Nah am Dom gelegen könnte man eine Touri-Falle vermuten. Aber das italienische Ristorante lohnt einen Besuch - warum, beschreibt Carsten Henn.
Henns GeschmackssacheDa Damiano lebt italienische Gastfreundschaft

Angenehmes Ambiente, freundlicher Service, italienische Gastlichkeit: das „Da Damiano“ in der Kölner Innenstadt
Copyright: Alexander Schwaiger
Die Lage des Ristorante Da Damiano hat mich immer irritiert – liegt es doch direkt neben dem Luciano. Dadurch finden sich zwei sogenannte Nobel-Italiener Wand an Wand in der Marzellenstraße. Diese gehört nicht zu meinen liebsten Ecken Kölns, fällt sie doch - so nah am Hauptbahnhof - unter touristisches Epizentrum, was man auch an der Speisekarte merkt, die zweisprachig deutsch-englisch ist. Man merkt es zudem an den Preisen, die höher als in anderen Ecken Kölns sind.
Eine unauthentische Touri-Falle ist das Da Damiano aber keineswegs, direkt beim Eintreten empfangen eine italienische Sprachfetzen und die italienische Gastfreundschaft der aus Apulien stammenden Familie um Maria und Damiano Pizzichetti. Die Corona-Lockdowns nutzten sie, um ihre Räumlichkeiten umzukrempeln.

Die Gastgeber: Damiano und Maria Pizzichetti sorgen für den Service der alten Schule.
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Wo einst Weiß und Kunst in Metallrahmen das Interieur bestimmten sind es jetzt offene Ziegelwände, die alles viel gemütlicher wirken lassen. Die Tische sind klassisch mit weißen Tischdecken versehen, die Servietten sind aus Stoff und das Service-Team komplett schwarz (die Damen), oder mit weißem Hemd und schwarzer Schürze (der männliche Teil) gekleidet. Alte Schule.
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Fast alle Klassiker der italienischen Küche finden sich auf der Karte
Es geht los mit einem kalten Gruß aus der Küche, doch die Garnele im Kartoffelnest lässt keine Freude aufkommen, da sie zum einen leicht fettig schmeckt und die darunter gekleckste Cocktailsauce äußerst eindimensional ist. Auch das Brot überzeugt nicht, fehlt es ihm doch an Knusprigkeit. Man denkt: na das kann ja heiter werden!
Neun Vorspeisen, vier Pasta-Gerichte, dreimal Fisch (Lachs, Steinbutt, Thunfisch) und viermal Fleisch (Lammkrone, Rinderfilet, Kalbskotelett, Entrecôte) als Hauptgericht finden sich auf der Karte, fast alles Klassiker der italienischen Küche. Dazu kommt später noch eine Auswahl von einem Dutzend Desserts, die in kleinen, bunten Zetteln an einer Art Mettallbaum auf den Tisch gestellt wird.

Wer mit Burrata arbeitet, braucht gute Produktqualität - die ist hier im Einsatz.
Copyright: Henn
Schon rauschen die Vorspeisen heran: das in einem breiten Turm angerichtete Thunfisch-Tatar ist gekonnt gewürzt und unterstützt den Geschmack des Meeresbewohners, allerdings ist die Avocado-Creme on top viel zu sauer – und noch dazu nichts anderes als das. Die Burrata auf Basilikum-Pesto verlangt von einer Küche eigentlich nur Produktqualität, die ist gegeben.
Fein abgeschmeckte, buttrige Sauce
Aber jetzt zeigt die Küche auch, dass sie etwas auf dem Kasten hat. Die souverän gebratenen Gambas ergeben mit Rote-Bete-Carpaccio eine charmante Einheit, da hätte es die etwas zu aufdringlichen Tupfer Senfsauce gar nicht gebraucht. Einige der frischen Garganelli pappen zwar zusammen, aber sie weisen allesamt feinen Biss auf, der grüne Spargel ist ebenfalls korrekt gegart, nur vom Kaisergranat finden sich etwas wenig und noch dazu so kleine Stücke auf dem Teller, dass man die edle Viktualie gar nicht richtig genießen kann. Auf der Habenseite steht dagegen die fein abgeschmeckte, buttrige Sauce.

Gelungener Hauptgang: Rinderfilet auf Balsamico-Velouté
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Bei den Hauptspeisen dann eine weitere Steigerung. Die Balsamico-Velouté zum wie gewünscht Medium Plus gebratenen Rinderfilet verdient ihren Namen vollends und verleiht dem Fleisch enorm Schwung.
Lachsfilet ist auf den Punkt gegart - innen noch leicht glasig
Auch das Lachsfilet „Label Rouge“ ist auf den Punkt gegart, also innen noch leicht glasig, die Pistazienkruste obenauf bietet angenehmen Crunch. Als Beilagen gibt es bei beidem etwas Brokkoli und Karotte à part. Die Gorgonzola-Sauce zu den mit Lachs gefüllten Panzerotti könnte mehr geschmacklichen Wumms des Käses vertragen, aber auch hier gelingt die Pasta. Dasselbe gilt für die frischen Tagliolini mit gehobelten Trüffeln, bei denen es wirkt, als wäre mit Trüffel-Butter ein wenig nachgeholfen worden. Aber im Rahmen.

Pasta gelingt bei Da Damiano: frische Tagliolini mit gehobelten Trüffeln
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Alle Teller werden leer. „Morgen strahlt die Sonne wieder!", sagt die herzliche Dame aus dem Service. Zabaione steht heute nicht bei der Dessert-Auswahl, wird aber extra möglich gemacht – das ist vorbildlich, und sie gelingt wunderbar schaumig.

Schöne Tropfen aus Italien hält das Restaurant bereit.
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Das Tiramisu ist extrem cremig, die Panna Cotta nicht zu fest und das Semifreddo gut angetaut. Alles solide. Zum Schluss geht der Koch von Tisch zu Tisch für ein kleinen Plausch, und Grappa oder Limoncello gibt es auch noch aufs Haus. So wünscht man sich das „beim Italiener“.
Zu all dem bietet die Weinkarte (ohne Jahrgangs-Nennung) einige schöne Tropfen aus Italien, unter anderem von Jermann oder Lageder.
Fazit: Solide italienische Klassiker, sehr freundlicher Service, ambitionierte Preise.
Bewertung: 3 von 6
Da Damiano, Marzellenstraße 66, 50668 Köln Tel. 0221-123662
Di-Sa 12-14.30 & 18.30-22.30 Uhr

Originelle Präsentation der Dessertauswahl: Das Tiramisu ist extrem cremig.
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Henns Auswahl:
Burrata auf Basilikum-Pesto 17 Euro
Thunfisch-Tatar „Sashimi“ mit Avocadocreme 28 Euro
Gebratene Gambas auf Rote-Bete-Carpaccio 28 Euro
Frische Tagliolini mit Trüffeln der Saison 35 Euro
Lachs Panzerotti mit Gorgonzola Sauce 26 Euro
Frische Garganelli mit Kaisergranat „Langostino“ und grünem Spargel 28 Euro
Lachsfilet „Label Rouge“ in Pistazienkruste 42 Euro
Rinderfilet auf Balsamico-Velouté 48 Euro
Zabaione mit Eis 10,50 Euro
Tiramisu 10 Euro


