Seit der Flutkatastrophe von 2021 fehlt nahe Leichlingen eine Brücke über die Wupper. Pläne für einen Neubau liegen auf dem Tisch
BrückeWeg über die Wupper bei Leichlingen soll wieder zurückkehren

So soll die neue Brücke über die Wupper aussehen
Copyright: Technische Betriebe Solingen
Seit fünf Jahren endet eine traditionsreiche Wegeverbindung an den Ufern der Wupper. Wo Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer einst zwischen Leichlingen und Solingen den Fluss überquerten, riss das Hochwasser vom 14. Juli 2021 die Brücke am Obenrüdener Kotten fort. Nun nimmt der ersehnte Neubau Gestalt an: Eine 36 Meter lange Brücke soll die beiden Seiten des Tals wieder miteinander verbinden. Vertreter der Städte Solingen und Leichlingen, des Naturparks Bergisches Land und der Technischen Betriebe Solingen stellten dem Naturschutzbeirat des Rheinisch-Bergischen Kreises jetzt die Vorzugslösung vor.

Der Brückenstandort wird verändert
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Der geschwungene Brückenüberbau aus wetterfestem Stahl soll Ende 2027 fertig sein. Die Kosten werden auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt. Für die Region ist die Brücke weit mehr als eine Verbindung von einem Ufer zum anderen. Über sie verliefen mehrere regionale und überregionale Wanderwege, darunter der als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland“ zertifizierte Bergische Weg.
Sie führte zudem zur Gastronomie auf Solinger Seite, zu Parkmöglichkeiten und zum Rüdenstein-Denkmal. Auch bei den Menschen aus den umliegenden Ortschaften war die vergleichsweise steigungsarme Runde beliebt. Seit dem Verlust der Brücke gebe es immer wieder Nachfragen aus der Bevölkerung, berichteten die Planer. Bei Ortsterminen würden Mitarbeiter regelmäßig darauf angesprochen, wann die Verbindung endlich wiederhergestellt werde.
Zustimmung aus Solingen und Leichlingen
Die Räte der Städte Solingen und Leichlingen haben sich bereits für den Neubau ausgesprochen. Auch aus Sicht des Naturschutzes kann die Brücke eine wichtige Funktion übernehmen. Sie soll Besucher wieder auf einen festen Weg lenken. Seit 2021 durchqueren Spaziergänger bei niedrigem Wasserstand die Wupper oder laufen am Ufer entlang.
Dadurch entstehen Trampelpfade, Trittschäden und Störungen der empfindlichen Vegetation. Andere versuchen, die nächste Brücke zu erreichen, und unterschätzen Länge und Steigung des Umwegs. Der Neubau soll rund 300 Meter nördlich des früheren Standorts entstehen. Dort kann laut den zuständigen kommunalen Planern nicht wieder gebaut werden, weil sich die benötigten Flächen in Privatbesitz befinden.
Schonung der Aue
Trotz ausführlicher Gespräche hätten nicht alle Eigentümer einer Nutzung zugestimmt. Zudem wären die beengten Platzverhältnisse für eine Baustelle problematisch. Bei der Standortsuche mussten zahlreiche Interessen berücksichtigt werden. So galt es, eine vom Wupperverband geplante Sekundäraue ebenso zu schonen wie bekannte Eisvogel-Brutröhren. Zudem sollten landwirtschaftliche Flächen nicht ungünstig durchschnitten werden.
Der nun ausgewählte Platz sei das Ergebnis einer umfangreichen Variantenprüfung, erläuterten die Verantwortlichen. Die neue Fuß- und Radwegbrücke wird 2,50 Meter breit und überspannt die Wupper ohne einen Pfeiler im Fluss. Damit soll sich nicht wiederholen, was vermutlich zum Einsturz der alten Brücke führte: Beim Hochwasser wurde offenbar deren Mittelpfeiler unterspült und fortgerissen. Die geschwungene Konstruktion soll an eine stilisierte Klinge erinnern. Der wetterfeste Stahl bildet mit der Zeit eine rostbraune Patina, die das Bauwerk schützt und sich zugleich in die Landschaft einfügen soll. Auf regelmäßige Anstriche kann dadurch verzichtet werden.
