Fitness-Profi erklärt im VideoWarum Boxen für Frauen toll ist und welche Grundschläge sie kennen sollten

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Boxen trainiert nicht nur den ganzen Körper, sondern auch den Geist. Warum vor allem Frauen davon profitieren.

Wenn es ums Boxen geht, haben viele Menschen Berührungsängste und Vorurteile. Zu hart, zu brutal, zu aggressiv. Dabei ist die Sportart optimal, um sowohl den ganzen Körper als auch den Geist zu trainieren. Das Training ist sehr fordernd für Kondition und Kraft, schult aber auch das Reaktionsvermögen und lässt einen auch abseits des Trainings stabiler durchs Leben gehen. In den Ring steigen und kämpfen muss man dabei nicht unbedingt, wer davor Angst hat, kann Boxen rein fitnessmäßig betreiben. Der Kölner Trainer Peter Ganz, wegen seiner Größe von 2,02 Metern „Coach Hightower“ genannt, hat sich genau darauf spezialisiert. 

Zwei Frauen-Paare trainieren mit Pete Ganz am Aachener Weiher

Beim Frauen-Fitnessboxen am Aachener Weiher geht es vor allem um Spaß an der Bewegung.

„Frauen wissen oft nicht, welche Kraft in ihnen steckt“

„Ich möchte diesen tollen Sport so vielen Menschen wie möglich nahe bringen“, sagt Ganz, der selbst aktiver Boxer und Sporttherapeut ist. Vor allem Frauen möchte er an den Kampfsport heranführen, da diese seiner Erfahrung nach die meisten Berührungsängste haben. „Das ändert sich allerdings schnell, sobald sie es einmal in der Gruppe ausprobiert haben und sich sicherer fühlen. Im reinen Frauenkurs ist es für sie einfacher, die Hemmschwelle zu überwinden. 80 Prozent bleiben dabei“, erzählt er. Frauen wüssten oft gar nicht, welche Kraft in ihnen steckt. „Es macht mir Spaß, diese Kraft mit dem Training in ihnen zu wecken und wiederzuentdecken. Daher kommt auch mein Motto 'Erinnere dich, wer du bist'.“  

An mehreren Tagen in der Woche unterrichtet Ganz reine Frauengruppen, entweder draußen vor dem Japanischen Kulturinstitut am Aachener Weiher, im Studio „Checkpoint Personal Training“ in Marsdorf oder im Fitnessstudio Bushido in der Mittelstraße. Nach einem Aufwärmprogramm und dem sogenannten Schattenboxen, bei dem die Schläge und Fußbewegungen in die Luft hinein geübt werden, geht es an die Partnerübungen. Der Trainer gibt eine Schlagkombination vor, die die Frauen nachmachen sollen. Jeweils eine arbeitet, die andere hält ihre Hände in Handschuhen hin, um die Schläge entgegenzunehmen. Das ist am Anfang noch ungewohnt, aber man weiß immer, was auf einen zukommt. Kein Schlag kommt überraschend, es kann also nichts passieren. 

„Ich fühle mich sicherer“

Nathalie kommt bereits seit anderthalb Jahren zum Boxen und sagt: „Ich fühle mich seitdem viel sicherer, habe mehr Selbstbewusstsein und insgesamt ein besseres Gefühl. Und natürlich ist auch meine Fitness viel besser geworden“. Anna ist zum ersten Mal dabei und findet die Koordination noch etwas schwierig, will aber auf jeden Fall wiederkommen. „Man kann hier seine ganze Energie und den kompletten Frust rauslassen. Weil hier nur Frauen trainieren, fühlt man sich auch beim ersten Mal nicht blöd“, sagt sie.   

Fitnessboxen mit Coach Hightower/Pete

Anna (links) und Nathalie nach dem Training.

Was die beiden Frauen sagen, hört Ganz gerne, denn genau das ist das Ziel seines Trainings. Die Frauen werden stärker, bekommen mehr Selbstbewusstsein, sind fokussierter und ruhiger, weil sie beim Boxen ihre Sorgen loswerden können. „Ich habe auffällig viele Therapeutinnen im Training“, sagt er und lacht. Eines ist ihm wichtig: „Boxen ist zwar körperlich sehr anstrengend, aber für mich ist es vor allem ein mentales Training. Den Gewaltgedanken möchte ich in meinen Kursen völlig minimalisieren.“ 

Fitnessboxen mit Coach Hightower/Pete

Beim Fitnessboxen werden alle Übungen mit Ansage gemacht, kein Schlag kommt überraschend.

Der 30-Jährige arbeitet seit vier Jahren als Coach. Angefangen hat er als Kind und Jugendlicher mit Fußball, dann hat er lange Handball gespielt. „Privat bin ich zwar eher zurückhaltend, beim Sport mag ich es aber gerne mit viel Körperkontakt und Adrenalin“, erzählt er. Als er 15 war, fing er mit Kampfsport an, wurde Landesmeister in Mecklenburg-Vorpommern und Norddeutscher Vizemeister im Boxen. 

