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„Quälerei für Mitarbeiter“Kölner Gastronomen passen Öffnungszeiten an – „Kleines Hitzefrei“

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Bis zu 39 Grad heiß soll es am Wochenende in Köln werden.

Bis zu 39 Grad heiß soll es am Wochenende in Köln werden.

Kölner Gastronomiebetriebe reagieren auf Hitze, passen Öffnungszeiten an und geben „Klimabonus“ für Mitarbeitende aus – weniger Gäste bei hohen Temperaturen.

Temperaturen, die an der 40-Grad-Marke kratzen – und Meteorologen rechnen mit keiner schnellen Abkühlung: Diese Gluthitze bringt für viele Berufsstände besondere Herausforderungen mit sich. Dachdecker, Straßenbauer oder Briefzusteller sind extrem gebeutelt, aber auch Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, kommen an ihre Grenzen. Bei 35 Grad zu kochen, ist körperlich heftig – in der prallen Sonne im Service zu arbeiten, ebenso. Wer an solchen Tagen am Herd steht, kann laut Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde verlieren.

Anna Heller vom Brauhaus Heller hat auf die Hitzewelle reagiert und gezielt die Betriebszeiten ihrer Draußen-Lokale gekürzt: Im Biergarten im Volksgarten öffnet sie statt um 14 Uhr um 17 Uhr, im Schwimmbad Riehl um 17 statt um 13 Uhr. „Ein kleines ‚Hitzefrei‘ für unser Personal“, schreibt sie auf Instagram. Die Reaktion ihrer Angestellten sei gespalten, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion: „Viele sind total dankbar, nicht in der Brüllhitze draußen herumlaufen zu müssen, manche bedauern aber natürlich, dass ihnen dadurch Stunden entgehen“, sagt Heller. 

28.06.2023, Köln: Die Arbeiten am Kahnweiher im Volksgarten sind im vollen Gange.
Trotzdem hat Hellers Biergarten geöffnet.
 Im Bild die Besitzerin des Biergartens Anna Heller.
Foto: Michael Bause

Anna Heller im Biergarten im Volksgarten (Archiv)

Wie Anna Heller machen es derzeit viele Gastronomen in Köln. Laura Bechthold betreibt im Kölner Westen den Club Astoria mit Restaurant, Terrasse und Biergarten. Der Biergarten öffnete wegen der Hitze vier Stunden später – um 16 statt um 12 Uhr. „Das ist auch sonst Quälerei für die Mitarbeiter“, sagt sie. Auch das Brauhaus Johann Schäfer im Rheinauhafen hat die Küchenzeiten gekürzt. Die Gäste, so das Brauhaus, reagierten verständnisvoll.

Daniel Rabe, Betreiber der Bagatelle in der Südstadt, hat ebenso seine Abläufe der Hitze angepasst und die Küchenzeiten reduziert. Zusätzlich zahle er, so Rabe, bis Sonntag täglich 250 Euro als sogenannten „Klimabonus“ in die Trinkgeldkasse – und bittet auch die Gäste darum, beim Bezahlen großzügig zu sein. „Service und Küche betreiben an solch heißen Tagen einen irre anstrengenden Job, das ist körperlicher Dauerstress“, schreibt Rabe.

04.01.2026, Köln: Julias Lieblingsort: Wallczka Bistro Foto: Arton Krasniqi

Von Donnerstag bis Samstag öffnet das Bistro Wallczka später.

Der Mainzer Hof an der Maternusstraße, das Bistro Wallczka an der Kyffhäuserstraße, die Fette Kuh an der Bonner Straße, Haus Knott in Porz und die Pizzeria PiZz am Friesenwall reagierten ebenfalls auf die Temperaturen. Sie alle haben in dieser Woche die Öffnungszeiten gekürzt. Obwohl das nur eine Auswahl ist – der Tenor ist im Grunde der gleiche: Das wollen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht zumuten.

Die Pizzeria PiZz am Friesenwall reagiert auch auf die Hitze.

 „Viele Gastronomen in Köln haben schon die Initiative ergriffen und in Anbetracht der Hitze Zeiten reduziert, und das ist auch durchaus sinnvoll“, sagt Maike Block, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied der IG Gastro. „Am Ende muss das natürlich aber jeder selbst wissen.“ Aus Blocks Sicht entlastet dieser Schritt das Personal und passt zudem die Öffnungszeiten dem natürlichen Gästefluss an. Heißt: Bei Brüllhitze kommen weniger Menschen. „Mittags setzt sich hier niemand in die pralle Sonne“, sagt auch Laura Bechthold und bekommt Zustimmung von Anna Heller: „Die Gäste kommen gerade einfach später, wenn es draußen wieder angenehmer wird.“ Das Abendgeschäft hingegen werde gut angenommen – dann, wenn der Tag wieder erträglicher wird. 

Ventilatoren, Wassermelone, Kühlwesten

Neben den Zeitanpassungen haben viele gastronomische Betriebe kleinere, charmante Maßnahmen ergriffen: Die Fette Kuh etwa reicht den Kunden zu jedem Burger eine kalte Gazpacho, anderswo hängen sich Mitarbeitende Ventilatoren oder gefrorene Küchentücher um den Hals – und kalte Getränke sowie Wassermelone gehören dieser Tage in vielen Kölner Küchen ohnehin zur Grundausstattung. Bechthold hat zudem versuchsweise Kühlwesten bestellt.

Mit diesen kleineren Kälte-Maßnahmen kennen sich auch Gert Dillien und Heiko Hörnecke aus. Dillien lässt die Öffnungszeiten von Deutzer Brauhaus, Gilden im Zims und Servus Alpina unangetastet, hat aber „zusätzliche Getränke und Softdrinks bestellt, damit unsere Leute immer auch genügend Zucker bekommen“. Und er hat die sogenannten Stationen verkleinert, das heißt, dass jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin draußen weniger Gäste betreuen muss. Was im Frühjahr ein Nachteil sei, sei bei der Hitze ein absoluter Vorteil: dass Zims und Servus im Schatten liegen.

Immer online nachschauen

Heiko Hörnecke vom Brauhaus Quetsch in Rodenkirchen hat zwar erwogen, Öffnungszeiten zu kürzen, sich dann aber dagegen entschieden und stattdessen für Eis und Kaltgetränke für die Mitarbeitenden. „Hier bei uns geht aber auch meist ein Lüftchen. Zudem bieten wir ohnehin nur bis 21 Uhr Küche an“, sagt er.

Ein Tipp zum Schluss: Wer in diesen Hitzetagen einen Kölner Biergarten oder die Terrasse eines Lokals besuchen möchte, sollte sich vorab über Instagram, Facebook oder die jeweilige Website informieren. Schließlich soll niemand vor verschlossenen Türen stehen.