Schwarmintelligenz hilft: Wir sind dem Barthonia-Brunnen einen Schritt näher gekommen. Die Skulptur selbst bleibt verschollen, aber sein Schöpfer ist gefunden.
Brunnensuche Teil 2Der Leser-Aufruf führt zum Schöpfer des Barthonia-Brunnens

Wasserspiel in Ehrenfeld: Der Barthonia-Brunnen im Jahr 2009
Copyright: Thomas Pütz
In unserer Ausgabe vom 17. September baten wir Sie, liebe Leser, um sachdienliche Hinweise zur Klärung des Verbleibs des Barthonia-Brunnens. Seit den 1990er-Jahren hatte er auf dem Platz vor dem 4711-Gebäude an der Venloer Straße gestanden. Im Zuge der Umbauarbeiten zum Kölnisch Quartier vor wenigen Jahren war er verschwunden. Daraufhin erreichten uns verschiedene E-Mails und Anrufe, die uns auf die Spur seines Erbauers brachten. Willi Neffgen heißt der Metallbildhauer, der noch heute in Köln wohnt, mitten in der Stadt, zwischen Rudolfplatz und Zülpicher Platz, und sich sehr über den Besuch freut, der wenige Tage später stattfindet.
Willi Neffgen, der Metzgersohn aus Köln, wurde Metallbildhauer
Neffgen, der seit zehn Jahren blind ist, führt die Besucherin mit erstaunlicher Sicherheit durch sein verwinkeltes Zuhause voller Treppen. Doch der 86-Jährige hangelt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit an Geländern entlang, weiß genau, wo alles ist. An der Tür zur ehemaligen Werkstatt prangt ein Messing-Seepferdchen. „Das Modell dafür passte in eine Streichholzschachtel“, erinnert sich Neffgen lebhaft. Oft war er mit seiner Frau und seiner Tochter am Atlantik in Frankreich. Wasser ist auch in seiner Heimatstadt Köln sein Element. Neffgen war Ruderer, hat allein fünfmal den Stadtachter gewonnen. Noch heute merkt man ihm die regelmäßige sportliche Aktivität an. Er hält sich gerade, hat kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen. „Wenn ich so weitermache, kann ich noch ein paar Jahre leben, meint mein Arzt“, sagt Neffgen, der ein bewundernswertes Erinnerungsvermögen hat.

Willi Neffgen hat auch Seepferdchen in Metall verewigt. Er würde auch gerne wissen, wo sein Brunnen geblieben ist.
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Ganz genau weiß er noch, wie er als fünf- und sechsjähriger Panz Steine geklopft hat, um sein Elternhaus in der kleinen Innenstadtstraße wieder aufzubauen. Sein Vater habe dafür selbst gebrannten Schnaps in München gegen Zigaretten getauscht. Für diese wiederum habe er auf dem Schwarzmarkt in der Merowinger Straße Baumaterial bekommen. Fünf Tage vor Weihnachten 1948 sei das Haus, das einen Steinwurf von der heutigen Sparkasse am Rudolfplatz entfernt liegt, wieder bezugsfertig gewesen. Mit der Metzgerei des Vaters wollte der älteste Sohn allerdings nie etwas zu tun haben. „Mit Wurst konnte ich wenig anfangen, mich interessierte ein anderer Werkstoff, und das war Metall.“ An den Kölner Werkschulen studierte er und assistierte dem Metallbau-Professor Joseph Jaekel, weil Neffgen bestimmte Techniken, wie die der Repoussage besonders gut beherrschte. Diese uralte Technik, die noch vor der Zeit der Etrusker angewendet wurde, lernt heute kaum noch jemand. „Auch der Dreikönigenschrein im Dom wurde damit bearbeitet“, weiß Neffgen. Er selbst stellte mit ihrer Hilfe die Seepferdchen her, die er heute gerne dem Zoo überlassen würde.

Der Barthonia-Brunnen zierte von 1997 bis 2021 den Platz am ehemaligen 4711-Gebäude an der Venloer Straße. Das Bild stammt aus dem Jahr 2009. Ganz unten steht Barthonia, das Areal wurde nach dem Investor Heinz Barth benannt.
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Sein erster großer Auftrag kam dann im Jahr 1986. Er machte Medaillen zum Jubiläum der Colonia-Versicherung in Holweide. „Ich machte 2500 Münzen nach dem Vorbild einer in Weiden gefundenen antiken Goldmünze.“ Medaillen blieben eine seiner Spezialitäten und lukrative Aufträge, dazu kamen Haustüren und Hochwassermarken. „Am Rodenkirchener Kapellchen sind gleich mehrere angebracht.“ Neffgen fertigte, was seine Auftraggeber sich vorstellten. Für einen Obsthändler vom Großmarkt machte er einen riesigen Apfel, aus dem ein Wurm herausschaut. Als Kaminabdeckung für dessen Haus im Hahnwald.
Heinz Barth war der Entwickler des Barthonia-Forums in Köln-Ehrenfeld
1996 oder 1997, so genau weiß Neffgen es nicht mehr, kam schließlich der Chef der FTG, eines Immobilienentwicklers aus Marienburg, auf ihn zu. „Heinz Barth kaufte das ehemalige Produktionsgelände von 4711 und entwickelte es zum Barthonia-Forum“, erinnert sich Neffgen. Für den Platz wünschte er sich einen Brunnen. „Es war meine Idee, die vielen Kulturen, die in Ehrenfeld zusammenkommen, in dem Brunnen zu verewigen.“ Neffgen verbrachte viel Zeit in der Synagoge, aber auch in der Bibliothek der Brücke an der Hahnenstraße. Er suchte dort nach Abbildungen alter Schriften. Der Brunnenhistoriker Thomas Pütz aus Erftstadt, auch ein Leser, der sich auf den Aufruf meldete, identifizierte Schriftzeichen in Mandarin, Sütterlin-Buchstaben, altägyptische Hieroglyphen, sumerische Keilschriftzeichen und Devanagari-Buchstaben, die in Hindi und Sanskrit verwendet werden. Insgesamt bestand die Bronze-Skulptur aus 530 einzelnen Zeichen.
Insgesamt bestand die Bronze-Skulptur aus 530 einzelnen Zeichen. „Heinz Barth ließ sich von mir genau die Maße des Brunnens nennen und ließ sich daraufhin ein Holzmodell fertigen. Er war sehr begeistert. Ich hatte noch nie so schnell einen Großauftrag bekommen“, erzählt Neffgen, der traurig ist, dass der Brunnen weg ist. „Was einmal der Öffentlichkeit gewidmet war, sollte in der Öffentlichkeit bleiben“, findet der Künstler.
Hinweise, die zum Fund des Brunnens führen, nehmen wir weiterhin gerne entgegen: ksta-stadtteile@kstamedien.de
