Der Name „Wipperfürth“ verweist auf eine Furt am Oberlauf der Wupper, wo sie noch „Wipper“ heißt. Dort konnten Handelsreisende den Fluss durchqueren, hier trafen sich zwei große Handelswege und machten Wipperfürth zum Umschlagplatz, der in den Bund der Hansestädte aufgenommen wurde. Soll man da an Berge denken? Immerhin ist überliefert, dass eine Wallfahrt an das Grab der heiligen Agatha in Sizilien nach dem großen Brand der Stadt von 1465 nicht weiter kam als bis Agathaberg, 380 Meter hoch und heute eins der sieben Kirchdörfer von Wipperfürth.
Von dort führt uns der Weg auf Umwegen zum Steinweg, den höchsten Gipfel Wipperfürths, dazwischen aber auf der Wasserscheide zwischen Sülz und Gaulbach mehr als einmal weit hinab in Quellmulden und tief gekerbte Bachtäler – nur um dann auf dem Ufer gegenüber wieder anzusteigen. Richten wir uns also ein auf Matsch und Muskelkater!
Buchenholz und Bachlauf
Rund um die Kirche wurde 1867 ein Stationenweg angelegt, der uns gleich zu Beginn die Richtung weist. Der „Dorfschänke“ am Fußballplatz schräg gegenüber passieren wir den Bildstock 12 des restaurierten Kreuzwegs und wandern mit „A 1“ hinab. Am Waldrand knickt der asphaltierte Weg am neunten Bildstock scharf nach links. Wir aber folgen dem „A 1“ halbrechts und in den Wald. Es geht durch schönes Buchenholz mit Ilex dicht am Boden. Zur Rechten hat sich ein Bachlauf tief in die Grauwacke gekerbt. Wo wir den Wald bei einer Bank verlassen, geht es zwischen Weidezäunen etwa 50 Meter weiter mit „A 1“. Vor uns, unter uns, die wenigen Häuser von Unterdierdorf. Von 1798 bis 1970 verlief hier, weiter geradeaus und steil in der bewaldeten Böschung, der alte Kirchweg nach Agathaberg. Heute ist er nicht mehr gangbar.
Stattdessen schwenkt der Weg „A 1“ scharf rechts, am Ende der Weidefläche nochmals rechts und bringt uns in der Böschung durch eine S-Kehre hinab bis ins Tal. Hier verlässt uns der „A 1“ nach links, hinab. Wir steigen halbrechts mit dem namenlosen Schotterweg an der Talflanke hinauf, das letzte Stück im Fichtenwald. So stoßen wir nach 750 Metern im Wald auf einen Querweg mit der „Spinnloch“-Hütte, nach der gereimten Mahnung in holprigen Vierhebern auf einem Brett im Inneren. Ab hier ist unser Weg gut bezeichnet: Das grüne Zeichen des „Wasserquintett“-Wegs mit fünf blauen Punkten für die Talsperren, die er berührt, begleitet uns für viele Kilometer, dazu „A 4“ und das Andreaskreuz des SGV-Wegs 28.
Wir gehen mit dem Querweg links und steigen mit den drei genannten Zeichen weiter, queren oben einen Weg und kommen über Tritte auf den Fahrweg, nun wieder mit erheblichem Gefälle. Es geht am Fahrweg und am „Kremershof“ vorüber, dann kommen wir nach Fähnrichsstütten, das im wesentlichen aus zwei Teilen besteht: einem langgestreckten weißen Fertigungsbetrieb, der hier im stillen Seitental „gebündelte Kunststoffkompetenz“ in Form bringt, und einem zweiten Teil dahinter, der eher nach getaner Arbeit aussieht. Dazwischen steht ein Hinweispfosten links des Wegs, der die Entfernungen nach Kapstadt, Durban und Pretoria in Kilometern mit drei Kommastellen ausweist.
