Beim Infoabend zum geplanten Suchthilfezentrum im Kölner Panteleonsviertel prallten Sorge und kommunale Verantwortung aufeinander.
Buhrufe beim InfoabendStadt verteidigt Pläne für Suchthilfezentrum – Anwohnende wütend

Bei der Infoveranstaltung zum geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben sprach Torsten Burmester direkt zu den rund 500 Menschen.
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Höhnisches Gelächter und Buhrufe: Die Stimmung beim Informationsabend der Stadt Köln zum geplanten Suchthilfezentrum (SHZ) am Perlengraben war am Dienstagabend aufgeheizt. In der Aula des Berufskollegs im Pantaleonsviertel hatten Oberbürgermeister Torsten Burmester, Sozialdezernent Harald Rau und Polizeipräsident Johannes Hermanns versucht, die Pläne zu erklären – und stießen auf massiven Widerstand.
Rund 500 Menschen waren zu dem Infoabend gekommen. Schon zu Beginn machte Burmester deutlich, warum das Thema für ihn dringlich ist. „Ich war mit der Polizei am Neumarkt“, sagte der OB. Er habe Menschen gesehen, „die am Boden lagen, die offene Beine hatten“. Diese Erfahrungen hätten ihn geprägt. „Das waren Erfahrungen für mich, da bin ich nicht mehr bereit, diese Verhältnisse in Köln zu akzeptieren.“
„Es wird keinen Standort geben, bei dem es Zustimmung von allen gibt“
Zweck des Infoabends war es, die Anwohner und Anwohnerinnen über den aktuellen Planungsstand zu informieren und Gelegenheit zu Fragen zu geben. Doch viel Unmut entlud sich im Publikum, oft in Form von protestierenden Zwischenrufen.
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Aus dem Publikum gab es bei der Infoveranstaltung zum geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben viele Zwischenrufe und hämisches Gelächter.
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Burmester betonte, es gehe um zwei untrennbare Bausteine: Hilfe und Ordnung. „Dass wir ein Hilfsangebot machen müssen für diese Menschen, das ist völlig klar“, sagte er. Gleichzeitig wolle die Stadt „nicht mehr tolerieren, dass im öffentlichen Raum Drogen genommen werden“. Buhrufe begleiteten seine Worte. Er räumte daraufhin ein: „Ich bin erst hundert Tage im Amt.“

Das erste Kölner Suchthilfezentrum (SHZ) soll auf einer Fläche am Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße entstehen.
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Das SHZ ist eine von zwei derartigen Einrichtungen, die im Linksrheinischen geschaffen werden sollen; ein weiteres soll rechtsrheinisch entstehen. Sozialdezernent Harald Rau formulierte es noch zugespitzter als Burmester. „Das allerdrängendste Problem in dieser Stadt ist die offene Drogenszene“, sagte er. Zugleich machte Rau klar, dass es keinen Standort geben werde, der auf allgemeine Zustimmung stößt. Als Zwischenrufe lauter wurden, platzte es aus ihm heraus: „Welche Kultur haben Sie denn? Was ist denn das für eine Kultur?“
Zustände wie am Neumarkt? IG Pantaleonsviertel berichtet von Zulauf
Die Sorge vieler Anwohner richtet sich vor allem auf mögliche Zustände wie am Neumarkt. Fragen aus dem Publikum kreisten um Kriterien der Standortwahl, den Wertverlust von Immobilien und die Nähe zu Schulen und Kitas. Warum für Wettbüros Mindestabstände gelten, für ein Suchthilfezentrum aber nicht, wollte ein Bürger wissen. Andere fragten: „Was macht den Neumarkt wichtiger als unser Viertel?“

