Noch am Freitagabend sagte der Außenminister Omans, der Frieden sei „zum Greifen nah“. Der als Vermittler auftretende Badr al-Bussai hatte sich getäuscht.
Ende einer ÄraAngriff auf den Iran – Die letzte Schlacht

Ein Mann mit dem Bild des toten Ali Chamenei. /Fatemeh Bahrami
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Im Iran spielen sich Szenen ab, wie man sie aus langjährig autoritär geführten Staaten kennt. Als die vom Regime dominierten Medien den Tod des obersten Führers Ali Chamenei bekannt geben, sieht man auf den Straßen Frauen in schwarzen Gewändern, die das Ableben des 86-Jährigen betrauern – und einen ergriffenen Fernsehmoderator, der ins Stocken gerät und nicht weitersprechen kann. Zu sehr, so scheint es, nimmt ihn dieser Verlust mit. Oder ist das nur Theater?
Doch die Trauernden sind nicht das ganze Bild. Ein in den digitalen Netzwerken auftauchendes Video jenseits der Hauptstadt Teheran zeigt jubelnde Menschen. Sie sind froh, den unbarmherzigen Unterdrücker los zu sein. So wie zahllose Exiliraner in der westlichen Welt, die auf den Straßen tanzen.
Fällt das ganze Regime?
Ajatollah Ali Chamenei war 1989 an die Spitze gerückt – als Nachfolger jenes Mannes, der die Islamische Revolution einst angeführt hatte: von Ajatollah Ruhollah Musawi Chomeini. Beide trugen eine schwarze Kopfbedeckung, ein weites Gewand und einen grauen Vollbart. Auch ihre Namen waren sich zum Verwechseln ähnlich. Doch während Chomeini vor über 36 Jahren eines natürlichen Todes starb, kam Chamenei, der sanfter aussah und eine Brille trug, bei einem der ersten Luftangriffe jenes Krieges um, der seit Samstagmorgen die Welt in Atem hält.
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Die entscheidende Frage lautet nun: Ist der Tod des greisen Herrschers der erste Dominostein, der weitere Dominosteine und am Ende das gesamte Regime fallen lässt?
In der letzten Woche hatte es intensive Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gegeben. In Genf sah man die US-Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff mit Badr al-Bussaidi an einem Tisch sitzen. Der Außenminister des Oman nahm die Rolle des Vermittlers ein. Noch am Freitagabend wird er mit den Worten zitiert: „Der Frieden ist zum Greifen nah.“ Das wirkt am Samstagmorgen schon fast wie unfreiwillige Realsatire. Auf jeden Fall wirkt es wie eine Brüskierung des Außenministers. Denn rund zehn Stunden später beginnen Israel und die USA mit ihren Attacken auf das Land, das seit der Islamischen Revolution 1979 Unruhe im Nahen Osten stiftet - mit Vasallen im Libanon, in Palästina oder im Jemen.
Trumps Suche nach einem Kriegsgrund
Der 28. Februar 2026 scheint den Beginn der letzten und entscheidenden Schlacht zu markieren. Die Worte von Präsident Donald Trump – mit einer weißen Basecap bekleidet, auf denen in großen Lettern USA steht – sind unmissverständlich. Er beklagt bei einem Statement in Mar-a-Lago (Florida), dass das Regime seit 47 Jahren rufe: „Tod für Amerika“ - und erinnert dabei an die gewaltsame Übernahme der US-Botschaft in Teheran, bei der Dutzende amerikanische Geiseln 444 Tage lang festgehalten wurden.
Dann kommt Trump auf den Versuch des Regimes zu sprechen, Atomwaffen zu entwickeln sowie Langstreckenraketen, „die nun unsere sehr guten Freunde und Verbündeten in Europa sowie unsere im Ausland stationierten Truppen bedrohen und bald das amerikanische Heimatland erreichen könnten“. Ja, Trump warnt, dass man „unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime“ beseitigen müsse. Er sucht nach einem Kriegsgrund.
