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Kein Wachstum in SichtIndustrie im Raum Köln will weiter Stellen abbauen

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Das Chemiewerk von Ineos in Köln-Worringen.

Die Chemieindustrie im Raum Köln, hier Ineos in Worringen, kämpft mit schlechter Auslastung und hohen Energie- und Rohstoffpreisen.

Die wirtschaftliche Lage in der Region bleibt angespannt. Laut Konjunkturbericht der IHK Köln haben sich die Aussichten weiter eingetrübt. Es droht noch mehr Stellenabbau.

„Wir sind jetzt im vierten Jahr ohne Wachstum. Und wir glauben nicht, dass es in der Region in diesem Jahr zu einem Plus kommen wird.“ Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, redete nicht um den heißen Brei herum. „Die Wirtschaft steckt in der Krise fest, der Iran-Konflikt hat die Lage noch weiter verschärft“, betonte der Volkswirt bei der Vorstellung des neuen IHK-Konjunkturberichts. „Die Preise für Energie und Rohstoffe, aber auch für Transport und Logistik, sind massiv gestiegen, Lieferketten unsicherer geworden.” Hinzu kämen „hausgemachte Probleme“: hohe Arbeitskosten und eine überbordende Bürokratie. Die politischen Rahmenbedingungen würden von vielen Unternehmen „als eines der größten Standortrisiken gesehen. Deshalb werden Investitionen – sogar in den Substanzerhalt – aufgeschoben“, sagte Vetterlein.

Auch der Arbeitsmarkt gerate zunehmend unter Druck. „Ein Viertel der Unternehmen will Stellen abbauen. Wenn die Politik jetzt nicht in die Gänge kommt und die drängenden Reformen umsetzt – wann dann?“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Aktuell gingen allein in der Metallindustrie in Nordrhein-Westfalen jeden Monat im Schnitt 2000 Arbeitsplätze verloren. Auch im Bezirk der IHK Köln, der neben Köln und Leverkusen den Oberbergischen Kreis, den Rhein-Erft-Kreis und den Rheinisch-Bergischen Kreis umfasst, seien viele Jobs in Gefahr. Wenn kein Geld verdient werde, bleibe Unternehmen oft „nichts anderes übrig, als Stellen abzubauen“, so Vetterlein.

Industrie im Raum Köln sieht für die nächsten zwölf Monate schwarz

Anlass für die düsteren Prognosen sind Ergebnisse einer Umfrage, an der sich zwischen 23. März und 8. Mai 557 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Köln beteiligt haben. Demnach bewerten die Firmen ihre Geschäftslage bereits zum sechsten Mal in Folge überwiegend negativ. 29 Prozent schätzen ihre Situation als schlecht ein, nur 21 Prozent als gut. Der Konjunkturklima-Indikator ist von 89,3 auf 85,2 Punkte gefallen und liegt damit weit unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Eine Trendwende sei nicht in Sicht, im Gegenteil, so die IHK Köln. Denn die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate hätten sich stark verschlechtert. Ein Drittel der Unternehmen befürchte, dass es noch weiter abwärts gehe, lediglich elf Prozent würden bessere Geschäfte erwarten. Die Stimmung sei massiv gekippt.

Insbesondere die Industrie sieht für die nächste Zeit schwarz. 45 Prozent der Betriebe rechnet mit einer Verschlechterung des Export-Geschäfts. Hier macht sich nicht nur die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump oder die Abkehr chinesischer Käufer von deutschen Automarken bemerkbar. „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist in vielen Bereichen einfach nicht mehr gegeben“, stellt die IHK Köln fest. 50 Prozent der Industriebetriebe in der Region meldeten sinkende Auftragseingänge, die Kapazitätsauslastung liege „aktuell bei lediglich 73,1 Prozent“. Das erhöhe den Druck auf die Arbeitsplätze: Nur sechs Prozent der Betriebe planten Einstellungen, während 39 Prozent Jobs abbauen wollten.

Hohe Energiepreise sind die größte Belastung für die Betriebe der Region

Größter Belastungsfaktor für die Unternehmen der Region sind laut IHK momentan die hohen Energiepreise, sie werden von 61,1 Prozent der Betriebe genannt. Danach folgen schwache Inlandsnachfrage (59,9 Prozent), hohe Arbeitskosten (57,3 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (50,8 Prozent), mangelnde Auslandsnachfrage (47,9 Prozent) und hohe Rohstoffpreise (47,2 Prozent).

Während sich der Dienstleistungssektor zwar etwas schlechter als zu Jahresbeginn, aber noch relativ robust zeigt, sieht es im Handel ähnlich schlecht aus wie in der Industrie. Der Einzelhandel leide unter der „beachtlichen Nachfrageschwäche“ im Inland, der Großhandel unter der schwachen Industrienachfrage, so Vetterlein. Allen drei Branchen sei gemein, dass ihre Geschäftserwartungen weiter fallen.

Betrachtet man die Ergebnisse nach Regionen, so fällt auf, dass sich die Lage in Köln etwas besser darstellt als im gesamten Kammerbezirk. Der Blick in die Zukunft fällt laut IHK aber auch in der Domstadt pessimistisch aus. „Viele Unternehmen verschieben Investitionen und halten sich bei Neueinstellungen zurück.“ In Leverkusen und im Rheinisch-Bergischen Kreis zeichne sich eine minimale Verbesserung ab, während sich die Lage im Rhein-Erft-Kreis weiter eintrübe. Besonders pessimistisch sind die Erwartungen im Oberbergischen Kreis. Dort rechnen 40 Prozent der Betriebe in den nächsten zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften.

Wirtschaft fordert, „unsägliche Berichtspflichten“ abzuschaffen

Dass in vielen Wirtschaftsbereichen Arbeitsplätze gefährdet sind, wird auch bei einem Blick auf die einzelnen Branchen deutlich. Im Hotel- und Gaststättengewerbe wolle kein einziger der befragten Betriebe neue Stellen schaffen, sagte IHK-Referent Andreas Zieger. „Das hatten wir so noch nie.“ In der Produktion von Vorleistungsgütern – dazu gehört die Chemieindustrie – will fast jeder zweite Betrieb Stellen abbauen (43 Prozent). Einen kleinen Lichtblick liefert immerhin das Baugewerbe: Hier wollen 27 Prozent der Firmen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, 19 Prozent hingegen Jobs abbauen.

Man brauche jetzt im eigenen Land „Impulse, die wieder Vertrauen schaffen“, betonte Vetterlein. Er forderte die Bundesregierung auf, den Unternehmen „zumindest mal keine neuen bürokratischen Hemmnisse in den Weg zu stellen“ sowie „das eine oder andere von diesen unsäglichen Berichtspflichten zu beseitigen. Dann würden die Menschen wieder Hoffnung fassen.“ Als Beispiel nannte er das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Im Koalitionsvertrag stehe, dass es abgeschafft werden soll. Dieses Versprechen müsse die Politik einlösen. Deutschland dürfe sich nicht immer wieder dadurch hervortun, dass es neue EU-Vorschriften noch zu übertreffen versuche und deren Einhaltung strenger kontrolliere als andere EU-Länder. An die Kommunen appellierte Vetterlein, trotz ihrer schwierigen Haushaltslage dürften sie die Unternehmen nicht mit höheren Steuern und Abgaben belasten.