Wir haben betroffene Touristen aus Köln und eine Deutsche in Frankreich gefragt, welche Folgen die Waldbrände für sie haben.
Brände in Spanien und Frankreich„Wir stehen mit Angst auf und gehen mit ihr schlafen“

Ein ausgebranntes Auto und ein niedergebranntes Haus, nachdem in dem Dorf Le Porge Waldbrände gewütet haben.
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Die Angst ist spürbar
Jutta Pulcini lebt mit ihrer Familie seit zwölf Jahren in der Nähe von Bordeaux: Ein Wortprotokoll.
Wir leben auf der Ostseite der Garonne, im Gebiet Entre-deux-Mers. Da sind wir einigermaßen sicher, obwohl es auch in unserer Nähe Wälder gibt, in denen der kleinste Funke das nächste Inferno auslösen könnte. Die Behörden haben deshalb den Gebrauch aller Geräte mit Benzinbetrieb verboten – vom Rasenmäher bis zur Motorsäge. Die Feuerwalze reicht jetzt bis an die Vororte von Bordeaux heran, wo viele Freunde und Bekannte von uns wohnen. Etliche sind bereits evakuiert.
Die Angst ist allgegenwärtig. Wir stehen mit ihr auf und gehen mit ihr schlafen. Je nachdem, wie der Wind steht, ziehen die Rauchschwaden bis zu uns und dann weiter nach Osten. Freunde aus Limoges, das ist etwa 200 Kilometer weit weg, sagen, die Wolken kommen sogar bei ihnen an. Es riecht nicht nur nach verbranntem Holz, sondern auch nach Chemie. Man kann kaum mehr atmen, die Sonne verdunkelt sich und färbt den Himmel orange ein. Das ist apokalyptisch.

Jutta Pulcini lebt in der Nähe von Bordeaux.
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Es gibt eine große Welle der Solidarität. Die Menschen spenden Lebensmittel, Matratzen, Hygieneartikel – alles, was man so braucht, wenn man Hals über Kopf von zuhause weg muss. Zugleich herrscht eine riesige Wut, weil nach den verheerenden Bränden von 2022 viel zu wenig an Brandverhütung passiert ist. Man hätte zum Beispiel längst breite Schneisen in Wälder im Westen schlagen müssen, um zu verhindern, dass die Flammen um sich greifen.
Das sind ja riesige Flächen, bestimmt 40 mal 50 Kilometer Pinienwald, die dem Feuer schutzlos ausgeliefert sind. Löschflugzeuge gibt es auch viel zu wenige. Zwölf, sagen sie in den Fernsehnachrichten, und ein Drittel davon sei nicht einsatzfähig. Also, wie ich die Franzosen kenne: Wenn die Brände erst einmal gelöscht sind, wird die Diskussion darüber ähnlich hitzig werden. Und ich verstehe das sehr gut. (jf)
Drei schwierige Tage für den Kölner Domchor in Spanien
Für 48 Sänger des Kölner Domchores waren es drei schwierige Tage: Der Besuch im Kloster San Lorenzo de El Escorial, rund 40 Kilometer nordwestlich der spanischen Hauptstadt Madrid gelegen, sollte am Wochenende einer der Höhepunkte einer Konzertreise nach Spanien und Portugal werden. Geplant war ein Konzert in der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Klosterkirche – doch die immer näher rückenden Waldbrände änderten auch die Pläne des Chores. In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der deutschen Botschaft wurde die Lage intensiv bewertet. Während dichter Rauch und Ascheregen schon seit Freitag über dem Ort lagen, rückten die Flammen am Sonntagmorgen bis auf acht Kilometer an El Escorial heran.
Dennoch konnte eine Evakuierung des Chor-Hotels unterbleiben, während ein naher, mit 4500 Menschen belegter Campingplatz geräumt wurde. Zwar musste das für Samstagabend geplante Konzert im Kloster von El Escorial verlegt werden, ein Auftritt in der Kathedrale von Madrid am Sonntag konnte jedoch wie geplant stattfinden. „Die Sicherheit unserer Chorsänger hatte für uns jederzeit oberste Priorität“, sagte Domkapellmeister Alexander Niehuis dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Man habe die Lage intensiv und in engem Austausch mit den Behörden beobachtet. „Für unsere Gruppe bestand zu keiner Zeit Gefahr.“ Der Kölner Domchor ist ein gemischter Knaben- und Herrenchor, die jüngsten Sänger sind elf Jahre alt. Am Montagmorgen setzte der Chor seine Reise in Richtung Portugal fort, wo er auf dem Klassikfestival von Marvão auftreten wird. Am Mittwoch wird der Chor wieder in Köln erwartet. (chh)

