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Kinder waren anwesend
Kölner Familienvater sticht auf Frau ein – Nachbar schildert Horrorszene

Der Angeklagte wird von einem Wachtmeister in Saal 112 des Kölner Landgerichts gebracht.

Der Angeklagte wird von einem Wachtmeister in Saal 112 des Kölner Landgerichts gebracht.

Das Landgericht verhandelt einen Messerangriff in Bickendorf. Die Hilfeschreie des Opfers waren im Innenhof eines Wohnkomplexes zu hören.

Ein Familienvater aus Bickendorf muss sich seit Montag vor dem Kölner Landgericht verantworten. Während sich zwei seiner Kinder in der gemeinsamen Wohnung befanden, soll der 46-Jährige seine Lebensgefährtin minutenlang gewürgt und schließlich schwer mit einem Brotmesser verletzt haben. Nun droht dem Angeklagten eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Kölner Landgericht: Nachbar beschreibt Horrorszene

Als ob es sich um eine Szene in einem Horrorfilm handelte, so beschrieb ein Nachbar der Familie, was er im August vergangenen Jahres mitbekommen hatte. „Ich habe mir gerade Frühstück gemacht, als ich Hilfeschreie aus dem Innenhof hörte“, sagte der Frührentner. Seine Nachbarin habe am offenen Fenster gestanden und hinter ihr deren Lebensgefährte mit erhobenem Messer.

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Die Augen des Mannes seien weit aufgerissen gewesen. „Er hat animalische Laute von sich gegeben“, sagte der Zeuge. „Was für Geräusche?“, wollte der Richter wissen, woraufhin der Zeuge grunzte. Er sei dann zurück in seine Wohnung, „da wollte ich nicht weiter zugucken.“  „Warum? Weil Sie das schlimmste befürchtet haben?“, fragte der Richter. Die Antwort: „Ja.“

Schwerverletzte Frau sprang aus dem Fenster

„Der will mich umringen!“, hatte das 36-jährige Opfer aus dem Fenster gerufen. Nachdem der Täter die Frau mit dem Messer an Hals und Brust verletzt hatte, soll er ihr noch dreimal in den Rücken gestochen haben. „Dann ließ er von ihr ab und setzte sich auf einen Stuhl“, heißt es laut Anklage. Die Schwerverletzte sprang danach aus dem Erdgeschossfenster, die Polizei rückte an.

Widerstandslos hatte sich der Angeklagte festnehmen lassen, er sitzt seitdem Untersuchungshaft. Verteidiger Carsten Göthel erklärte zum Prozessauftakt, sein Mandant leide unter Schizophrenie und habe zuvor seine Medikamente nicht mehr regelmäßig genommen. Vor der Tat habe der Mann eine unruhige Nacht verbracht und versucht, auf der Couch im Wohnzimmer zu schlafen.

Kölner Angeklagter weint bei Zeugenaussage des Sohnes

Ausgerastet war der Mann offenbar, als seine Lebensgefährtin den Strom der Wohnung abschalten wollte und am Sicherungskasten stand. In Selbstmordabsicht habe der Angeklagte laut seines Anwalts zuvor Wasser im Badezimmer eingelassen und einen Fön angeschaltet. Offenbar wollte das spätere Opfer verhindern, dass ihr Lebensgefährte sich etwas antut.

Die Lebensgefährtin hatte dem Angeklagten vor kurzem einen Brief in die JVA geschickt, den er auch beantwortet habe. Ein 17-jähriger Sohn des Beschuldigten sagte im Zeugenstand, dass sein Vater zuvor nie gewalttätig gewesen sei, „sowas hätte ich nie erwartet.“ „Es tut mir unendlich leid“, sagte der Vater und weinte. Er schäme sich zutiefst. Der Prozess wird fortgesetzt.

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