Der erneuerte Campus soll voraussichtlich 2034 fertig sein. Mit 400 Millionen Euro gehört das Bauvorhaben zu den größten Hochschulbauprojekten NRWs.
Begrünte Innenhöfe, moderne LaboreGrundstein für Chemie-Neubau der Uni Köln gelegt

Grundsteinlegung für den Neubau der Chemischen Institute ("Chemie-Neubau") der Uni Köln an der Luxemburger Straße. V Li.: Prof. Dr. Georg Bareth, Teresa De Bellis-Olinger, Dr. Joybrato Mukherjee, Prof. Stephanie Kath-Schorr, Karsten Gerlof. Foto: Alexander Schwaiger
Copyright: Alexander Schwaiger
Die weite Treppe soll einmal in einen begrünten Innenhof führen. Nach Abschluss aller Arbeiten voraussichtlich im Jahr 2034 werden es zwei Innenhöfe sowie ein weiterer begrünter zentraler Platz sein. Am Montag feierte die Universität zu Köln die Grundsteinlegung für die Neubauten der Chemischen Institute und der Didaktiken an der Ecke Luxemburger und Greinstraße. Auf rund 25.800 Quadratmetern, was ungefähr 3,5 Fußballfeldern entspricht, entsteht ein Campus mit Laboren sowie modernen und gut ausgestatteten Arbeits- und Studienplätzen sowie Lager und Bibliotheken. Der Rohbau für den ersten Teil ist gut fortgeschritten. Der Gebäudekomplex wird später aus drei ringförmigen Baukörpern bestehen.
Mit einem Kostenvolumen von rund 400 Millionen Euro handelt es sich bei dem Bauvorhaben um eines der derzeit größten Hochschulbauprojekte NRWs. Die Uni Köln besitzt ihre eigene Bauherreneigenschaft und ist daher für Planung und Umsetzung selbst verantwortlich. Das Land NRW finanziert den Bau. Die Arbeiten starteten im Januar 2024 und befinden sich seitdem im Zeitplan. Für die Bauarbeiten wurde diesen Januar die Fußgängerbrücke an der Luxemburger Straße abgerissen, die Zugangsrampe zur Brücke bereits 2024.

Grundsteinlegung für den Neubau der Chemischen Institute an der Luxemburger Straße Ecke Greinstraße. Der Rohbau des dreiteiligen neuen Gebäudekomplexes ist bereits fortgeschritten.
Copyright: Alexander Schwaiger
Uni Köln: In einen Neubau werden die Didaktiken der Naturwissenschaften ziehen
Der Rektor der Universität zu Köln, Joybrato Mukherjee, betonte in seiner Eröffnungsrede die herausragende Stellung der Chemie für die Uni Köln und zitierte den Chemiker Justus von Liebig (1803-1873), der die Chemie als „Königin der Naturwissenschaften“ bezeichnete. In Köln sei die Chemie „sehr stark aufgestellt“: 2021 gewann Professor Benjamin List, seit 2004 Honorarprofessor in Köln, etwa den Nobelpreis. An den erneuerten Campus werden auch die Didaktiken der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ziehen und dort gebündelt. Sie befinden sich derzeit am Humanwissenschaftlichen Campus an der Gronewaldstraße sowie Herbert-Lewin-Straße.

So soll das neue Chemie-Gebäude der Uni Köln einmal aussehen.
Copyright: Code Unique Architekten GmbH
So werden ein gutes Drittel der etwa 10.000 Lehramtsstudierenden am neuen Campus studieren und die neuen Geräte mitbenutzen. Auf diese Weise kann die Uni Köln nach eigenen Angaben den Aufwand an Infrastruktur und Energie reduzieren. Vor allem aber soll die Konzentration der Standorte Forschung, Lehre und Didaktik stärker vernetzen. So sei es eine große Chance, dass die Neubauten genug Platz für Schülerveranstaltungen bieten werden, um Schüler für die sogenannten MINT-Fächer zu begeistern, sagte Kanzler Karsten Gerlof, der für die Baumaßnahmen an der Uni Köln zuständig ist.
Das Bauprojekt ist in zwei Abschnitte geteilt, sodass die Arbeiten im laufenden Betrieb stattfinden. Im ersten Bauabschnitt entsteht der erste Neubau, der laut Plan im Juni 2029 bezogen werden soll. Im zweiten Abschnitt wird ein Teil des Altbaus abgerissen, der Hörsaaltrakt jedoch beibehalten und mit einem weiteren Neubau verbunden. So sollen bis zur geplanten Fertigstellung im Sommer 2034 drei ringförmige Baukörper mit Innenhöfen entstehen: „mit viel Tageslicht und kommunikativen Zonen“, so Gerlof. Das Büro Code Unique Architekten aus Dresden ist mit dem Bau beauftragt. Für das Vorhaben wird das sogenannte Lean Construction Management angewendet, eine moderne Projektsteuerung, bei der lange Wartezeiten möglichst vermieden werden sollen.
„Dieser Grundstein steht für eine wichtige Investition in die Zukunft Kölns. Der Neubau schafft die Voraussetzungen, Forschung und Lehre an zentralen Standorten zu stärken und den Wissenschaftsstandort Köln nachhaltig weiterzuentwickeln“, sagte Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger (CDU) bei ihrer Begrüßung.

Rektor Joybrato Mukherjee bei der feierlichen Grundsteinlegung am Montag, 1. Juni 2026. Er kippt Erde in den Grundstein, dort wurde eine Zeitkapsel mit Zeitzeugnissen wie der aktuellen Tageszeitung gefüllt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Dass der neue Campus immer konkreter wird und sich seit Baustart 2024 im Zeitplan befindet, ist nicht selbstverständlich. Die ersten Pläne des damaligen Baudezernats wurden 2015 vorgestellt. Ursprünglich hieß es, der Neubau solle 2024 fertig sein und 170 Millionen kosten. Später wurde die Kostenprognose auf 250 Millionen korrigiert, mittlerweile sollen es nahezu 400 Millionen Euro werden. Immer wieder hatte sich der Start der Arbeiten verzögert, weil auch andere Bauvorhaben der Uni sich verzögerten. Ein Meilenstein vor drei Jahren war die Fertigstellung des Neubaus für Labore der Physik im Grüngürtel.
So erinnerte der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Georg Bareth, an die „Hürden“ der letzten 16 Jahre, die mit so einem aufwendigen Bauvorhaben verknüpft seien. „Der Neubau der Chemie und Didaktiken hat durchaus das Potential, ein neues Zentrum der Begegnung und des Austausches“ für Forschende und Studierende zu werden, sagte Bareth. Mit der neuen Infrastruktur werde man international konkurrenzfähig sein.
Die Chemie in Köln habe in den vergangenen Jahren „exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berufen“, das neue Gebäude stärke diese Entwicklung weiter, sagt Stephanie, Kath-Schorr, Direktorin des Departements Chemie und Biochemie. „Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht auch dadurch, dass wir Wissen weitergeben“, sagte Kath-Schorr und freut sich, dass die aktuelle Forschung durch den Einzug der Didaktiken noch enger mit der Lehrerausbildung verknüpft sein wird.
