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Warnstreik bei der BahnMehr als 150 Züge fielen aus

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Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken.

Berlin – Die Warnstreiks bei der Bahn haben am Montagmorgen den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen und bundesweit erheblich gestört. Bahnreisende müssen noch bis in den Abend hinein mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen, warnte die Bahn die Reisenden auf ihrer Internetseite. Die Bahnmitarbeiter bestreikten Stellwerke und die Zugkoordination. Betroffen sind Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen. Insgesamt fielen mehr als 150 Züge aus oder fuhren nur auf Teilstrecken, teilte die Bahn in einer ersten Zwischenbilanz mit. Hinzu kamen mehrere hundert verspätete Züge. Auch der Güterverkehr war betroffen. Der Ausstand dauerte von 6 bis 8 Uhr.

Auswirkungen in Köln

Die Arbeitsniederlegungen haben auch Auswirkungen am Kölner Hauptbahnhof. So gut wie kein Zug fährt nach Plan, berichten unsere Reporter. Die Bahn meldete für zahlreiche Regionalzüge zwischen Köln, Bonn und Aachen Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Auch der Fernverkehr Richtung Frankfurt war betroffen. Reisende scharten sich in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs um die Informationsschalter. Doch wissen die Bahnmitarbeiter offenbar oft selbst nicht, ob und wann ein Zug fährt. So hieß es zunächst, die Züge zwischen Köln und Aachen seien auf unbestimmte Zeit eingestellt, dann wiederum war eine einstündige Verspätung angeschlagen. Züge über Aachen nach Brüssel enden in Liège.

Die Damen vom DB-Service mit ihren Bescheinigungsblöckchen sind heiß begehrt. „Ich warte hier schon seit drei Stunden“, sagt eine 21-Jährige in Köln. „Ich bin Schülerin und muss nachweisen, dass die Bahn Schuld ist an meiner Verspätung.“ Vor ihr steht eine 17-jährige Kollegschülerin mit den gleichen Sorgen in der langen Schlange. „Mein Zug aus Siegen hierher hatte schon zwei Stunden Verspätung. Ich könnte mächtig Ärger kriegen, deshalb warte ich hier auf eine Bescheinigung.“ Ihr Freund ist sauer: „Wenn man früh aufsteht, um pünktlich zur Arbeit zu kommen und dann drei Stunden am Bahnsteig rumsteht, ist das schon frustig.“

Thomas Walter fotografiert derweil die Anzeigetafel mit den Hinweisen „120 Minuten Verspätung“ oder „approx. 75 minutes later“. Um munitioniert zu sein für seine Rückzahlungsforderungen an die Bahn, erklärt er. „Man muss ja alles belegen. Ich will nach Berlin und ich weiß überhaupt nicht, wann ich ankomme und ob ich überhaupt ankomme. Da will ich wenigstens mein Ticket erstattet haben.“

Gleissperrung nach Fehlalarm

Das Ehepaar Madl will nach Österreich - und kommt nicht vom Fleck. „Wir sind verunsichert“, sagt Michaela Madl. Ihr Ehemann meint: „Als Kunde habe ich für solche Streikaktionen überhaupt kein Verständnis.“

Alfred Voss hat mit seiner Frau ausgerechnet für den Streik-Montag eine Bahntour von Köln über Bielefeld nach Minden und Hagen geplant. Schon beim ICE Richtung Ostwestfalen sei unklar, ob der Zug überhaupt fahre: „Wir wissen nicht, wie weit wir kommen.“

Ein Fehlalarm bei der Feuerwehr sorgte zusätzlich zum Streik noch dazu, dass vier Gleise am Breslauer Platz gesperrt werden musste. Nach Angaben der Feuerwehr hatte ein Feuermelder des Bahnhofs den Alarm um 6.10 Uhr ausgelöst. Mehr als eine halbe Stunde lang fuhr überhaupt kein Regionalzug ab. Dennoch ist es vergleichsweise ruhig, viele Pendler haben sich offenbar auf den Streik eingerichtet. Die Bahn bittet Passagiere dringend, sich vor der Abreise per Internet über ihre Zugverbindung zu informieren.

Ein Schwerpunkt des Ausstandes in NRW war Duisburg, wo nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Beschäftigte der Betriebszentrale, von Reisezentrum und Kundenservice die Arbeit niedergelegt haben. Rund 600 Mitarbeiter waren zum Streik aufgerufen. Mit ihrer Aktion treffen die Streikenden gerade in Duisburg einen empfindlichen Nerv. Die dortige Betriebszentrale ist eine von sieben Stellen im Netz der Deutschen Bahn, die den regionalen Verkehr aller Züge koordiniert. Der Kundenservice in Duisburg-Wedau steuert bundesweit den Einsatz von Güterzügen. Dort waren 300 Mitarbeiter zum Streik aufgerufen.

Aktionen in allen Regionen des Landes

Auch in Frankfurt, Hamburg, Berlin, Kiel und mehreren Städten in Sachsen legten Bahn-Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Die Bahn-Gewerkschaft hat zu den Warnstreiks aufgerufen, um ihre Forderung nach mehr Lohn für die Beschäftigten zu unterstreichen. Bereits die ersten Arbeitsniederlegungen von Zugbereitstellern und Reinigungspersonal in Hamburg und Berlin führten zu Beeinträchtigungen im Bahnverkehr führen.

Klein kündigte für den Tagesverlauf weitere Warnstreiks in ganz Deutschland an: „Es wird weitere Aktionen geben in allen Regionen des Landes und es werden sich unterschiedliche Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen an diesen befristeten Warnstreiks beteiligen.“ Die Gewerkschaft hatte bereits am Wochenende angekündigt, Stellwerke und Werkstätten zu bestreiken und Züge nicht fahrbereit zu machen.

Bei Pendlern und Reisenden warb Klein um Verständnis: „Wir wollen die Reisenden nicht treffen, wir wissen dass wir die Reisenden treffen werden.“ Die Bahn kündigte an, die Auswirkungen für die Reisenden möglichst gering zu halten. Der Konzern hatte mit Unverständnis auf die Aktionen reagiert.

Sobald Orte, Umfang und Ausmaß der Streik-Aktionen erkennbar sind, will die Bahn unter der Kunden-Hotline 0180/5996633 und unter www.bahn.de/aktuell die Reisenden informieren.

Hintergrund der Warnstreiks ist ein Tarifkonflikt. Am Montag sollen in Berlin die Tarifverhandlungen für die 130 000 Beschäftigten bei der Deutschen Bahn fortgesetzt werden. Die Arbeitsniederlegungen seien eine Reaktion der Beschäftigten „auf ein bislang völlig unzureichendes Arbeitgeberangebot“, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld für ein Jahr in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten dagegen in einem ersten Schritt 2,4 Prozent mehr Geld in diesem und weitere 2 Prozent im nächsten Jahr sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro angeboten. (ksta, dpa)