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150 aus 150Chargesheimer hielt das Köln der Nachkriegszeit auf Kamera fest

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Ein Mann mit vielen Gesichtern: Chargesheimer in Aufnahmen von Charles E. Fraser, die um 1951 in der Wohnung von L. Fritz Gruber entstanden sind.

Carl Heinz Hargesheimer, besser bekannt als Chargesheimer

Der Fotograf machte nicht nur Bilder vom Alltagsleben im Köln der Nachkriegszeit, sondern inszenierte auch Prominente.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 64. Teil der Serie geht es um den Fotografen Chargesheimer.

Bedeutung

Chargesheimer war ein bekannter Fotograf der Nachkriegszeit. Er stellte das Leben auf den Straßen als freier Fotograf realistisch dar, Prominente hingegen inszenierte er. Bei Romy Schneider ist die Verletzlichkeit erkennbar, bei Willy Brandt der Wahlkämpfer. Sein berühmtes Porträt Konrad Adenauers, 1957 vom „Spiegel“ als Titelfoto gewählt, stellt den Kanzler zwischen Licht und Schatten. In Adenauers Anhängerschaft stieß das Foto auf Widerstand. Vergleiche mit „einem alten Tibetaner, einer Mumie oder dem ‚letzten Mohikaner‘“ kamen auf.

Chargesheimer hatte im Krieg und danach in Köln und München Fotografie studiert. Er veröffentlichte mehrere Bücher mit seinen Fotografien. Sein realistischer Blick auf das Ruhrgebiet rief 1958 Proteste von Politikern hervor, die lieber die „schönen Ecken“ sehen wollten. Für „Romantik am Rhein“ räumte er zum Schrecken von Küstern Kirchenräume um. Experimentelle Arbeiten mit fotochemischen Prozessen entstanden im Stil der damaligen Kunstrichtung Informel.

Zwischen 1960 und 1966 betätigte Chargesheimer sich auch als Bühnenbildner und Regisseur. 1962 entwarf er für Luigi Nonos Oper „Intolleranza“ ein Bühnenbild mit Hakenkreuzen und KZ-Bildern, was das Publikum nicht begeisterte. Ab 1967 schuf Chargesheimer kinetische Skulpturen aus Plexiglas, die er als „Meditationsmühlen“ bezeichnete.


Chargesheimer (Carl Heinz Hargesheimer)

Geboren: 19. Mai 1924 in Köln

Gestorben: vermutlich 31. Dezember 1971 in Köln


Wirken in Köln

Chargesheimer, der im elterlichen Mehrfamilienhaus an der Jülicher Straße lebte und arbeitete, brachte auch mehrere Fotobücher über Köln heraus. Das erste war ein Auftrag der Stadt: „Cologne intime“. „Unter Krahnenbäumen“, mit Vorwort von Heinrich Böll, präsentierte den Alltag auf der Straße. „Köln 5:30 Uhr“ zeigte die Stadt ohne Verkehr und Menschen.

Bemerkenswert

Bei seiner Beerdigung kam es zu einem Tumult, weil die Angehörigen seine zahlreichen Freunde nicht zulassen wollten. Er starb vermutlich durch Suizid.

Spuren in der Stadt

2005 widmete ihm die Stadt 920 Quadratmeter des Bahnhofsvorplatzes als Chargesheimerplatz. Sein Nachlass wird im Rheinischen Bildarchiv und im Museum Ludwig aufbewahrt. Letzteres besitzt auch drei Skulpturen von ihm.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.