Feuerwehrleute setzen kontrollierte Brandlegung ein, um einen Waldbrand einzudämmen, der sich in der Nähe von Cebreros in der Provinz Ávila weiter ausbreitet.
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Diese Katastrophe ist nicht mehr abstrakt
Eine Kölnerin buchte den Frankreich-Urlaub in letzter Sekunde um – leidet aber aus Italien mit. Ein Wortprotokoll.
Eigentlich wollten wir wie seit vielen Jahren wieder nach Frankreich in den Urlaub fahren, in ein Holzhaus im Pinienwald in Carcans. Als mir eine Freundin schrieb, dass es in der Gegend brennt, dachte ich zuerst: Wir beobachten das. Von da an schaute ich ständig auf Firemaps.live auf die Ausbreitung. Ich kontaktierte auch unseren Vermieter und fragte, wie sich die Lage vor Ort anfühlt.
In der Familie waren wir uns nicht einig. Ein paar Tage lang Unsicherheit und Hadern: Fahren wir trotzdem? Brechen wir ab, wenn es gefährlich wird? Suchen wir dann von dort aus etwas Neues? Zwischendurch hatten wir uns fast entschieden, es zu wagen. Aber dann spitzte sich alles weiter zu. Der Brand bewegte sich nach Norden, in unsere Richtung. In unserem Ort wurden Turnhallen für Geflüchtete eingerichtet. Der Vermieter riet uns inzwischen ab, es gäbe Straßensperren und das Feuer würde sicher weitergehen.
Danach haben wir am Abend vor der Abreise schließlich entschieden: Wir fahren nicht. Ich suchte bis zwei Uhr morgens nach einer Alternative, mit Hilfe eines Freundes, der Tipps für Italien hatte. Für zwei Wochen am Stück derart kurzfristig etwas Bezahlbares zu finden, das uns gefiel, war schwierig.
Am Ende hatten wir großes Glück: Wir haben eine schöne Wohnung gefunden, nur ein bisschen mehr bezahlt. Mit dem Vermieter haben wir uns im Positiven gestritten: Ich wollte trotzdem bezahlen, zumindest einen Teil, weil er ja letztlich viel stärker von den Folgen des Feuers betroffen ist als wir. Er wollte es nicht annehmen und beharrte darauf, dass wir nichts bezahlen in diesem Jahr.
Jetzt sind wir in der Italien in einer herrlichen Idylle, aber mit dem Kopf bin ich in Frankreich. Ich schaue weiter auf die Feuerkarte. Die Brände nehmen mich mit, manchmal muss ich weinen. Durch die Bilder von Flammen, fliehenden Tieren und Menschen, die ihre Häuser verteidigen, in einer Gegend, die mir und meiner Familie so gut bekannt und vertraut ist, ist die Katastrophe nicht mehr abstrakt.
Für uns ist es so gut ausgegangen, während die Menschen vor Ort und die Natur weiter dem Feuer ausgesetzt. Das macht mir ein schlechtes Gewissen, auch wenn das niemandem hilft. Und diese Brände sind ja nur eines von vielen Anzeichen dafür, wie schnell in Sachen Erderwärmung gerade alles den Bach runtergeht – mit schrecklichen Folgen für Menschen und Tiere. Es fühlt sich an wie ein Ausblick in unsere dystopische Zukunft. (sbs)