Dortmund hat ein Bettel-Verbot im Bereich der Außengastro beschlossen. Käme das auch für Köln infrage? Eine Umfrage unter Kölnerinnen und Kölnern.
Bettel-Verbot in Köln?„Ein Verbot wäre wie Augenverschließen“

Gerade im Sommer werden Gäste an Tischen häufig von Bettlern angesprochen. (Symbolbild)
Copyright: Thilo Schmülgen
Toni, 30: „Ich verstehe die Angst der Gastro vor Kundenverlust durch Bettler, auch wenn ich nicht glaube, dass es dazu kommt. So schnell bricht die Gastronomie wegen so etwas nicht ein. Ich kann die Beschwerden aber nachvollziehen. Um ein Verbot umzusetzen, fehlen aber die Ressourcen. Um das zu kontrollieren, bräuchte es viel Ordnungsamt, und das gibt es nicht.
Einerseits: Klar, es ist doof, wenn man hier sitzt und dann aus der Situation nicht wegkommt, weil viele, die an den Tisch kommen, ein Nein nicht direkt akzeptieren. Andererseits: Wenn ein Verbot käme, wäre das, als verschließe man die Augen vor etwas, das eigentlich besser anders angegangen werden müsste.“
Jana, 33: „Gastronomen beschweren sich nicht umsonst. Sie können mit ihrem wenigen Personal kaum gegen Bettelei vorgehen, und wo nimmst du die ganzen Ordnungskräfte her, die sich drum kümmern müssten? Ich bin grundsätzlich nicht gegen Betteln, aber sobald ich irgendwo am Tisch sitze, gebe ich definitiv kein Geld an jemanden. Ich bin eher ein Fan davon, jemandem etwas zum Trinken oder Essen zu kaufen. Im Zeitalter der Kartenzahlung habe ich sowieso fast nie Bargeld dabei. Für ein generelles Verbot bin ich nicht. Es gibt die Bettelmafia, also, dass bewusst Leute hingesetzt werden zum Betteln. Und da geht das Geld dann nicht an die, die es wirklich brauchen. Das finde ich finde ich traurig.“

Antonia Langbehn, 23
Copyright: Maja Hoffmann
Antonia Langbehn, 23: „Ich arbeite selbst in der Gastro und wir haben auch einen Außenbereich, wo das regelmäßig passiert. Es sind immer dieselben Leute, die nach Geld fragen. Ein generelles Verbot fände ich schwierig. Das ist meiner Meinung nach wie Augenverschließen vor Dingen, die nicht gut laufen. Man sollte das Thema bei den Restaurantbetreibern lassen, so wie es jetzt auch ist. Bei uns ist es auch schon passiert, dass meine Chefin selbst mit den Menschen geredet hat. Ich kenne auch andere Betriebe, wo die Betreiber wirklich, und das finde ich eigentlich viel schöner und menschlicher, die bettelnden Menschen kennen. Und dann heißt es einfach: ,Dann nimm dir noch kurz einen Kaffee‘ oder so. Und ob ich jetzt rumlaufe und gefragt werde oder ob ich sitze, macht keinen großen Unterschied. Ich denke, geschäftsschädigend ist es wirklich in den seltensten Fällen. Die meisten Leute wissen, dass das überall so ist.“

Tabea Spielmann, 21
Copyright: Maja Hoffmann
Tabea Spielmann, 21: „In den Betrieben, in denen ich arbeite, passiert das relativ wenig. Ich arbeite auch in der Gastro, im Service, aber ich kenne das eher aus der Perspektive als Gast. Und ich finde es, wenn ich irgendwo am Tisch sitze und angesprochen werde, nicht viel störender, als wenn ich zum Beispiel an einer Bahnstation sitze. Ein Verbot durchzusetzen wäre relativ schwierig, glaube ich. Wie willst du jemandem verbieten, irgendwo durchzulaufen? An vielen Orten hat man zwischen Außengastro-Bereichen ja einfach Durchgangswege.

Jojo Gabel, 34
Copyright: Maja Hoffmann
Jojo Gabel, 34: „Ich finde ein Verbot nicht gut. Klar, kann es zwar etwas unangenehm sein, wenn man sitzt und nach Geld gefragt wird, aber ich finde es eigentlich in Ordnung, dass Leute fragen dürfen. Man kann immer noch Nein sagen, und die meisten gehen dann weiter. Ich bin also eher gegen ein Verbot.“

Fabian Heinke, 38
Copyright: Maja Hoffmann
Fabian Heinke, 38: „Ich bin zum einen gegen ein Verbot, zum anderen finde ich aber auch, dass die Städte in der Pflicht stehen, mehr für obdachlose Menschen zu tun und sich da stärker einzusetzen, mehr Möglichkeiten zu schaffen. Die Menschen müssen irgendwie auch unterkommen, sodass sie gar nicht mehr auf dieses Betteln angewiesen sind. Da müsste mehr geholfen werden.“
