Abo

„Verwandelt mich in wahres Ich“Kölnerin bietet Kosmetik für Transfrauen an

4 min
Eine Frau in weißer Bluse mit fuchsigen Haaren steht hinter eine Frau mit blondem Haar, die auf einem Stuhl vor ihr sitzt.

Gabriele Höhnerbach-Zaman berät ihre Stammkundin Jenny.

Gabriele Höhnerbach-Zaman bietet spezifisch Kosmetik für Transfrauen an, bringt ihnen das Schminken bei und organisiert Events mit ihnen. 

Präzise und konzentriert setzt Gabriele Höhnerbach-Zaman einen Pinselstrich nach dem anderen. Es sind geübte Bewegungen. „Welchen Lidschatten machen wir denn heute?“, fragt sie eher sich selbst als ihre Kundin Jenny, die entspannt auf der Liege im Kosmetikstudio in Ehrenfeld liegt. Ihre Augen sind geschlossen, ein Lächeln liegt auf ihren Lippen. 

„Komm, wir nehmen Türkis“, beschließt Höhnerbach-Zaman kurzerhand, „das lässt deine Augen so wunderschön strahlen.“ Zwischen den beiden Frauen herrscht absolute Vertrautheit. Nachdem auch Lidstrich und Lippenstift sitzen, setzt Jenny sich auf. Gabriele Höhnerbach-Zaman schaut sie an und setzt erneut einen Pinsel an Jennys Gesicht an, dieses Mal mit dunklem Puder. „Damit kann ich dem Gesicht eine ganz andere Kontur geben.“ Mit schnellen, präzisen Bewegungen platziert die Kölnerin dunkles Puder auf der Wange, dann an der Nase. Jennys Wangen sehen nun optisch höher, ihre Nase schmaler und kürzer aus. „Mit so kleinen Sachen kann ich das Gesicht weiblicher aussehen lassen“, sagt die Kosmetikerin.

Kosmetikerin aus Ehrenfeld lässt Transfrauen strahlen

Das Gesicht weiblicher aussehen zu lassen, sei das Ziel, denn Jenny ist eine Transfrau. In ihrem Alltag ist sie nicht geoutet, lebt also großteils als Mann, obwohl das nicht ihrer Identität entspricht. „Bei Gaby werde ich als Frau wahrgenommen und wertgeschätzt, sie verwandelt mich in mein wahres Ich“, sagt Jenny. „Geschminkt zu werden und alle anderen kosmetischen Behandlungen sind eine Auszeit für mich, ein Freiheitsgefühl.“ Nachdem Gabriele Höhnerbach-Zaman den letzten Feinschliff gemacht und die Perücke auf den Kopf gesetzt hat, strahlt Jenny. Sie fühlt sich sichtlich wohl und genießt es, dass Fotos von ihr gemacht werden.

„Das ist das Schönste, wenn ich sehe, wie wohl sich die Mädels fühlen und dass ich ihnen helfen kann, ihre Identität nach außen zu tragen“, sagt Gabriele Höhnerbach-Zaman, die seit 48 Jahren Kosmetikerin ist. Sie bietet kosmetische Behandlungen, Schminke und Events spezifisch für Transfrauen an. Angefangen hat alles 2014 mit Anne, wie Gabriele Höhnerbach-Zaman sie pseudonym nennt. Sie sei männlich gelesen zur Fußpflege bei der Kosmetikerin gewesen und fragte dann, ob Höhnerbach-Zaman auch die Fußnägel rot lackieren würde.

Eine Frau schminkt ihre Kundin, die in einem Kosmetikstudio auf einem Behandlungsstuhl sitzt.

Gabriele Höhnerbach-Zaman schminkt ihre Kundin Jenny.

„Ich habe natürlich ja gesagt, ohne zu zögern“, erzählt die 63-Jährige. Für Anne sei das ein Test gewesen, sie habe sehen wollen, wie die Kosmetikerin reagiert, weil sie bereits negative Erfahrungen gemacht hatte. Nach der selbstverständlichen Reaktion buchte sie eine umfassende Behandlung mit Fußpflege, Maniküre und Make-up sowie Coaching, um das Schminken selbst zu lernen.

Nach und nach seien immer mehr Transfrauen zu ihr gekommen und Höhnerbach-Zaman habe sich dann immer mehr auf ihren Kundinnenkreis spezialisiert. „Das gibt es ja kaum, schon gar nicht vor zehn Jahren“, sagt Höhnerbach-Zaman, „dabei ist es so wichtig, dieses Angebot zu schaffen und auch sichtbar zu machen.“ So sei auch Jenny auf die Kosmetikerin gestoßen.

Kölner Kosmetikerin schreibt Buch über Erlebnisse mit Transfrauen

Mittlerweile sei mit ihren Transmädels, wie Gabriele Höhnerbach-Zaman sie liebevoll nennt, eine Verbundenheit und Freundschaft entstanden. Viele kommen wie Jenny seit Jahren immer wieder zu ihr, und immer wieder organisiert die Kosmetikerin auch gemeinsame Events. „Das ist so toll, wenn wir hier alle zusammen im Studio sind, uns aufhübschen und dann gemeinsam losziehen“, sagt Höhnerbach-Zaman.

Dabei seien viele, wertvolle Erlebnisse und Erinnerungen entstanden, die Höhnerbach-Zaman gerne teilt. Sie hat eine große Bildergalerie mit ihren Mädels im Kosmetikstudio an der Vogelsanger Straße und erzählt ihren Kundinnen und Kunden davon. So auch ihrem Stammkunden Günter Wallraff, der begeistert von ihren Erzählungen gewesen sei und sie ermutigt habe, ein Buch über ihre Transmädels zu schreiben. „Manche Sachen muss man festhalten“, sagt Höhnerbach-Zaman, „und ich möchte mit diesem Buch Berührungsängste abbauen, auf humorvolle Weise aufklären, Verständnis fördern und zeigen, wie wichtig Respekt und Akzeptanz sind, und das nicht nur in Zeiten des CSD.“


„Trans*-Mädels im Kosmetik Studio“, eine Sammlung von Anekdoten und Fotos. Erhältlich ist das Buch bei ihr im Studio (GZ Kosmetikstudio, Vogelsanger Straße 104 A) für zehn Euro.