Worringen – Die Ereignisse des 5. Juli 2012 sind den Worringern noch recht präsent. Nachmittags hatte plötzlich heftiger Regen eingesetzt, nach einer Stunde hörte er ebenso abrupt wieder auf. Die Wassermassen, die in dieser Zeit vom Himmel fielen, überstiegen das Fassungsvermögen der Gullys bei weitem. „Knietief stand ich im Wasser hier auf der Straße“, erinnert sich Lutz Meurer, Inhaber des Hotels Matheisen, vor seinem Haus an der Straße In der Lohn.
Er zeigt Richtung Sankt-Tönnis- und Pankratiusstraße. An der Kreuzung stand die Brühe am höchsten. „Von beiden Seiten kam sie heruntergeschossen, von der Kirche und von der Sankt-Tönnis-Straße“, erzählt Meurer. Mit vollgelaufenen Kellern kennen sich die Hochwasser erfahrenen Worringer zwar aus, meint Meurer. Der Starkregen war für sie jedoch eine neue Erfahrung, die auch für die Bewertung der Pläne zum Retentionsraum Worringer Bruch eine Rolle spielen.
Die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) teilten der Bezirksvertretung Chorweiler nun mit, wie sie auf die Überschwemmung der Kreuzung reagieren wollen. Die Gullys sollen zwei Mal im Jahr statt – wie bislang – nur einmal jährlich gereinigt werden. Gleichzeitig steht in der Mitteilung aber auch, dass ein zuverlässiger Schutz gegen Überschwemmungen bei ähnlich starken Regenfällen überhaupt nicht möglich ist. Auch Bezirksvertreter Jürgen Kircher (SPD) wies in der vorigen Sitzung des Stadtteil-Parlaments auf die Kreuzung in der Ortsmitte hin. „Die tiefste Stelle im Ort. Anwohner haben ganz schnell vollgelaufene Keller“, sagte Kircher.
Kanalsystem mit Wassermassen überfordert
Die Steb führt in einer schriftlichen Mitteilung für die Bezirksvertretung aus, dass der Schmutz, der sich am Boden der sogenannten Sinkkästen unter den Gullydeckeln sammelt, keinen Einfluss auf das Fassungsvermögen der Abflüsse hat. Dafür ausschlaggebend sei vielmehr der Überlauf, eine Öffnung an der Oberkante der Sinkkästen. Durch sie wird das Regenwasser in einen Abwasserkanal geleitet. Ein Ausbau dieser Öffnungen ist nicht geplant.
Die Gullys und das Regenwasser-Kanalsystem sind lediglich auf sogenannte dreijährige Regen-Ereignisse ausgelegt, lässt die Steb verlauten. Gerechnet wird dabei mit einer Niederschlagsmenge, die statistisch gesehen nur alle drei bis vier Jahre auftritt. Und ein Regen wie im vorigen Jahr komme weitaus seltener vor – höchstens einmal in 100 Jahren. Kanäle und Abflüsse zu vergrößern, sei deshalb „betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll“. Die Kosten müssten zudem auf die Abwassergebühren umgelegt werden.
Stadtweites Konzept zu Starkregen in Arbeit
Auch wenn ein derart heftiger Regen unwahrscheinlich ist – die Worringer fürchten ein Zusammentreffen von Hochwasser und Starkregen. Im Zusammenhang mit dem geplanten Retentionsraum Worringer Bruch kam das Szenario zur Sprache. Sorgen machen sich die Bürger darüber, auf welchem Weg sie im Ernstfall aus der Ortschaft herauskommen können – das ist bislang unklar. Schließlich würde eine Flutung des Retentionsraums die Neusser Landstraße unpassierbar machen.
Zugleich könnten heftige Niederschläge, wie 2012 zu beobachten war, die Unterführungen von Sankt-Tönnis-Straße und Walter-Dodde-Weg unter den S-Bahn-Gleisen unter Wasser setzen. Wiederholt baten die Bezirksvertreter die Steb, die auch für die Pläne zum Retentionsraum verantwortlich ist, die Fragen der Anwohner zu berücksichtigen. Ein Mitarbeiter der Steb sagt jedoch, die Wahrscheinlichkeit, dass beide Ereignisse zugleich einträten, gehe „gegen Null“. Ein stadtweites Konzept zum Starkregen ist in Arbeit.