Ein Ort fürs große Dinner ist das Bistro in der Südstadt nicht – dafür aber für eine gute Zeit mit Meze und Getränken in herzlicher Gesellschaft.
Henns GeschmackssacheDas Kölner Keimaks bietet Pariser Thekenflair – kulinarisch solide

Amir Josef Tubis ist der Inhaber des Keimaks, das inzwischen als Südstädter Institution gilt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Obwohl ich erklärter Fan des Winters bin, wünschte ich mir doch, der Frühling hätte sich mehr beeilt, als ich vor dem Keimaks stehe. Denn davor befinden sich einige Sitzplätze unter einer Markise und einer großen Birke, die noch kein Blätterdach aufweist. Bald wird es hier sicher sehr lauschig sein.
Aber das ist es drinnen auch. In einer Zeit, in der alle Restaurants auf reduzierten kühlen Chic und schrecklich hallige Akustik setzen, ist das seit 1997 bestehende Keimaks eine Oase der Individualität. Zwei kleine Räume, den vorderen beherrscht eine alte Pariser Comptoir-Theke vor original Jugendstilkacheln, an der Metallschildchen mit Namen von Stammgästen angebracht sind. Und Stammgäste, fast alle älteren Semesters, finden sich an diesem Abend unter großem Hallo etliche an der Theke ein, geradezu familiär geht es zu. Kein Wunder, dass die beiden beherrschenden Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden stilvoll Feiernde im Keimaks zeigen, von denen einige der munteren Truppe an der Theke ähneln. Auch ansonsten sitzt man hier gut, obwohl die rote Sitzbank einen großen Riss hat, und das Licht der roten Tischlampen zum Essen eigentlich zu dunkel ist – aber manchmal ist schummrig für einen Abend ja genau richtig.
Gut zwanzig Weine werden angeboten, größtenteils aus Frankreich und Deutschland. Jahrgänge sind keine angegeben, qualitativ und preislich (die Flasche 27 bis 36 Euro) alles solide. Mehr Auswahl gibt es an Cocktails, rund 50 hat meine Kollegin Eva Reiks gezählt, die für Bars beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ verantwortlich ist. Allerdings konnte sie davon nur den Espresso Martini empfehlen.
Die Speisenauswahl wird auf zwei Kreidetafeln präsentiert und ist sehr überschaubar. Acht Gerichte gibt es (darunter nur eine amtliche Hauptspeise) sowie sieben Meze (unter anderem Feta, oder Hummus). „Globale Bistroküche“ nennt man den Küchenstil, der mitteleuropäische und mediterrane Klassiker, aber auch Spezialitäten aus dem Orient, Asien oder Afrika beinhaltet. Einfache Gerichte, stets traditionell und nicht als Crossover zubereitet.

Der Außenbereich bietet bei entsprechenden Temperaturen lauschige Plätzchen.
Copyright: Alexander Schwaiger
Eigentlich waren einige davon beim ausgesprochen netten Service als Vorspeisen bestellt, aber es kommt schließlich alles durcheinander auf den etwas zu kleinen Tisch. Besteck und Papierservietten lassen sich in einem Körbchen finden.
Tabouleh und Hühnchenkeule überzeugen
Das Fladenbrot ist knusprig, bei den provenzalischen Kartoffeln war die Küche großzügig mit Rosmarin, allerdings viel zu zurückhaltend mit Knoblauch und Salz – letzteres steht aber auf dem Tisch zum Nachwürzen. Auch an Knusprigkeit mangelt es. Überzeugender fällt das fluffig-tomatige Tabouleh aus. Und die Hühnchenkeule fällt geradezu vom Knochen.
„Tschüss Kathi“, ertönt es plötzlich von der Theke, und es wird sich herzlich verabschiedet. Während Dave Brubecks „Take Five“ aus den Boxen perlt, wird ein Besucher mit Kappe begrüßt und geraunt: „Ah, der Patron!“ Es ist ein fröhliches Kommen und Gehen.

Fluffig-tomatiges Tabouleh
Copyright: Carsten Henn
Die Linsensuppe wird dampfend serviert, mit etwas Olivenöl und Petersilie obenauf. Schön sämig gerät sie, mit viel Kreuzkümmel, was ihr wie auch die feine Schärfe gut steht. Der Star des Abends ist aber die große Portion Bœuf Bourguignon auf einem lavaheißen Kartoffelstampf mit viel Butter. Die Fleischstücke sind so weich, dass man kein Messer braucht, dazu große Champignon- und Karottenstücke. Ab und an beißt man auf Pfefferkörner, oder findet ein Lorbeerblatt, und nachsalzen muss man auch hierbei, doch das fühlt sich aufgrund des Interieurs positiv rustikal und charmant-nachlässig französisch an.
Von den zwei Desserts wähle ich den Schoko-Brownie, er ist saftig und heiß, obenauf gibt es eine Nocke Vanilleeis – aromatisch eindimensional wie fast überall. Dazu etwas dunkle Schokosauce und eine Physalis als Deko. Das Schönste am Gang ist der Oma-Teller mit Goldrand, auf dem er serviert wird.

Der Nachtisch ist saftig und heiß, aromatisch aber eindimensional, findet unser Autor – umso mehr freut er sich über das Goldrandgeschirr.
Copyright: Carsten Henn
Würde ich hier auf der Suche nach einem schönen Abendessen einkehren? Nein. Aber um in netter Atmosphäre und angenehmer Gesellschaft etwas zu trinken, und dazu eventuell eine Kleinigkeit (oder nach Tagesangebot auch etwas mehr) zu bestellen? Absolut. Bleibt nur eine Frage: Was macht eigentlich die Parkuhr auf der Herrentoilette?
Fazit: Ein charmantes Bistro mit Flair. Kleine Speisen- und Weinauswahl von solider Qualität.
Bewertung: 3 von 6
Keimaks, Kurfürstenstraße 27, 50678 Köln, Tel. 0221-312670, So - Do 18 - 1 Uhr, Fr - Sa 18 - 2 Uhr, www.keimaks.de
Henns Auswahl:
- Linsensuppe / 8 Euro
- Boeuf Bourguignon mit Kartoffelstampf / 24 Euro
- Schoko-Brownie mit Eis / 7 Euro
- Provenzalische Ofenkartoffel / 6 Euro
- Hühnchenkeulchen / 7 Euro
- Tabouleh / 6 Euro

