Deregulierung, Beschleunigung und Reduzierungen von Baustandards sollen der Schlüssel für günstigeres Wohnen sein.
Bauen in KölnImmobilieneigentümer fordern günstigeren Wohnungsbau

Der Haus- und Grundbesitzerverein stellt zum Jahresauftakt Forderungen an die Stadtverwaltung: Vorsitzender Anton Bausinger (rechts) und Hauptgeschäftsführer Thomas Tewes.
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„Es muss ein Ruck durch Köln gehen!“, fordert der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein und meint damit den Wohnungsbau. Seit langem wisse jeder, dass es in der Stadt extrem an Wohnraum mangele, doch nach wie vor tue sich viel zu wenig, um das Problem zu lösen. Ausdrücklich unterstützt der Verein die Initiative „Wohnen für alle – Köln baut bezahlbar“, die Oberbürgermeister Torsten Burmester ins Leben gerufen hat. Es ist ein Dialogprozess, der alle relevanten Akteure einbindet und zu einem kostenreduzierten Wohnungsbau in Köln führen soll. Geschehen soll dies durch Deregulierung, Beschleunigung und Reduzierungen von Baustandards.
Alle Dezernenten hinter gemeinsamen Ziel versammeln
Thomas Tewes, Hauptgeschäftsführer des Verbands der privaten Immobilieneigentümer, sagte am Dienstag, man habe die Befürchtung, dass die Bemühungen im Sande verlaufen würden, wenn sich in Köln nichts am „Mindset“ ändere, das heißt an der Einstellung vieler Beteiligter. „Geht es ans Eingemachte, erweisen sich die Erklärungen als nicht besonders haltbar. Im Klein-Klein gewinnen die Bedenken Oberhand, Kompromissbereitschaft ist – wenn überhaupt – nur ansatzweise erkennbar.“
Burmester müsse es schaffen, alle Dezernenten hinter dem einen Ziel zu versammeln, den Wohnungsbau anzukurbeln. „Aufgabe der Dezernate ist es zu ermöglichen und nicht durch interne Vorgaben zu verhindern. Viel zu oft werden Bauprojekte durch verwaltungsbedingte Einzelinteressen behindert, unnötig verteuert oder gar unmöglich gemacht“, kritisierte Tewes. Als Beispiele nannte er das Umweltamt, das sich, „etwas übertrieben gesagt, nicht darum kümmert, dass 20 Wohnungen entstehen können, sondern darum, dass zwei Bäume erhalten bleiben“, und auch das Verkehrsamt, das sich noch „hemmender“ verhalten könne.
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Offen sei die Frage, ob es Burmester gelinge, seine Vorhaben mit wechselnden Mehrheiten im Stadtrat umzusetzen. „Das kann gutgehen, aber auch lähmenden Stillstand bedeuten“, so Tewes. Mit Zahlen machte er das Problem deutlich. Etwa 6000 neue Wohnungen würden pro Jahr in Köln gebraucht, sagt Tewes. Doch wie berichtet sind 2024 nur 1800 entstanden und gleichzeitig 300 weggefallen.
In die Höhe bauen
Zu den konkreten Vorschlägen des Vereins gehört, höher zu bauen. Zwar hätten Erhaltungssatzungen dort ihren Sinn, wo es wichtig sei, „alte, gewachsene schöne Strukturen zu erhalten“, sagte Vereinsvorsitzender Anton Bausinger. Doch bei mindestens 95 Prozent der Stadtfläche biete sich an, Gebäude aufzustocken oder sie gleich um einige Geschosse höher zu bauen. Auch hier müsse sich das „Mindset“ ändern, ergänzte Tewes. Ebenso, wenn es darum gehe, Außenflächen als Bauland auszuweisen, denn allein mit „Innenverdichtung“ der Wohnviertel lasse sich das Problem nicht lösen.
Insgesamt müsse die Verwaltung risikobereiter werden, auch um den Preis möglicher Fehlentscheidungen, wünschen sich Bausinger und Tewes zum Jahresanfang. Bausinger kritisierte einen Mangel an Verständnis für die Belange von Investoren: „Wenn man aus Teilen der Verwaltung hört, das eigene Handeln sei nicht den Renditeerwartungen der freien Wirtschaft verpflichtet, dann verkennt dies sträflich die Tatsache, dass sich Investitionen für den Unternehmer immer auszahlen müssen.“

