungsaktivem Obermaterial und einer robusten Sohle mit Abriebschutz gefertigt.

Ein weiterer Grund für die eher mickrige Konkurrenz: „Wenn etablierte Modemarken einen solchen Schuh in ihr Sortiment aufnehmen, kannibalisieren sie sich quasi selbst. In gewisser Weise leben sie von kurzen Produktlebenszyklen, weil Kinder eben immer wachsen.“ Innovationen, insbesondere wenn es um Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gehe, entstünden deshalb in eher kleinen Teams, sagt Peters.  

Deshalb gründeten die beiden 24-Jährigen noch während des Sport-Studiums das Start-up Sizeless (Englisch für „größenlos“). Es „zeigt, welches Innovationspotenzial in Köln steckt, wenn aus der Deutschen Sporthochschule heraus wissenschaftliche Expertise und Unternehmergeist zusammenkommen“, sagt Alina Dost, Gründungsberaterin bei der Wirtschaftsförderung Köln Business, die Schemel und Peters auf ihrem Weg begleitete.

Start-up-Förderung durch Bund, Land und Köln Business

Den Ausschlag für die Gründung gab ein Innovationswettbewerb des Schweizer Sportartikelherstellers On zum Thema Kinderschuhe an der Uni. Schemel und Peters führten eine spontane Feldstudie auf dem Weihnachtsmarkt in Köln durch: „Wir haben da bestimmt 40 oder 50 Eltern zum Thema Schuhkauf befragt.“

Auf Basis der Umfrage – die meisten seien genervt gewesen vom ständigen und teuren Neukauf – fingen sie im kleinen Spoho-Büro in Müngersdorf an zu tüfteln, zerschnitten alte Schuhe, bastelten aus Lederstofffetzen der Oma Prototypen, gewannen den Pitch und erhielten eine erste Finanzierung. Um in der Entwicklungsphase ohne jegliche Umsätze über die Runden zu kommen, beantragten sie beim Bundeswirtschaftsministerium das Gründungsstipendium Exist, 130.000 Euro Fördermittel wurden bewilligt. 

Sie holten sich Louis Robert Smith an Bord, einen schottischen Schuhdesigner von Adidas, entwickelten das Produkt gemeinsam mit Orthopädieschuhmachern am Spoho-Institut weiter, machten sich selbstständig, zogen Business Angels (Privatinvestoren) an Land. So sei eine weitere kleine sechsstellige Summe hinzugekommen.

Patentanmeldung ist keine Erfolgsgarantie

„Die technische Umsetzung war schwieriger, als man denkt“, sagt Schemel – auch wenn der inzwischen finalisierte Mechanismus simpel klingt: Über zwei Laschen an der Außenseite der Schuhe wird die Sohle nach oben gefaltet, sodass sich das Volumen in der Zehenbox verändert und an das Wachstum der Füße angepasst werden kann. 

Obwohl die Technik patentwürdig ist – eine Garantie für den Durchbruch ist sie nicht. Schemel und Peters stehen ganz am Anfang einer möglichen Karriere, die auch noch platzen könnte. Seit einigen Tagen ist ihr Schuh auf dem Markt, bislang allerdings nur in Form einer 30-tägigen Crowdfunding-Aktion.

Für 89 Euro kann das Paar vorbestellt werden, der Normalpreis liegt bei 99 Euro. Für Kinderschuhe ist das eine stattliche Summe, die Schemel neben den hohen Entwicklungskosten mit der Produktion in Portugal begründet.

91 Kunden haben die Schuhe seit Kampagnenstart Mitte März vorbestellt. „Wenn wir die 100-Marke erreichen, ist unser kurzfristiges Ziel erreicht“, sagt Peters. Er sei sich aber auch im Klaren darüber, „dass der Schuh heute noch nicht bei 100 Prozent ist“. Das Feedback aus der ersten Verkaufsrunde wollen sie fürs Finetuning nutzen, um zum Saisonbeginn 2027 die erste große Kollektion zu launchen. 5000 Schuhe will Sizeless dann verkaufen und, so hoffen die Gründer, „noch viele weitere Schritte gehen“.

Ein Problem wollen sie bis dahin noch lösen: Dass Schuhe, noch bevor Kinder überhaupt herauswachsen, bei Action auf dem Bobbycar, dem Spiel- oder Fußballplatz verschleißen. Der „Tobetest“ sei entscheidend, sagt Peters. An der richtigen Balance aus Robustheit und Flexibilität feilen sie gerade. Sonst hilft tatsächlich nur ein neues Paar.