Drei Jahre lange stand das große Ladenlokal auf der Zeppelinstraße leer. Nun haben die Umbauarbeiten für die Modemarke Lager 157 begonnen.
„Passt nach Köln“Schwedisches Modeunternehmen hat keine Angst vor Primark

In die ehemaligen Räume des Schuhhauses Görtz zieht im Sommer das schwedische Modeunternehmen Lager 157 ein. Die Umbauarbeiten haben begonnen.
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Die Lage in der Bekleidungsbranche ist schwierig. Die Nachfrage im stationären Modeeinzelhandel sei „festgefroren“, hieß es zuletzt, und die Branche schaue pessimistisch auf 2026. Einige Ketten wie etwa Esprit sind pleite gegangen. Umso überraschender ist es da, dass sich ein schwedisches Unternehmen in Köln in bester Lage ansiedeln will.
Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen: Lager 157 wird voraussichtlich am 11. Juni in den seit Sommer 2023 leerstehenden ehemaligen Räumen der Schuhkette Görtz in der Zeppelinstraße eröffnen – und fast 2000 Quadratmetern auf zwei Etagen belegen. Und das, obwohl viele Experten sagen, dass riesige Läden auf mehreren Etagen eigentlich nicht mehr funktionieren.
Ein mutiger Schritt ohnehin, ist die Marke doch außerhalb von Skandinavien weitgehend unbekannt. So muss der Gründer und Geschäftsführer Stefan Palm im Telefoninterview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auch erst einmal erklären, dass das Unternehmen daheim „One-Five-Seven“ genannt wird.

Stefan Palm ist Gründer und Geschäftsführer von Lager 157.
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Die Firma gibt es seit 1999 und seitdem hat sie sich in Skandinavien ausgebreitet, wo es aktuell mehr als 90 Filialen gibt. Nun ist als erstes Land außerhalb Skandinaviens Deutschland an der Reihe – in Bremen und Hannover gibt es bereits Niederlassungen. Stefan Palm kennt Köln seit Langem. „Ich war in den 90ern hier oft bei Modemessen, bin oft über die Schildergasse gegangen. Erst letzte Woche war ich hier, habe all die jungen Menschen in Jeans gesehen. Für die passt unser Angebot.“
Die Marke Lager 157 heißt nach der Adresse des Gründungsortes – und der Dom sei ja auch 157 Meter hoch. „Das ist wohl Schicksal.“ Außerdem sei das Gebäude in der Zeppelinstraße ausgesprochen schön. „Wir sind sehr froh, dass wir hier einziehen können.“
Spitzname „Ikea der Mode“
Lager 157 führt unifarbene Sweater, T-Shirts und Jeans. Die Preise sind günstig, Jeans gibt es für 30 Euro, Pullover für 15, Tops für 8. Der schnörkellose Stil ist ähnlich wie bei Uniqlo (etwas hochpreisiger, auf der Schildergasse vertreten). 157 wurde auch schon mal als „Ikea der Mode“ bezeichnet.
Doch ist es nicht etwas waghalsig, ausgerechnet gegenüber der Kette Primark zu eröffnen, die für ihre extrem niedrigen Preise bekannt ist? „Nein, wir fühlen uns da ganz wohl, weil wir ein gänzlich anderes Konzept und Sortiment haben. Wir konzentrieren uns ganz auf Basics mit einem skandinavischen Touch. Und dann haben wir als Nachbarn ja passenderweise auch noch Globetrotter, auch ein schwedisches Unternehmen. Das ist eine gute Nachbarschaft.“
Erst mal unbekannt zu sein, daran sei das Unternehmen gewöhnt, sagt Palm. Auch in Skandinavien habe man sich hocharbeiten müssen. Nun ist eine weltweite Expansion geplant, trotz der schwierigen Lage. „Wir haben das Schritt für Schritt aufgebaut und bisher hat es geklappt. Wir glauben, dass es für uns einen Markt in Deutschland gibt. Und wir glauben an den stationären Einzelhandel.“
Palm ist überzeugt: Trotz oder wegen des Online-Handels und Künstlicher Intelligenz wollen die Menschen Begegnungen, wollen in Geschäften einkaufen, wollen die Innenstädte besuchen. „Wir müssen das Einkaufen aber interessanter machen.“ Bei Lager 157 setze man dabei neben dem Sortiment auf „Service und Freundlichkeit“.
Besonders viele Leerstände auf der Hohe Straße
Für die Zeppelinstraße ist es jedenfalls gut, dass der drei Jahre andauernde Leerstand ein Ende hat. Verwaiste Ladenlokale sind ein großer Kritikpunkt bei Passanten, die oft das Gefühl haben, die Lage werde immer schlimmer. Die letzte Erhebung vom März 2024 der Köln-Business Wirtschaftsförderung hatte einen „augenscheinlichen Leerstand“ von 6,6 Prozent in der Innenstadt ergeben. Damit sei man auf einem seit Jahren anhaltenden „stabilen Niveau“.
Auf der Schildergasse lag die Leerstandsquote bei 2,9 Prozent, auf der Hohe Straße bei 8,7 Prozent. Die Hohe Straße ist besonders betroffen, da hier in der kleinteiligen Nachkriegsbebauung derzeit zahlreiche Umbauten stattfinden oder geplant sind. In diesen Fällen spricht Köln-Business von „augenscheinlichem Leerstand“ – Ladenlokale seien oft bereits weitervermietet, müssten aber erst noch hergerichtet werden. Dies ist zum Beispiel beim ehemaligen Deichmann-Haus auf der Schildergasse der Fall. Hier gibt es einen Nachmieter, er darf aber noch nicht kommuniziert werden.
Auch für die unansehnlichen Leerstände an der Ecke Hohe Straße/Große Budengasse stehen seit Langem die Neubaupläne fest, ebenso wie für den Umbau des Silber-Becker-Hauses auf der Hohe Straße. In den Leerstand an der Ecke Brückenstraße wird in Kürze die Kaffeekette Starbucks einziehen. Bis sich die Hohe Straße erholt hat, wird es aber noch mehrere Jahre dauern. Wie bei der Neuvermietung auf der Zeppelinstraße.