Aufruf an die Iraner
Schließlich wendet sich der Präsident „dem großen, stolzen Volk des Iran“ zu. „Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen“, sagt er in die Kameras. „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung. Sie wird euch gehören. Das wird wahrscheinlich eure einzige Chance für Generationen sein.“ Die rund 90 Millionen Iraner selbst sollen das Werk des Militärs vollenden und die Herrschaft der Mullahs beenden – zwei Monate, nachdem sie es letztmals versucht hatten und mit Tausenden Toten dafür bezahlten. Unklar ist, ob die Iraner Trumps Aufruf folgen. Und folgen können.
Die Folgen des Angriffs werden im Nahen Osten bald offenkundig: In Israel müssen wieder Menschen in Schutzbunkern Platz nehmen. In sieben Golfstaaten mit US-amerikanischen Stützpunkten schlagen Raketen ein. Die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen transportiert werden, fällt bis auf weiteres aus. Das Risiko, dass das iranische Militär Schiffe attackiert, ist einfach zu groß. Nach dem Ukraine-Krieg könnte dies der zweite Krieg sein, der sich auch in Deutschland durch steigende Energiepreise bemerkbar macht.
Deutsche Politik wirkt eher überrascht
Unterdessen wirkt die deutsche Politik eher überrascht. Zwar zeigen sich Polizei und Nachrichtendienste vorbereitet. So sagt etwa Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD): „Die Bremer Sicherheitsbehörden beobachten die internationale Lage sehr genau. Wir sind jederzeit in der Lage, auf neue Entwicklungen zu reagieren und unsere Maßnahmen entsprechend anzupassen.“ Das bezieht sich nicht zuletzt auf jüdische Einrichtungen, die Racheakte von Islamisten befürchten müssen.
Doch sehen maßgebliche außenpolitische Experten des Bundestages den Krieg so nicht kommen. Auf die Bitte um ein Interview schreibt einer am Freitagabend: „Ich sehe keinen Angriff am Wochenende.“ Er bezieht seinen Glauben aus der Bundesregierung und wird böse überrascht.
Vor Reise in die USA
Tatsächlich wird die Regierung, die rasch einen Krisenstab einberuft, erst kurz vor den ersten Bombardements informiert - und äußert sich dann ähnlich zurückhaltend wie nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Es wird ein gewisses Unbehagen an Trumps rabiaten Methoden deutlich, das schon. Kanzler Friedrich Merz, der am Montag zu Trump in die USA reisen will, vermeidet jedoch eine Bewertung der Angriffe und stellt lediglich fest: „Deutschland ist daran nicht beteiligt.“ Für die Verlegung von Flugzeugen über den US-Stützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein brauchen die USA keine deutsche Genehmigung. Umso deutlicher fällt Merz‘ Bewertung der iranischen Gegenangriffe auf Israel und mehrere Golfstaaten aus. Die Bundesregierung „verurteilt diese Schläge scharf“, sagt er.
Und während der norwegische Außenminister Espen Barth Eide sagt, der Angriff stehe „nicht im Einklang mit dem Völkerrecht“, gibt sich Außenminister Johann Wadephul da weniger sicher. „Das werden wir in aller Ruhe prüfen“, erklärt der CDU-Politiker in der ARD. Für die Angriffe auf den Iran gebe es „starke Argumente“.
Ali Chamenei – an dessen Stelle jetzt ein dreiköpfiger Rat das Land führen soll – hat seinen Tod übrigens dem US-Auslandsgeheimdienst CIA zu „verdanken“. Das berichtet die „New York Times“. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf Insider, der Auslandsgeheimdienst habe Chamenei über Monate verfolgt und dabei Kenntnisse über seine Aufenthaltsorte und Gewohnheiten erlangt. Er soll schließlich erfahren haben, dass am Samstagmorgen in einem Gebäudekomplex im Herzen Teherans ein Treffen hochrangiger iranischer Offizieller stattfinden sollte und sich Chamenei dort aufhalten würde. Daraufhin sollen die USA und Israel den Zeitpunkt ihrer Angriffe angepasst haben.
Chamenei ist nicht das einzige Opfer unter Irans politischer Prominenz. Am Sonntag kommt Berichten zufolge der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ums Leben. Auch er wird bei einem Luftangriff wohl sehr gezielt getötet.

