Mit der Zeltinger Band veröffentlichte der Musiker insgesamt 18 Alben. Das Lied „Müngersdorfer Stadion“ war der erste Hit der Band.
150 aus 150Jürgen Zeltinger gilt als Erfinder des Kölsch-Rock

Eine häufig derbe Sprache und der knallharte Rock waren von Anfang an das Markenzeichen des Musikers. Seinen Stil nannte er „Asi-Rock“. (Archivbild aus dem Jahr 2022)
Copyright: Stefan Worring
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 111. Teil der Serie geht es um den Musiker Jürgen Zeltinger.
Bedeutung
Jürgen Zeltinger gilt als Erfinder des Kölsch-Rock. Er wuchs in der Südstadt und in Longerich auf, war mehrfach in Heimen und schlug sich seit dem Abbruch einer Lehre mit Gelegenheitsjobs durch. An Weiberfastnacht 1979 trat er erstmals mit Band im „Roxy“ auf. Das Konzert war so erfolgreich, dass spontan weitere Auftritte folgten. Der Produzent Conny Plank machte davon Mitschnitte, die als erste LP „De Plaat im Roxy & Bunker live“ erschienen. Es folgten mit der „Zeltinger Band“ 18 weitere Platten sowie zwei Solo-Alben. Im ersten Hit „Müngersdorfer Stadion“, einem Coversong der US-Punker Ramones, geht es nicht etwa um die Fußball-Arena, sondern um das Schwimmstadion.
Jürgen Zeltinger
Geboren: 25. Mai 1949 in Altenkirchen
Viele von Zeltingers Texten sind sozialkritisch. Eine häufig derbe Sprache und der knallharte Rock waren von Anfang an sein Markenzeichen. Er nannte seinen Stil „Asi-Rock“ und sich selbst „Asi mit Niwoh“. Zeltinger trat im Tigertanga auf, neigte zu Exzessen und pflegte sein Image als Bürgerschreck. Schon früh outete er sich als homosexuell – mutig und ungewöhnlich in Hard-Rock-Kreisen. Bundesweit bekannt wurde Zeltinger durch die Rockversion des Volkslieds „Mein Vater war ein Wandersmann“.
Zwischendurch versuchte er es mit ruhigerer Musik. Eine Soloplatte mit 23 Gastmusikern wurde von Wolfgang Niedecken produziert. Aber Zeltinger kehrte wieder zur Band zurück. Trotz gesundheitlicher Einschränkung – Zeltinger wurde wegen einer Krebserkrankung behandelt – trat er mit Band am 1. August 2026 bejubelt auf dem Rockfestival in Wacken auf. Dabei sang er einen eigens komponierten Song seines Freundes Wolfgang Petry.
Wirken in Köln
Zeltinger besuchte die Volksschule Trierer Straße, wohnte lange im Uni-Center und ist seit ihrer Gründung 1992 bei der Initiative „Arsch huh, Zäng ussenander“.
Bemerkenswert
Der Fortuna-Fan spielte 1988 in einem TV-Krimi das Mordopfer. In diesem Jahr spielte die Zeltinger-Band beim Solidaritätskonzert gegen die Schließung des Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen vor 40.000 Besuchern. Er veröffentlichte früh seine Autobiographie. 2018 erschien ein Dokumentarfilm über ihn.
Spuren in der Stadt
Das „Roxy“ gibt es nicht mehr, aber ein Schriftzug davon befindet sich im Kölnischen Stadtmuseum.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
