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WetterextremeNRW mit durchwachsener Erntebilanz

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Mit einem Mähdrescher erntet ein Landwirt Getreide auf einem Feld bei Petershagen in Ostwestfalen (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Die Getreideernte in NRW wird in diesem Jahr trotz der Trockenheit noch recht solide ausfallen.

Die Landwirtschaft in NRW ist auf die Folgen des Klimawandels nur unzureichend vorbereitet. Schlechte Erträge bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben erwartet.

Seit 2022 haben extreme Wetterlagen vier von fünf Getreideernten in Nordrhein-Westfalen bestimmt. Das gilt auch für das Jahr 2026: Nach einem trockenen Frühjahr sorgten die regenreichen Monate Mai und Juni zwar zunächst für Entlastung; diese machte die Dürreperiode seit Anfang Juli aber größtenteils wieder zunichte.

„Wir erleben auch 2026 ein Erntejahr, das uns sehr deutlich vor Augen führt, wie abhängig die Landwirtschaft von den Folgen des Klimawandels ist“, sagte Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) bei der Vorstellung der vorläufigen Erntebilanz am Montag in Düsseldorf. Von ein paar regionalen Einschränkungen abgesehen, könnte die Getreideernte aber als solide bezeichnet werden.

Die Getreideernte ist trotz extremer Hitze und Dürre gesichert
Karl Werring, Präsident der NRW-Landwirtschaftskammer

Bei Winterweizen, der Getreideart mit der größten Anbaufläche in NRW, liegt der Durchschnittsertrag bei rund 8,3 Tonnen je Hektar. Das sind sieben Prozent weniger als 2025, das aber ein Rekordjahr bei der Weizenernte war. Der aktuelle Ertrag beim Winterweizen entspricht dem langjährigen Durchschnitt. Beim Roggen wurden rund 6,8 Tonnen je Hektar erreicht, bei der Wintergerste etwa acht Tonnen je Hektar – beide liegen unter dem Vorjahresniveau, aber über dem langjährigen Durchschnitt. Bei Sommergetreide fiel der Hafer schwach aus, die Sommergerste liegt nur leicht unter dem Vorjahreswert.

Agrarministerin Silke Gorißen (CDU) lässt sich den Einsatz von KI zur Erforschung und Verbesserung des Apfelanbaus erklären.

Agrarministerin Silke Gorißen (CDU) will die Landwirtschaft besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.

Die Winterrapsernte fiel regional sehr unterschiedlich aus, mit guten Ergebnissen im Rheinland und Münsterland und schwächeren Erträgen insbesondere in Ostwestfalen. Trockenheit, niedrige Temperaturen und Schädlinge führten zu einer vergleichsweise späten Ernte.

Gute Rapserträge im Rheinland

„Die Getreideernte ist trotz extremer Hitze und Dürre gesichert“, sagte Karl Werring, Präsident der NRW-Landwirtschaftskammer. Dennoch bleibe die Marktlage angespannt. Die Produktionskosten seien weiter gestiegen. Bei den Kulturen, die noch nicht eingebracht sind, müsse man in vielen Regionen wegen der Trockenheit mit Ertragsausfällen rechnen.

Der Klimawandel ist längst auf unseren Feldern angekommen
Silke Gorißen, NRW-Landwirtschaftsministerin (CDU)

„Der Klimawandel ist längst auf unseren Feldern angekommen. Unser Ziel ist es, die Landwirte dabei zu unterstützen, ihre Betriebe gegen Dürren, Starkregen und Extremwetter widerstandsfähiger zu machen“, so Ministerin Gorißen.

Mit Blick auf die Herbstkulturen dürfte es nach der Prognose des Landwirtschaftsministeriums bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben regional große Unterschiede bei der Ernte geben. Vor allem bei den Zuckerrüben sei im Rheinland mit sehr schlechten bis unterdurchschnittlichen Erträgen zu rechnen. Das gelte auch für den Mais. Wegen der anhaltenden Trockenheit seien vor allem auf leichten und flachgründigen Böden im Münsterland und am Niederrhein deutliche Einbußen zu erwarten. Beim Silomais erwarte man schlechte Qualitäten. Gleichzeitig dürfte die angespannte Futterversorgung die Nachfrage erhöhen.

Bangen um die Zuckerrüben

Der Blick auf das Obst zeigt: 2026 war ein gutes Kirschenjahr. Die Freiland-Erdbeeren blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück. Trotz der Trockenheit soll die Ernte bei Äpfeln und Zwetschgen noch gut ausfallen, obwohl bei Äpfeln geringere Mengen und schlechtere Qualitäten erwartet werden.

Die Äpfel sind groß genug. Das wird eine schöne Ernte
Georg Boekels, Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern

Regional kann man laut Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern optimistischer urteilen. Er meldet zur angelaufenen Apfelernte in der Region: „Unsere Böden liefern immer Feuchtigkeit nach, so dass die Früchte keinen Trockenstress haben“, sagte Präsident Georg Boekels. Die Äpfel seien groß genug. „Das wird eine schöne Ernte.“ Die Situation sehe aber innerhalb Deutschlands unterschiedlich aus.

Der Verbandspräsident kritisierte hingegen den Handel, der lange an der Ernte 2025 festgehalten habe. Hohe Lagerkosten gingen zulasten der Landwirte. „Wir haben Ware genug und wir warten darauf, dass wir sie zu vernünftigen Preisen an den Mann bringen können“, sagte Boekels. Nur in der direkten Vermarktung auf dem Hof und Wochenmarkt könnten die Bauern die Preise selbst gestalten.

Investitionen in Wasserversorgung werden gefördert

Wie schwierig es für die Landwirtschaft ist, sich auf den Klimawandel einzustellen, macht eine kurze Rückschau deutlich: 2022 waren Hitze und Trockenheit die bestimmenden Themen. 2023 verschlechterten sich die zunächst guten Ernteerwartungen innerhalb weniger Wochen drastisch, weil die Flächen durch viel Regen nicht befahren werden konnten. 2024 sorgten außergewöhnliche Nässe, schwierige Aussaatbedingungen und viele Krankheiten für große Herausforderungen. Zusätzlich verursachte ein plötzlicher Kälteeinbruch Ende April erhebliche Schäden im Obst- und Weinbau. 2025 konnte sich die Landwirtschaft über sehr gute Getreideerträge freuen. 2026 zeigt sich aktuell mit Hitze, Trockenheit und einer sehr schnellen Abreife erneut die andere Seite. So mussten die Bauern schon Ende Juni mit dem Einfahren der Wintergerste beginnen.

Um die Böden besser zu schützen, den Wasserhaushalt zu verbessern und die Biodiversität zu stärken, fördert das Land unter anderem vielfältige Fruchtfolgen, der Anbau von Hülsenfrüchten, den Erosionsschutz und Uferrandstreifen, mehrjährige Buntbrachen sowie Wildpflanzenmischungen. Seit der Dürre im Jahr 2022 unterstützt das Land zudem Investitionen in die Wasserversorgung und kümmert sich vor allem darum, eine Infrastruktur für die Bewässerung aufzubauen, die über die Förderung einzelner Betriebe hinausgeht. (mit dpa)