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Modelabel ArmedangelsEx-Angestellte berichten von toxischem Arbeitsklima – Kölner CEO räumt Fehler ein

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Der Kölner Armedangels-Store bei der Eröffnung 2025.

Der Kölner Armedangels-Store bei der Eröffnung 2025.

Beim Kölner Modelabel Armedangels sollen schlechte Arbeitsbedingungen geherrscht haben. Auf Vorwürfe des „Spiegels“ reagiert der CEO – und Kunden in der Ehrenstraße. 

Mehrere Angestellte des Kölner Modeunternehmens Armedangels haben im „Spiegel“ Vorwürfe gegenüber ihrem ehemaligen Arbeitgeber erhoben. Sie berichten von schlechten Arbeitsbedingungen, von hohem Druck, einem herablassend agierenden CEO und angeblich rücksichtslosen Kündigungen. 

„Die geschilderten Erfahrungen lassen uns nicht unberührt. Wir erkennen darin Situationen wieder, die wirklich passiert sind“, räumt Geschäftsführer und Gründer Martin Höfeler Teile der Kritik in einer öffentlichen Stellungnahme ein.

Bruch mit dem Sauberimage

In gewisser Weise stellt das einen Bruch mit dem sonst so sauberen Image des Unternehmens mit Sitz in der Ehrenfelder Thebäerstraße dar. Denn Armedangels gilt, wie kaum ein anderes Label, für verantwortungsbewusste Mode, nachhaltige Materialien, Transparenz und, so steht es explizit auf der Website: „faire Arbeitsbedingungen“. Gegründet wurde das Unternehmen 2007, damals mit dem Verkauf nachhaltig produzierter T-Shirts, deren Erlöse teilweise für wohltätige Zwecke gespendet worden. Inzwischen ist es vor allem für seine Jeans-Kollektion bekannt, vorwiegend hergestellt aus Bio-Baumwolle. „Unsere Antwort auf die toxische Herstellung herkömmlicher Denim. Ohne schädliche Chemikalien und ohne Pestizide“, ist im Webshop zu lesen. 

Martin Höfeler ist Gründer und CEO von Armedangels.

Martin Höfeler ist Gründer und CEO von Armedangels.

Von seinem Start-up-Status hat sich das Label längst verabschiedet. Es verkauft seine Mode nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Frankreich. Das Logo, ein A mit einem runden Heiligenschein, findet sich auf Hosen, Pullis, Socken Caps und Shirts. Inzwischen arbeiten 185 Angestellte für Armedangels. Der Jahresumsatz lag eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr bei rund 89 Millionen Euro. Promis wie die Soul-Sängerin Joy Denalane und der Schauspieler Frederick Lau zählen zu den Werbegesichtern der Marke. Auch Mode-Influencer, insbesondere die, die auf nachhaltige Klamotten aufmerksam machen wollen, werben für Armedangels.

Erster Verkaufsstore in der Kölner Ehrenstraße

Seit 2025 betreibt das Label sogar seinen ersten eigenen Store in der Kölner Ehrenstraße, daneben Geschäfte wie der Sportmodehersteller Lululemon, New Balance oder der H-und-M-Ableger Cos.

Kundinnen, die an diesem Nachmittag in den Laden schlendern, bringen das Label vornehmlich mit einem Wort in Verbindung: nachhaltig sei Armedangels, sagen gleich drei junge Frauen unabhängig voneinander. „Die sind schon ein Vorreiter in dem Bereich. Jetzt stellt man sich die Frage, ob man hier noch einkaufen kann“, ergänzt die Kölnerin Alina Brauner-Zucker – kommt aber zu dem Ergebnis, das Label nicht boykottieren zu wollen. Nicht nur sie hat von den Vorwürfen gehört. Insbesondere in den sozialen Medien zog die Berichterstattung in den vergangenen Tagen ihre Kreise. „Das macht einen schon stutzig“, sagt auch die 25-jährige Henrike. 

Alina Brauner-Zucker vor dem Armed-Angels-Geschäft in der Ehrenstraße

Alina Brauner-Zucker vor dem Armed-Angels-Geschäft in der Ehrenstraße – trotz Vorwürfen würde sie noch immer bei dem Kölner Label einkaufen.

Der Spiegel berichtete etwa von einer Ex-Angestellten, die während ihrer Zeit beim Label an Krebs erkrankte – und währenddessen gekündigt wurde; von stressbedingten Ausfällen mehrerer Mitarbeitenden; von Tränen in Meetings. Dafür hat die Redaktion mit 16 von ihnen gesprochen und die Darstellungen mit Chatnachrichten, Mails, internen Dokumenten und Gerichtsunterlagen abgeglichen, heißt es im Artikel. 

Rückblickend würden wir heutzutage in solchen Situationen anders vorgehen
Martin Höfeler, CEO Armed Angels

Auf Anfrage dieser Redaktion weist Armedangels einige Passagen der Darstellung zurück: „Die Berichterstattung betrifft Sachverhalte, die wir für unvollständig oder unzutreffend halten. Wir haben die Themen intern aufgearbeitet und halten es für vorzugswürdig, einzelne persönliche, gesundheitliche und arbeitsrechtliche Sachverhalte nicht öffentlich zu kommentieren.“

Dennoch schreibt CEO Höfeler in seinem Statement: „Zwischen dem, was wir nach außen kommunizieren – Transparenz, Verantwortung, Mut zur Veränderung – und dem, wie es sich für einzelne Mitarbeitende angefühlt hat, gab es eine Lücke.“ Auch geht er indirekt auf die geschilderten Vorgänge ein. Einige liegen demnach mehrere Jahre zurück. „Seitdem haben wir intern viele Themen aufgearbeitet, an vielen Stellen Veränderungen angestoßen und Prozesse neu aufgesetzt.“ Und: „Rückblickend würden wir heutzutage in solchen Situationen anders vorgehen. Dass ehemalige Mitarbeitende ihre Zeit bei Armedangels teilweise als belastend oder enttäuschend erlebt haben, nehmen wir ernst.“ Unter anderem habe sein Unternehmen seitdem Führungs- und Feedbackprozesse geschärft und wolle „konsistente Führungsstandards“ etablieren.

Wachstum auch in der nachhaltig geprägten Mode-Industrie entscheidend

2024 schilderte er in einem Interview gegenüber dieser Redaktion: „Wieso soll es nicht möglich sein, beide Welten zu kombinieren und ein Unternehmen aufzubauen, das unabhängig profitabel arbeitet und dazu eine zweite Säule, die positiven Impact hat?“ Es sei die einstige Motivation hinter Armedangels gewesen. „Diese Werte von People, Planet und Profit leiten uns bis heute“, hieß es damals. Möglicherweise sind die People – die Menschen also – in letzter Zeit zu kurzgekommen.

„Wachstum hat uns an Stellen unklar und inkonsistent werden lassen, an denen wir konsequent hätten sein müssen“, äußert sich der Kölner als Reaktion auf die Medienberichte. Aus seinen eigenen Ansprüchen an Produkte und die Wirkung seines Unternehmens sei in einzelnen Situationen Druck entstanden, lautet seine Entschuldigung. Die Mitarbeiterfluktuation unterscheide sich allerdings nicht von der vergleichbarer Unternehmen, schreibt das Unternehmen. „Dort, wo Mitarbeitende Belastung erlebt haben, bedaure ich es zutiefst.“ Er selbst trage dafür die Verantwortung.