Sülz – Ute war eine coole Frau. Das zeigt schon der auftoupierte Bubikopf mit dem gerade geschnittenen Pony, den sie auf dem großen alten Foto an der Wand des Cafés trägt, das nach ihr benannt wurde. Da war sie noch jung, die Künstlerin, die vor vier Jahren gestorben ist – und der zu Ehren es nun ein Lokal an der Zülpicher Straße gibt. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet, das Kinn selbstbewusst nach oben gereckt. Mit Kurzhaarschnitt, Hosen und dem Pinsel in der Hand gehörte die 1927 geborene Frau in ihrer Zeit zur weiblichen Avantgarde. Nach dem Krieg studierte sie an der Freien Akademie im Mannheimer Schloss bei Paul Berger-Bergner und Carl Trummer Malerei. Auch Oskar Kokoschka gehörte zu ihren Lehrmeistern.
Sie hatte keine Kinder – aber ihre Geschwister. Eine Nichte war von ihrer Tante so beeindruckt, dass sie als Hommage an die Verwandte an der Zülpicher Straße das kleine Lokal eröffnete. „Wie bei Ute“ verspricht der Namenszug auf der Glastür. Und der Name ist Programm: Es gibt Waffeln, wie früher bei Ute, dick und süß, mit Puderzucker und Sahne, heißen Kirschen oder Apfelmus, Rosinen, Nutella oder anderen Früchten. Geschäftsführer Benedikt Kenfenheuer hat das Angebot um eine herzhafte Variante erweitert: Die Pizza-Waffel besteht aus einem Parmesan-Teig samt Salami- oder Schinken-Würfeln, der mit Streukäse serviert wird. Auch warme Gerichte – wie Chili Con Carne – stehen mittags auf der Karte. „Süße Waffeln essen unsere Kunden vor allem am Wochenende gerne, während der Woche ist eher Herzhaftes gefragt. Viele Menschen kommen zur Mittagspause“, sagt Kenfenheuer. Er hat das Angebot der Nachfrage ein wenig angepasst – sonst ist alles wie bei Ute. Das hat er ihrer Nichte so versprochen, die er seine Senior-Partnerin nennt. Selbst steht sie aber nicht hinter der Glastheke des Cafés, namentlich möchte sie auch nicht genannt werden.
Ihr reicht es zu wissen, dass es in Köln einen Ort gibt, in dem der Geist der Tante noch zu Hause ist, wo der alte Weichholztisch mit der blauweißen Kacheloberfläche steht. Heute sind darauf große Gläser verteilt, mit diversen Teesorten darin: Rote-Grütze, Erdbeer-Sahne und Roibusch-Vanille ist auf den Etiketten zu lesen. Die Kunden können sie mischen und ganz nach Geschmack ihren eigenen Mix in weiße Teebeutel füllen. Bei Ute soll Raum für Kreativität sein.
Im Café „Wie bei Ute“, Zülpicher Straße 257, gibt es Waffeln, warme Mittagsgerichte und ein Tee-Buffet zum Selbstmischen. Bilder von Ute können gekauft werden. Öffnungszeiten: täglich 11 bis 18 Uhr; Telefon 01590/233 63 91; Linie 7, Haltestelle Lindenburger Allee
www.wiebeiute.de
Und es gibt selbstverständlich Bio-Produkte, überall dort, wo es für die Café-Inhaber machbar ist. Denn auch Ute hat Menschen und Umwelt viel Aufmerksamkeit geschenkt und Gerichte frisch zubereitet, wenn möglich aus selbst gezogenem Gemüse. So gibt es im „Wie bei Ute“-Lokal Bio-Mehl, Bio-Eier und Bio-Milch. „Wir beziehen auch eher regionale Produkte als solche mit Demeter-Diplom, denn wir glauben, dass eine rheinische Möhre stimmiger ist als eine zertifizierte Bio-Papaya, die mit Jetlag aus Uruguay eingeflogen kommt“, so steht es auf der Homepage. Ute war ein selbstbewusster, streitbarer, kämpferischer Mensch, das spricht aus ihren Bildern, die teilweise als Originale, teilweise abfotografiert an der Wand hängen.
Expressive Farben und Formen bestimmen die Gemälde, mit denen sich die Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Korsett der naturalistischen Malerei und der Konvention des Bürgertums befreite. Liebgewonnene Alltagsgegenstände stehen im Mittelpunkt der Bilder, ein ganz bestimmter Tisch, eine ganz bestimmte Teekanne, eine Puppe, ein schwarzer Kater. Davor stehen Utes Möbel, ein leuchtend blaues Sofa mit floralem Samtmuster und ein leuchtend rotes. Alte verzierte Eichenstühle und wackelige Tische sind zu sehen.
In manchen Ecken hängen Bilderrahmen mit vielen kleinen vergilbten Fotos, von der Malerin, ihren Neffen und Nichten, von ihrem Garten, ihrer Puppe – und von ihrem schwarzen Kater Kasimir, der es sich auf einer Bank gemütlich gemacht hat. In dem kleinen Café an der Zülpicher Straße hätte er sich vermutlich ebenso wohl gefühlt. Schließlich ist es dort „wie bei Ute“.