Beim Boxen werden nicht nur die Arme und Schultern gestärkt, sondern der ganze Körper, weil bei den Übungen auch Bauch, Beine und Po angespannt werden. Zudem ist Boxen ein sehr gutes Herz-Kreislauf-Training und steigert durch die vielen Intervalle mit hoher Intensität die Kondition. Weil das Training abwechslungsreich ist, merkt man oft nicht, wie die Zeit vergeht. Am Ende wird man belohnt mit einem angenehm geforderten Körper und einem entspanntem Kopf. Wer mehr will, kann im Sparring spielerisch mit dem Kämpfen anfangen oder später sogar Wettkämpfe bestreiten. Das ist dann nochmal eine neue Erfahrung.

Die Grundschläge beim Boxen

Linke und rechte Gerade

Fitnessboxen mit Coach Hightower

Hier zeigt Peter Ganz die rechte Gerade.

Die Geraden gehören zu den Grundschlägen des Boxens und finden aus der Boxerstellung heraus statt. Wer Rechtshänder ist, steht mit dem linken Fuß vorne, der rechte steht leicht schräg versetzt dahinter. Bei Linkshändern ist es genau umgekehrt. Bei Rechtshändern ist entsprechend zum linken Fuß auch die linke Faust etwas weiter vorne und schützt das Gesicht. Die rechte Faust bleibt am Kinn. Beide Hände befinden sich auf Wangenknochenhöhe. Die Ellbogen liegen angewinkelt möglichst nah an den Rippen, um diese zu schützen. (Linkshänder wieder alles umgekehrt.)

Für die Geraden schiebt man nun die Faust eingedreht nach vorne, sodass die Fingerknöchel oben sind. Wichtig: Nicht den Daumen unter die Finger klemmen, sondern davor legen. Sehr wichtig ist es, dabei gleichzeitig Hüfte und Fuß mit einzudrehen, so bekommt man mehr Schlagkraft. Der Arm wird lang ausgestreckt und nach dem Schlag möglichst schnell zurück ans Gesicht genommen.  Eine Hand muss immer in der Deckung bleiben. 

Kopfhaken

Fitnessboxen mit Coach Hightower

Ganz zeigt einen linken Kopfhaken.

Wie der Name schon sagt, sollen die Kopfhaken den Kopf treffen. Man steht dabei wieder in der oben beschriebenen Grundstellung. Der Ellbogen wird ungefähr auf 90 Grad angewinkelt auf Schulterhöhe angehoben und die Faust zur Seite geschlagen. Dabei unbedingt wieder die Hüfte und den Fuß mit eindrehen und nicht nur Schulter und Arm bewegen, die Kraft kommt im Grunde aus der Hüfte, aus den Beinen und aus dem Boden. Nach dem Schlag die Faust wieder zur Deckung ans Gesicht bringen. Haken kann man auch zum Körper setzen, entweder an die Seiten oder von vorne in den Bauch.    

Uppercut (Aufwärtshaken)

Fitnessboxen mit Coach Hightower

Es gibt auch noch den Uppercut, einen Haken von unten nach oben unter das Kinn.

Der Uppercut funktioniert ähnlich wie der Haken, wird aber von unten nach oben unter das Kinn und hinter die Deckung des Gegners geschlagen. Wie immer steht man dafür zunächst in der Grundstellung. Für den linken Uppercut wird das Gewicht auf das linke Bein verlagert und der Oberkörper leicht nach links unten vorne gebeugt. Der Ellbogen geht kurz nach hinten und dann kommt der Haken mit voller Kraft von unten nach oben. Auch hier kommt wieder ein Großteil der Power aus den Beinen.  

Boxen bei Peter Ganz und weitere Adressen in Köln

Peter Ganz bietet auch Thai- und Kickboxen, Ernährungsberatung, mentales Coaching und Massage an. Informationen zu den Kursen und Buchung direkt über info@coach-hightower.com oder über 0172/5688660. www.coachhightower.comBoxing Company Cologne im Sportcenter Kautz, Rhöndorfer Str. 10, 50939 Köln, 0221/411092, www.boxingcompanycologne.deGuts & Glory Boxclub, Gottesweg 54, 50969 Köln, 0177 /7952031, www.guts-n-glory.deKurze Rippe Boxclub, Weyerstrasse 57, 50676 Köln, 0171/5286751, www.kurze-rippe.deFaustkämpfer Köln-Kalk 1951 e.V. (in Ehrenfeld), Neptunplatz 21, 50823 Köln, 0163/4084531, www.faustkaempfer-koeln-kalk.de

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