Zuletzt führt uns das Sträßchen über einen Wasserlauf hinweg. Hier weist uns das vertraute grüne Zeichen nach links, hinauf, und wieder links, vorüber am Einzelhaus 20, rund 1300 Meter weit mit der Kerbe des Stüttemer Siefens, anfangs durch Fichtenwald, dann durch die freie Flur (auch „X“). So kommen wir nach Vordermühle mit Fachwerk und weißer Kapelle in einem Kranz von stummen Bildstöcken und überdrehtem Federvieh. Wir gehen bis zur Landstraße und mit ihr rechts, wo der Dierdorfer Siefen die beiden letzten Mühlen anzutreiben hatte, ehe er sich einen halben Kilometer später der Sülz ergab. Vorbei am Teich, dem Mühlrad und einer Madonna passieren wir die ehemalige Mühlenbäckerei, überqueren den Bach und die Straße und folgen gegenüber links dem Fahrweg nach Berrenberg und Hintermühle. Rund 150 Meter gilt es nun zu steigen bis zum höchsten Punkt von Wipperfürth!
Zum Gipfel!
200 Meter von der Landstraße entfernt erreichen wir ein Wegedreieck. Hier wandern wir halblinks, dem Wingenbach entgegen, mit dem vertrauten grünen Hinweis, dem Andreaskreuz sowie dem Weg „A 4“. Es geht am Buchenwald entlang, dann durch den Wald und vor der Höhe wieder durch die freie Flur. Anfangs über uns, zuletzt zur Linken, steht ein Haus mit Satteldach und einem kubischen Flachdach davor. Als bloß Vorüberziehender vermag man nicht zu sagen, ob der Vorbau als Erweiterung gemeint ist oder als Streit unter Nachbarn. Hier stoßen wir auf einen asphaltierten Querweg, gehen rechts und wandern im Linksschwenk durch die Hofstatt, beim Fachwerkhaus 2 mit Lindenbaum davor zum Ort hinaus, dem nahen Horizont entgegen.
Halblinks wölbt sich über allem der bewaldete Kegel des Steinbergs. Beim Gittermast der Starkstromleitung stoßen wir auf einen asphaltierten Querweg. Hier nehmen wir Abschied vom Andreaskreuz und der grün-blauen Tafel des „Wasserquintetts“ und folgen links dem Fahrweg nur bis an den Wald, dann steigen wir halbrechts bis auf den Gipfel mit dem umgitterten Wasserbehälter. Und sind enttäuscht: kein Gipfelkreuz, kein Fernblick, nichts als die schiere Höhe: 403 m (NN). Wir umwandern den Behälter im Zeichen des Kreissymbols halb gegen den Uhrzeigersinn, dann steigen wir mit dem Kreis rechts hinab, stoßen auf den Querweg „D 1“, „D 2“ und gehen links, zum Wald hinaus und doch am Waldrand weiter, am Antennenmast vorüber, bis an den asphaltierten Fahrweg. Er bringt uns rechts, hinab, nach Hahnenberg. So klein die Hofstatt auch erscheint: Bis 1968 gab es hier noch eigens eine Schule!
Kirche mit Dom-Blick
Hier wenden wir uns links und steigen mit dem Fahrweg „Kahlscheuer“ ab, vorbei an einem Bildstock mit leerer Bildnische, im sachten Rechtsschwenk in die nächste Siefenmulde. Dort passieren wir rechts am Waldrand den schönen Wasseraufschluss „Brandhagen. An den Quellen“, der oberhalb des Weilers Kahlscheuer schon im Rohr gefasst ist. Wir wandern weiter geradeaus bis an die Landstraße mit Oberdierdorf, das sich uns vorrangig als Stallanlage für gereihtes Milchvieh zeigt. Mit der Straße wandern wir nach rechts und folgen vor Haus 4 dann links dem Fahrweg mit „A 3“ und „A 4“. Vorüber an der Abzweigung nach Unterdierdorf geht es geradewegs hinauf, noch einmal durch den Wald und bis an den Friedhof heran, wo wir nun den Kreuzweg rechts verfolgen, kühn gegen jegliche Chronologie des dargestellten Leidens. Bei Bildstock sechs schwenkt unser Weg nach links und führt uns auf Agathas Berg und an die Kirche, den Ursprung von Agathaberg. 1894 wurde an den alten Chor das neue Langhaus angebaut und 1912 wurde schließlich Agathaberg zur eigenen Pfarrei erklärt.
Wipperfürth, wo alles anfing, ist von hier oben nicht zu sehen. Auch nicht die Spitze von Sankt Nikolaus. Doch dafür der Dom zu Köln, der zweiten Hansestadt am Fuhrweg nach Westfalen: Im zweiten Kirchenfenster mit der groben Richtung nach Sizilien.