80 Meter bis zur Brücke
Ein Kran mit 60 Meter langem Ausleger soll den vormontierten Überbau von Solingen aus über die Wupper heben und auf den Widerlagern absetzen. Gerüste oder Betonierarbeiten über dem Fluss sind nicht erforderlich, was die Belastung während der Bauzeit verringert. Auf Solinger Seite ist ein rund 80 Meter langer Weg zur Brücke vorgesehen, auf Leichlinger Seite eine etwa zehn Meter lange Rampe. Die Trasse sei so geplant worden, dass größere und besonders erhaltenswerte Bäume stehen bleiben könnten. Ganz ohne Fällungen wird der Bau allerdings nicht auskommen.
Da schwere Fahrzeuge den Standort nur von Solingen aus erreichen können, soll dort eine rund 200 Meter lange provisorische Baustraße entstehen. Auf einem Geotextil wird eine 50 Zentimeter starke Schicht aus Grauwacke aufgetragen. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die vorübergehend genutzten Flächen wiederhergestellt werden. Die naturschutzfachliche Begleitung läuft nach Angaben der Stadt Solingen bereits seit der Entwurfsplanung. Dazu gehören eine Artenschutzprüfung, eine FFH-Vorprüfung und ein landschaftspflegerischer Begleitplan. Auch eine ökologische Baubegleitung ist vorgesehen.
Schutz für den Eisvogel
Benötigt werden unter anderem eine wasserrechtliche Genehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf und naturschutzrechtliche Befreiungen. Im Naturschutzbeirat des Rheinisch-Bergischen Kreises gab es dennoch kritische Fragen. Mitglieder sorgten sich um die Wiederherstellung der Wiesenflächen, den Schutz des Eisvogels und mögliche zusätzliche Belastungen durch Mountainbiker. Zudem wurde gefragt, ob die Rückkehr zum früheren Standort tatsächlich ausgeschlossen sei.
Die Planer betonten, diese Möglichkeit sei lange verfolgt worden, letztlich aber an Eigentumsverhältnissen und bautechnischen Problemen gescheitert. Aus dem Wiederaufbauprogramm nach der Hochwasserkatastrophe sollen rund 2,35 Millionen Euro fließen. Lediglich etwa 150.000 Euro für eigene Leistungen der Verwaltung werden nicht gefördert.
Ausschreibung und Vergabe sind für Ende 2026 vorgesehen, die Bauarbeiten sollen 2027 folgen. Der Naturschutzbeirat wird sich erneut mit dem Vorhaben befassen, wenn der Genehmigungsantrag vorliegt. Die Planer hoffen auf Zustimmung. Denn die neue Brücke soll nicht nur eine Lücke im Wegenetz schließen, sondern auch eine historische Verbindung wiederherstellen – und Menschen sicher durch die geschützte Landschaft führen.
Die Brücke am Obenrüdener Kotten wurde erstmals 1892 errichtet. Sie gilt als Zeugnis der Industriegeschichte des Wuppertals, das über Jahrhunderte von Schleifkotten geprägt war. Mehrfach musste die Verbindung erneuert werden: 1926: Ein Hochwasser zerstört die Brücke. 1947: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sie wiederaufgebaut. 1953/54: Hinweise belegen einen weiteren Totalverlust durch Hochwasser. 1974: Wegen massiver baulicher Mängel entsteht ein Neubau. 14. Juli 2021: Bei der Hochwasserkatastrophe wird die Brücke erneut vollständig zerstört. Der geplante Neubau soll hochwassersicherer werden und ohne Pfeiler im Fluss auskommen.
