Wer den Fokus nicht aufs Essengehen, sondern aufs Treffen mit Freunden legt, ist im Ehrenfelder Tavata richtig. Als Beilage zum Sozialleben gibt es trotzdem Caponata und leckeren Bohnensalat.
Schmeckts Frau Floss?Das Tavata in Ehrenfeld: Ein Ort zum Entschleunigen mit Freunden

Im Ehrenfelder Tavata gibt es die kulinarische Grundlage zum Sozialleben.
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Jahrelang zählte die griechische Taverne in der Venloer Straße 275 zu den beliebtesten Restaurants im Veedel. Riesige Grillteller, Metaxa-Sauce und Retsina wurden in leuchtend blau-weiß gestrichenem Interieur serviert. Samt Ouzo zur Rechnung. Im Sommer verdoppelte sich der Gästeandrang, weil die Nachbarschaft um den hübschen Innenhof der Taverne wusste. Als die Nachricht von der endgültigen Schließung die Runde machte, ging ein trauriges Seufzen durch Ehrenfeld.
Plötzlich aber hing ein neues Schild über dem Lokal. Dieses Mal in Marineblau auf Weiß. „Tavata“. Wer der griechischen Sprache nicht mächtig ist und auf die vermeintlich griechische Farbkombination konditioniert ist, könnte annehmen, die geliebte Taverne habe lediglich eine Verjüngungskur erhalten. Weit gefehlt! Tavata kommt aus dem Finnischen und bedeutet so viel wie „sich treffen“. Damit endet der Exkurs ins Nordische auch schon. Es werden weder Roggenbrot, noch Lachssuppe serviert - was nicht heißt, dass das in Zukunft nicht noch passieren könnte. Im Tavata steht nicht die Küchenrichtung im Vordergrund, sondern die Gastgeberschaft.

Hier gehts rein: Nicht mehr zum Griechen, dafür in ein Bistro im Zeichen der Gastgeberschaft. „Sich treffen“, heißt tavata auf finnisch.
Copyright: Arton Krasniqi
Entspannter Auftakt ins Nachtleben
Marcell, Melanie und Henry sind vielen Köchinnen und Köchen bereits aus dem Club Subway bekannt, den sie gemeinsam betreiben. Nun hat die drei der Wunsch nach einem Ort umgetrieben, der früher am Tag lebendig wird und eine andere Dynamik hat. Ein klassisches Restaurant sollte es nicht sein, sondern ein Ort für das erste Feierabendgetränk, wo man sich mit Freunden trifft, vielleicht ein paar kleine Gerichte teilt und spontan entscheidet, wie sich der Abend entwickelt. Kein Gegenentwurf zum Nachtleben, sondern eher dessen entspannter Auftakt.
Zugegebenermaßen ist mir als Köchin diese Art der Konzeptionierung, in der bewusst nicht das Essen im Fokus steht, erstmal suspekt. Bei meinem ersten Besuch wusste ich nichts über die Betreiberinnen und Betreiber und hoffte also insgeheim auf frittierte Zucchinischeiben und einen Berg Tzatziki. Was ich vorfand, war ein wunderhübscher Innenhof mit rosa blühendem Oleander. Auf den Nachbartischen standen Weingläser, interessant aussehende Cocktails, Schälchen mit Oliven, handgeschnitzte Pommes und knusprige Sardinen. Zwei Dinge fielen auf: Erstens, sämtliche Gäste waren in ihre Gespräche vertieft und zweitens, der Service hatte etwas ungemein familiäres. Jeder Person, die im Laufe des Abends zum Tisch kam, merkte man die ehrliche Freude am Gastgebersein an. Wer in Köln schon mal von einem Köbes angeraunzt wurde, versteht mein Erstaunen womöglich.

Muhammar, Blumenkohl-Bites und Caponata liefern eine gute Grundlage für einen langen Abend.
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Sowohl die Getränkekarte, als auch die Speisenauswahl ist angenehm überschaubar. Frisches Landbrot mit Salzbutter, marinierte Oliven, Muhammar aus gerösteter Paprika, Walnüssen und Granatapfelsirup, weißer Bohnensalat - das liest sich alles sehr gut. Die sizilianische Caponata aus Auberginen, Sellerie, Pinienkernen, Minze und Kapern ist mein absoluter Favorit. Schwächer, aber dennoch solide fallen die Blumenkohl-Bites mit Minz-Joghurt aus. Die Hackfleischbällchen schmecken aromatisch und saftig, allerdings ist die Tomatensauce zu stark eingekocht. Pfirsich-Ingwer-Halloumi ist grundsätzlich eine sehr gute Idee, an der Umsetzung hapert es noch. Ich hatte darauf gehofft, man würde den (aktuell saisonalen, also reifen) Pfirsich gemeinsam mit dem Halloumi grillen und mit Olivenöl, Zitronen und Minze als lauwarmen Salat servieren. Stattdessen wurde die Steinfrucht mit viel zu viel Ingwer püriert und als Soßenklecks zum trocken und dunkel gegrillten Käse serviert. Die gegrillten Riesengarnelen überzeugen wiederum, ebenso wie der weißen Bohnensalat mit roten Zwiebeln und Zitrone.
Küchentechnisch ist im Tavata noch Luft nach oben, allerdings schätze ich an diesem Konzept die Alltagstauglichkeit. Es geht nicht um hyperregionale Fermente, handgeschöpfte Rohmilchbutter und hausgemachten Sauerteig, aber es wird auch nicht einfach aus Eimern aus dem Großhandel geschöpft. Vom Essen über die Weinkarte bis hin zur Cocktailauswahl ist der Gesamteindruck angenehm unaufgeregt und nicht bemüht originell.

Henry Bongard, Melanie und Marcell Birreck (v.l.) sind das Team.
Copyright: Arton Krasniqi
Auch für die Zukunft möchten die Betreiber diesen Weg weitergehen. Feste Themenabende oder ein dichtes Veranstaltungsprogramm sind bewusst nicht geplant. Stattdessen soll sich entwickeln, was sich organisch aus dem Laden ergibt. In einer Zeit, in der viele gastronomische Konzepte aus lautem Social-Media-Marketing erwachsen, wirkt das erstaunlich entschleunigend. Das Tavata setzt auf die Idee, dass ein gelungener Abend vor allem von den Menschen lebt, mit denen man ihn verbringt.
Tavata Bistrobar, Venloer Str. 275, 50823 Ehrenfeld, Öffnungszeiten: Mi-Do 17-23 Uhr, Fr 16-0 Uhr, Sa 14-0 Uhr, So 14-22 Uhr, Instagram: @tavata.bistrobar
Meine Auswahl:
Meatball in Tomaten-Knoblauchsauce // 11,60 Euro
Panierte Blumenkohl-Bites mit Joghurt-Minz-Dip // 9,50 Euro
Tavatas Caponata // 8,50 Euro
Knusprige Sardellen // 6,50 Euro
Fritten // inklusive Dip nach Wahl // 6 Euro
Fazit: Bistrobar im besten Sinne: unaufgeregt, nicht überladen oder bemüht originell.

