Der gelernte Elektriker war Gegner der Nationalsozialisten. Nach dem Krieg baute er die Handwerkskammer wieder auf.
150 aus 150Bernhard Günther war 30 Jahre Präsident der Kölner Handwerkskammer

Bernhard Günther. (Archivfoto)
Copyright: Rheinisch Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 101. Teil der Serie geht es um den Politiker Bernhard Günther.
Bedeutung
Der Elektromeister Bernhard Günther organisierte nach 1945 das Handwerk in der Region. 1925 kam der Elektroinstallateur nach Köln, wo er eine Anstellung beim städtischen Elektrizitätswerk fand. Ehrenamtlich engagierte er sich bei Kolping und leitete den Windhorstbund, die Jugendorganisation der katholischen Zentrumspartei. Günther kandidierte ungeachtet der Machtübertragung an die Nationalsozialisten und der beginnenden Diktatur auf der Liste der katholischen Zentrumspartei für die Wahl des Stadtrats am 12. März 1933.
Dies und seine Mitgliedschaft in den christlichen Gewerkschaften führten im Mai 1933 zu seiner Entlassung. Zwar wurde er später wieder eingestellt, aber strafversetzt. Er wurde mehrfach denunziert und 1936 aus der Deutschen Arbeitsfront ausgeschlossen. 1935 absolvierte er seine Meisterprüfung und erwarb 1939 den Elektrobetrieb Warnecke, den er unter seinem Namen an der Venloer Straße weiterführte. Günther war ein Vertrauter Konrad Adenauers, für den er im Krieg Kurierdienste übernahm. 1945 beauftragte ihn die US-Militärregierung mit dem Aufbau der Handwerkskammer, deren Präsident er bis 1975 blieb.
Bernhard Günther
Geboren: 4. November 1906 in Koblenz
Gestorben: 31. Oktober 1981 in Köln
1956 begründete er die Partnerschaft mit der Handwerkskammer Lyon, die erste deutsch-französische Handwerkskooperation. Am 17. Juni 1945 war er einer der 18 Gründer der CDU im Kolpinghaus an der Breite Straße. Von 1949 bis 1965 vertrat er den Wahlkreis Düren-Monschau-Schleiden als direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Er war maßgeblich an der Formulierung der Handwerksordnung beteiligt und rief die Deutsch-Belgische Parlamentariergruppe ins Leben.
Wirken in Köln
Von 1945 bis 1948 war Günther Stadtverordneter. 1950 gründete er einen Verein, der Spenden im Handwerk für den Wiederaufbau des Ratsturms sammelte. Auch dessen Glockenspiel wurde durch seine Initiative erneuert.
Bemerkenswert
Seine Wanderschaft als Geselle führte ihn 1924 bis 1925 über München, Innsbruck und Rom bis nach Neapel.
Spuren in der Stadt
In Niehl erinnert eine Straße auf dem Industriegelände Nord an ihn. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Melaten, sein Nachlass im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
