Black-Friday-Angebote oder der erste Weihnachtsmarktbesuch: Am Samstag zog es viele Menschen in die Innenstadt. Ein Rundgang.
„Der bescheuertste Tag zum Shoppen“So voll war die Kölner City am ersten Adventswochenende

Der erste Adventssamstag in der Kölner City.
Copyright: Martina Goyert
Während sich die Menschenmengen am ersten Adventssamstag durch die Schildergasse schieben, braucht Jan N. am Wegesrand eine kurze Pause. Zu seinen Füßen steht ein großer Karton: eine Siebträgermaschine für guten Espresso und Cappuccino. Sechs Kilo Gewicht, schätzt der 26-Jährige.
Hunderte Meter hat er sich vom Mediamarkt an der Hohe Straße bis zur Schildergasse damit hindurchgeschlängelt. Seine Arme tun weh. „Das ist ungefähr der bescheuertste Tag, um so etwas zu machen, aber online waren mir die Versandzeiten zu lang.“
Wie viele andere an diesem Samstag wollte Jan N. noch zugreifen: Die Geschäfte locken einen Tag nach dem Black Friday mit den letzten Rabatten. Zum Start des Weihnachtsgeschäfts hoffen die Händler trotz allgemeiner Konsumzurückhaltung auf gute Umsätze.
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Viel Verkehr in der Kölner Innenstadt
Ob Shopping, der erste Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt oder ein Köln-Trip: Zahlreiche Menschen zieht es bei schönem Wetter in die Innenstadt. Um 15 Uhr ist die Stadt voll: Vor den Parkhäusern in der Lungengasse am Neumarkt stauen sich die Autos, so mancher dreht wieder um und sucht woanders nach einem Parkplatz. Die Anzeige des Theaterparkhauses in der Krebsgasse steht auf rot: „besetzt“.
Mehrere Wagen reihen sich in die Schlange, blockieren die Straße. Die Fahrer müssen sich gedulden, da die Schranke sich immer nur für ein Auto öffnet. An den Autokennzeichen erkennt man, dass viele einen langen Weg nach Köln zurückgelegt haben. Sie kommen aus der Umgebung, Hamburg, Berlin, Belgien, Nordfrankreich oder aus den Niederlanden.

Jan N. hat sich eine Siebträgermaschine mit Black-Friday-Angebot gekauft. Er hat die Menschenmenegen unterschätzt und braucht kurz eine Pause, bevor er weiter zur Bahn läuft.
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Weihnachtsmarkt am Neumarkt: Kaufdruck steigt Richtung Weihnachten
Neumarkt, ein paar Stunden vorher. Der „Markt der Engel“ ist gut besucht, aber noch ist genug Platz. Für ihr diesjähriges Geschwister-Treffen haben sich Florian, Imke, Sabine Breitenbach und Nina Glöckler ein besonderes Outfit überlegt: Tannenbaummützen. Die hat Glöckler, die in Bayern wohnt, liebevoll gehäkelt und dekoriert.
„Einen Monat habe ich für sie gebraucht.“ Drei Tage pro Mütze, die Lichterketten-Deko und die angepinnten Kugeln hätten ihr deutlich mehr Geduld und Mühe abverlangt. Eine Frau aus Amsterdam nähert sich der Gruppe und fragt, wo sie ihre Mützen gekauft haben. Schade, sie sind nicht erhältlich.
„Wir haben den Deal hier: Wem eine Kugel kaputtgeht, muss die nächste Runde Glühwein ausgeben“, sagt Glöckler. Schwester Sabine lebt in Köln, Florian in Berlin: die jährliche „Geschwistersause“ um diese Jahreszeit sei Tradition. An diesem Samstag wollen sie über die Weihnachtsmärkte gehen, einen Escape-Room besuchen, schließlich irgendwo einkehren.

Florian Breitenbach (43) aus Berlin(v.l.n.r.), Nina Glöckler (51) und Imke Breitenbach (45) aus Bayern und Sabine Breitenbach (39) us Köln: Dieses Jahr hat Nina Glöckler extra Tannenbaummützen für ihr jährliches Geschwistertreffen gehäkelt.
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„Der Geschenkedruck ist in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten groß. Es ist dann nicht unbedingt voller als heute, aber die Leute kaufen einfach mehr, vor allem drei, vier Tage vor Heiligabend“, sagt Fotografin und Händlerin Heike Frielingsdorf. Sie betreibt ihren Stand seit zehn Jahren.
Sie hat Tassenuntersetzer, Brotbrettchen und Bilder mit nostalgischen Köln-Motiven im Angebot: den Dom aus ungewöhnlicher Perspektive, das U-Bahnschild „Freiheit“ in Deutz, charakteristische Schriftzüge in der Stadt. Vor allem Kölner Kunden interessierten sich für ihre Produkte. „In den ersten Wochen schauen die Leute, merken sich den Stand und kommen später wieder.“