Andreas Zittlau, Vorstandsvorsitzender der IG Pantaleonsviertel, spricht bei der Anwohnerversammlung der IG Pantaleonsviertel zum Thema ‚Widerstand gegen geplantes Drogenkonsumzentrum im Wohnviertel‘ in der Aula des Berufskollegs am Perlengraben in Köln. (Archivbild)
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Andreas Zittlau von der Interessensgemeinschaft (IG) Pantaleonsviertel berichtete von großem Zulauf. Über 350 Mitgliedsanträge seien eingegangen, man komme kaum hinterher. Die Kritik der Anwesenden richtete sich auch gegen das Verfahren: „Die Beteiligung war null, die Stadt hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagte ein Anwohner.
Polizeipräsident warnt vor Auswirkungen der Drogenschwemme
Polizeipräsident Johannes Hermanns stellte sich hinter die Pläne der Stadt. „Wir sind alle dafür verantwortlich, dass die öffentlichen Plätze genutzt werden können, dass diese Menschen Hilfe bekommen“, sagte er – und betonte: „Sie sind primär krank und nicht kriminell, das sage ich als Polizist.“ Gleichzeitig warnte er eindringlich vor den Auswirkungen einer „Crack-Schwemme“ in Köln und sagte: „Wenn wir so weitermachen, laufen wir mit der Stadt in die Katastrophe.“ Suchthilfezentren seien nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann werden wir als Polizei auf Dauer Ihre Sicherheit nicht garantieren können.“

Vor der Infoveranstaltung zum geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben hatten sich Menschen mit Plakaten versammelt.
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Hermanns versprach ein rigoroses Vorgehen im Umfeld eines SHZ. „Sobald ein Suchthilfezentrum seine Türen öffnet, werden wir da sein und dafür sorgen, dass da Ordnung herrscht.“ Am Neumarkt gelinge das gerade deshalb nicht, weil es in Köln eben kein solches Zentrum gebe. „Draußen merken Sie das beispielsweise in Zürich gar nicht, dass es ein Suchthilfezentrum gibt.“
Schülerin unterstützt die Pläne für das Suchthilfezentrum
Der Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Deimel widersprach der Befürchtung, ein Suchthilfezentrum könne zusätzliche Dealer oder Suchtkranke anziehen. SHZ hätten keinen „Pullfaktor“, sagte er. Solche Einrichtungen seien „Teil der Lösung, nicht des Problems“. Die derzeitigen Zustände seien für Anwohnende, Schülerinnen und Schüler sowie Geschäftsleute nicht mehr tragbar. Deimel plädierte für mehr Zentren dieser Art und dafür, Wohnungslosigkeit konsequent mitzudenken. Zugleich warnte er davor, „Menschengruppen gegeneinander aufzuwiegeln“.
Neben Wut und Angst gab es auch andere Töne. Eine Schülerin aus dem Viertel sagte: „Ich habe gar kein Problem damit, dass das SHZ gebaut werden soll, obdachlose und suchtkranke Menschen sehen wir auch jetzt. Diese Menschen brauchen Hilfe.“ Sie habe das Gefühl, „dass der Aspekt Menschlichkeit hier zu kurz kommt“. Ihre Botschaft: „Wir wollen, dass das Zentrum gebaut wird.“
Besonders eindringlich sprach ein suchtkranker Mann, der sich als Jan vorstellte. „Ich würde mal stellvertretend für die etwa 50 Suchtkranken hier vor Ort sprechen,“ sagte er. Er zeigte sich „schockiert, wie verschlossen sich viele hier gegenüber Informationen zeigen“ und „einfach nur nicht wollen, dass es vor der eigenen Haustür stattfindet“. Die Sorge um Kinder erlebe er als vorgeschoben. Kinder würden nicht süchtig, „weil Dealer irgendwo rumstehen“. Sucht entstehe durch „Trauma, Perspektivlosigkeit, Verwahrlosung und einer empathielosen Gesellschaft“. Seine Bitte: Ängste ernst nehmen, aber Hilfe höher gewichten als das, „was sein könnte“.
Am Ende blieben die Fronten verhärtet. Burmester kündigte an, er bleibe „bis zum letzten Mann“ für weiteren Austausch vor Ort.
