Köln – Rote Ampeln, Baustellen, Stau - der allmorgendliche Weg zur Arbeit ist für die meisten Autofahrer in Köln selten ein Vergnügen. Stattdessen wird die Fahrt zur Zerreißprobe für die Nerven. Vor allem auf den Autobahnen rund um die Stadt brauchen Pendler viel Geduld, während der Morgenstunden und im Feierabendverkehr reiht sich dort Stoßstange an Stoßstange. Das sorgt für Frust - und nicht selten auch für Verzweiflung.
"Wenn ich einen Schleichweg wüsste, ich würde ihn nicht verraten", schreibt Leserin Gabriele von Knobelsdorff. Auf ihrem Weg zur Arbeit fährt sie täglich von Euskirchen über die A1 in Richtung Köln-Merkenich. Eigentlich bräuchte sie für ihre Strecke knapp 25 Minuten. "Spätestens in Höhe Gleuel kommt die Korrektur und die Fahrtzeit verlängert sich bis auf 60 Minuten". Mit ihrem Stau-Frust ist Gabriele von Knobelsdorff nicht allein. Im Rahmen unserer Leseraktion haben uns in der vergangenen Woche zahlreiche E-Mails und Kommentare in den Sozialen Netzwerken erreicht.
Abends ist es noch schlimmer
Vor allem rund um das Leverkusener Kreuz auf der A1 und der A3 können Autofahrer ein Lied vom Verkehrschaos singen. Martina Scholl findet deutliche Worte für die tägliche Autowüste zwischen Opladen und Mülheim: "Horror". Zur Arbeit brauche sie morgens meist 45 bis 60 Minuten. "Und abends ist es teils noch schlimmer!"
Wie gereizt viele Verkehrsteilnehmer auf das nervige Stop-and-Go reagieren, schildert Simone Schulz. Sie fährt täglich von der A4 über die Rodenkirchener Brücke. "Nach der Ausfahrt Köln-Poll wird auf der Siegburger Straße beim Reißverschlusssystem gedrängelt, was das Zeug hält. Man könnte meinen, es ginge um Leben und Tod." Der Frust sitzt tief.
Keine Alternative
Auch bei Elke Holzmann. "Jeden Morgen Stau auf der A1 Burscheid Richtung Kreuz Leverkusen. Am Abend das gleiche zurück an der Abfahrt zur A59 und am Kreuz Leverkusen", schreibt sie über Facebook. Die Autoschlangen umfahren? Sinnlos. "Die Alternative A3 ist auch keine, man steht bereits in Leverkusen kilometerlang bis zur Autobahnabfahrt." Nuray Scherf hat da bessere Erfahrungen gemacht: "Wenn ich von Bochum aus komme, fängt es vor Leverkusen an und hört nicht mehr auf. Mittlerweile fahre ich über den Klettenberggürtel bis Raderberg und von dort aus auf die Autobahn. Klappt eigentlich ganz gut".
Andere Leser weichen resigniert auf öffentliche Verkehrsmittel oder, wie Andrea Roßmar, auf das Fahrrad aus - trotz teilweise gewaltiger Distanzen. Täglich 45 Kilometer und Fahrzeiten von 70 Minuten pro Strecke nimmt sie in Kauf, um dem nervenaufreibenden Verkehrschaos zu entkommen: "Meistens nervt mich vor Dienstbeginn die Aussicht auf Stau und Parkplatzsuche derart, dass ich mich entweder mit Fahrrad und Bahn oder komplett mit dem Fahrrad auf den Weg mache. Allerdings ist der Aufwand enorm: eine Extra-Packtasche mit Wechsel-Kleidung und wetterfester Schutz sind immer dabei." Trotzdem versucht Andrea Roßmar, das Ganze positiv zu sehen: "Dann nutze ich die unverhältnismäßig lange Fahrzeit wenigstens, um meinem Körper etwas Gutes zu tun." Eine Menge Stress erspart sie sich damit allemal.