Händlerin und Fotografin Heike Frielingsdorf betreibt seit zehn Jahren ihren Stand
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Bevor es wieder heim nach Olpe geht, möchten Beate (67) und ihre Freundinnen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, den letzten Tag ihrer Kurzreise in Köln genießen. „Wir haben eine Flusskreuzfahrt über Koblenz, Rüdesheim und Köln gemacht. Ich liebe die Weihnachtsmärkte in Köln, das sind die schönsten für mich“, sagt die Olpenerin.
Schildergasse: Alle 20 Meter ein Straßenmusiker und viele religiöse Gruppen mit Ständen
Weiter zur Schildergasse. Nicht nur die Händler profitieren vom Ansturm, auch bei den Straßenmusikern scheint es Hochsaison zu sein. „Jingle Bells“ als Balkanversion, 20 Meter weiter der Leierkasten-Mann Werner Wittpoth mit dem nächsten Weihnachtshit und eine weitere Balkan-Band, die „Feliz Navidad“ schmettert: Die Passanten nehmen Videos auf, werfen Münzen in die Schalen oder ziehen gleichgültig vorbei.
Um Aufmerksamkeit auf einer der beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands buhlen auch diverse religiöse Gruppierungen. „Gratis-Bibel“ heißt es auf einem Banner, eine Hare-Krishna-Gruppe trommelt, singt und zieht durch die Straße, eine andere Frau spricht ins Mikro und spricht über ihre Erfahrung mit Gott. Alle wollen sich ein bisschen Reichweite auf der größten Bühne der Innenstadt sichern.

Beate, 67, (l.) aus Olpe ist mit ihren Freundinnen machen einen Stopp in Köln. Sie haben eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein gemacht.
Copyright: Maria Gambino
Mittendrin zieht Aynie aus dem Libanon einen schwarzen Trolley hinter sich her. In der anderen Hand trägt sie eine große Einkaufstüte. Die 29-Jährige ist zu Besuch bei ihrem Freund Emir, der in Köln wohnt. Köln sei „super“ zum Shoppen: Taschen, Kosmetikartikel, Klamotten. „Den Koffer habe ich dabei, um die neuen Sachen dort zu verstauen.“
Doch mit mehr als einer Tüte sieht man die Passanten selten an diesem Nachmittag. In der Hohe Straße bilden sich vor allem vor den Imbissbuden Schlangen. Besonders im Trend liegen belgische Fritten, spanische Churros und Pizza. Leerstände und verbarrikadierte Fassaden wechseln sich mit Süßigkeiten-Shops ab. An den Baustellen wird die Hohe Straße noch enger als sie ohnehin ist, es staut sich.
In jeder Nebenstraße blitzen die gelben Westen von zwei Security-Leuten auf. Es sei sein erster Einsatz heute, sagt ein Mann. Noch sei es ruhig, er schätzt, dass es Richtung späten Nachmittag deutlich voller werde. Kommt es zum Massenandrang oder sogar zu Panik, sollen sie eingreifen, Menschenmengen entwirren, notfalls den Zugang von den Nebenstraßen her auf die Hohe Straße begrenzen.

Martin Larkman (M.) und Vicky Aidoos (2.v.r:) und Familie aus dem englischen Suffolk sind zum allerersten Mal in Deutschland überhaupt. Extra für die Weihnachtsmärkte in Köln.
Copyright: Maria Gambino
Vor allem Touristen am Weihnachtsmarkt am Dom
Am Eingang zum Weihnachtsmarkt am Dom knubbelt es sich. Es ist ein einziges Geschiebe. Koffer und Kinderwägen erschweren den Eintritt zusätzlich. Niederländische, französische und englische Sprachfetzen schnappt man hier auf, deutsch hört man nur vereinzelt; ein stechender Käsegeruch, der vom Raclette- und Fondue-Stand herweht, hängt über den Köpfen.
Hier und da rümpft manch einer seine Nase und beschwert sich über „Gestank“. Ob Knoblauchbrot, Reibekuchen, Bio-Bratwurst oder Flammlachs im Brötchen, Aperol Spritz oder Bier: vor den Essens- und Glühweinständen herrscht der meiste Andrang.
Zum ersten Mal in Köln und überhaupt in Deutschland gereist sind Martin Larkman und Vicky Aidoos mit Familie aus dem englischen Suffolk. In erster Linie wegen der Weihnachtsmärkte. Gestartet sind sie am Freitagabend am Stadtgarten. Zum ersten Mal hätten sie auch den Glühwein probiert. „Wir haben den Malzwein, aber wir mögen den nicht gern. Den weißen Glühwein hier fanden wir hingegen echt gut“, sagt Aidoos.


