Nachdem das Lindenthaler Geburtshaus seine Räume in der Uniklinik aufgeben musste, hat das Hebammen-Team ein neues Domizil gefunden. Dort gibt es mehr Platz für mehr Angebote.
Alternative zur KlinikLindenthaler Geburtshaus öffnet am neuen Standort mit mehr Platz und Angeboten

Hebamme Sandra Murn in einem der Geburtsräume im Lindenthaler Geburtshaus
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Im Hinterhof an der Aachener Straße führt eine Treppe hinunter in entspannte Ruhe. Zwei Lichthöfe versorgen die dortigen Räume mit Tageslicht, das besonders in den großen Gruppenraum direkt neben dem Eingangsbereich des Lindenthaler Geburtshauses an der Aachener Straße 338 fällt.
Es hat ein neues Zuhause gefunden, nachdem es seine Unterkunft in der Frauenklinik an der Kerpener Straße verlassen musste. Ein Vermieterpaar, das durch diese Zeitung davon erfahren hatte, meldete sich bei den Hebammen und bot ihnen die neuen Räume an. Und nach ein paar Umbauten passen sie perfekt: Das Geburtshaus verfügt nun über 430 Quadratmeter. In der Frauenklinik waren es nur 170.
Neben Geburtsvorbereitung gibt es auch Kurse mit Baby und Geschwistern, Rückbildung und Yoga
Die Fläche hat sich somit mehr als verdoppelt, mit neuen Möglichkeiten: „Ganz wichtig für uns ist der neue Kursraum“, sagt Sandra Murn, Geschäftsführerin des Geburtshauses. Dort finden nun diverse Geburtsvorbereitungskurse statt, auch für Paare oder Frauen, die bereits Mütter sind, Geschwisterkurse, genauso auch Kurse für die Zeit nach der Geburt wie Rückbildung, beispielsweise mit Yoga, Babymassage oder „Pekip“.
Zudem verfügt das neue Geburtshaus über einen Massage- sowie einen Ruheraum, einen weiteren, in dem eine Osteopathin arbeitet, zwei Vorsorgeräume, und eine Küche. Die wichtigsten Räume aber sind die beiden Geburtszimmer. Sie sind ein bisschen größer als am vorherigen Standort, aber ebenso atmosphärisch gestaltet, mit einem Anstrich in sanften Farben, einem großen Bett, einem Gebärhocker. Indirekte Beleuchtung sorgt für entspanntes Flair. Besonders wichtig und ganzer Stolz der Hebammen sind die großen neuen Badewannen in den beiden Zimmern: „Die Vermieter sind uns sehr entgegengekommen“, erzählt Murn. Sie hätten selbst vorgeschlagen, neue schöne Wannen zu installieren.
Natürliches Geburtsgeschehen und Eins-zu-Eins-Betreuung wirken schmerzlindernd
Sie werden von sehr vielen Gebärenden im Geburtshaus benutzt, zur Entspannung, manchmal auch während der Geburt. Eine Periduralanästhesie (PDA), bei der schmerzlindernde Medikamente injiziert werden, kommt ebenso wenig zum Einsatz, wie eine Saugglocke oder Zange. Die Hebammen, setzen auf ein natürliches Geschehen und die positive Auswirkung auf den Schmerz und die Geburt: Kern ist die Eins-zu-Eins-Betreuung der werdenden Mütter, die Kliniken sich aufgrund der knappen personellen Besetzung zumeist gar nicht leisten können. Angst spiele beim Schmerzempfinden eine große Rolle, erläutert Murn. Diese könne durch Verständnis bereits gemildert werden: Die Hebamme erkläre bei den Wehen immer wieder, was gerade geschehe, schildert Murn. Und die jeweilige Frau habe Vertrauen zu ihr, weil sie sie bereits von der Geburtsvorbereitung kenne.
Im Geburtshaus finden neben Vorbereitungskursen auch Vorsorgeuntersuchungen statt, zumeist neben den Terminen beim Frauenarzt oder der Frauenärztin. Ein Ultraschallgerät gibt es im Geburtshaus anders als bei ärztlichen Untersuchungen nicht. Die Hebammen ertasten stattdessen, wie das Kind liegt: „Während der Geburt, kann man sehen, wie sich die Frau verändert“, schildert Murn. „Wenn die Frauen sagen, sie könnten nicht mehr und sich von ihrem Wesen ein bisschen verändern, wissen wir, dass es bald so weit ist.
Falls doch einmal ein Notfall eintritt, was laut Murn extrem selten vorkommt, verlegen die Hebammen die jeweilige Frau in eine Klinik. In den neuen Räumen steht ein großer Aufzug für einen eventuellen Transport bereit. 20 Hebammen arbeiten im Geburtshaus, 13 in der Geburtshilfe. Und eine der Mitarbeiterinnen hat kürzlich dort selbst ihr Kind bekommen: Der kleine „Christo“ war das erste Baby, das in den neuen Räumen das Licht der Welt erblickt hat.
