Am Bergheimer Amtsgericht hat am Montag der Prozess um den Tod des zehnjährigen Schülers Henry begonnen. Der Junge war am 18. September 2023 am Paul-Decker-Platz in Pulheim von einem Lastwagen überrollt worden. Er starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus.
Vor dem Amtsgericht muss sich nun der 33-jährige Lkw-Fahrer verantworten. Die Anklage wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Er soll den Jungen, der mit dem Fahrrad unterwegs war und das Geschwister-Scholl-Gymnasium besuchte, beim Abbiegen nach rechts auf die Venloer Straße übersehen haben.
Angeklagter bittet um Entschuldigung
Wie Amtsgerichtsdirektorin Dr. Gabriele Schotten berichtete, ergriff der Angeklagte in der Verhandlung am Montag das Wort. Er habe um Entschuldigung gebeten und den Angehörigen sein Beileid ausgesprochen; dann habe er nicht mehr weiterreden können. Sein Anwalt habe danach eine Erklärung abgegeben: Sein Mandant mache sich wegen dem Unfall Vorwürfe, und er sei deswegen auch in Behandlung. Schuld an dem Unfall fühle er sich aber nicht.
Während der Verhandlung am Montag wurden erste Zeugen gehört; da jedoch eine Zeugin fehlte, wurde noch kein Urteil gefällt. Der Prozess soll nun am 16. November fortgesetzt werden.
Über drei Jahre bis zum Prozessbeginn
Die Terminierung der Verhandlung vor dem Amtsgericht hatte sich lange hingezogen: Nach dem Unfall vergingen über drei Jahre, ehe der Prozess begann. Wie Gabriele Schotten vor einiger Zeit berichtete, hatte die zuständige Richterin eine persönliche Nähe zu einem der Verfahrensbeteiligten angezeigt. Einem Ablehnungsgesuch sei stattgegeben worden. Dies habe zu einer Verzögerung geführt, ebenso wie die Tatsache, dass ein ehemals zuständiger Richter Ende 2025 in den Ruhestand gegangen sei. Dadurch wurde eine erneuter Wechsel auf dem Richterstuhl notwendig.
Trauer und Protest in Pulheim
Der Unfall und die Nachricht vom Tod des Jungen hatte in Pulheim viele Menschen erschüttert. Einem Aufruf des Aktionsbündnisses Kidical Mass waren Hunderte Kinder, Eltern und Lehrer gefolgt, die sich zu einer kilometerlangen Demonstration formierten. Sie forderten sichere Schulwege für Pulheim, ebenso wie eine Petition, der sich in kurzer Zeit mehr als 10.000 Unterstützer anschlossen.
Am Unfallort wurde ein weiß lackiertes Fahrrad aufgestellt, als Mahnmal für verunglückte und getötete Radfahrerinnen und Radfahrer. Als Ausdruck der Trauer wurden am Paul-Decker Platz zudem Plüschtiere, kleine Tafeln mit Sprüchen und Kerzen niedergelegt.
Maßnahmen für mehr Sicherheit im Verkehr
Nach dem tödlichen Unfall befassten sich in Pulheim die politischen Gremien mit der Verkehrssituation am Paul-Decker-Platz und im Umfeld des Schulzentrums. Insbesondere die Gefahren für Radfahrer gerieten in den Fokus.
Der Rhein-Erft-Kreis und die Stadt Pulheim ergriffen Maßnahmen, um die Sicherheit für Radler zu verbessern. Seit Dezember 2023 dürfen Elterntaxis weder vor der Grundschule am Buschweg noch an der Haltestelle vor dem Schulzentrum an der Hackenbroicher Straße halten. Auf mehreren Straßen rund um das Schulzentrum wurden Halteverbote eingerichtet. Außerdem gilt ein Lkw-Verbot. Zudem soll nach den Herbstferien der erste Abschnitt einer Fahrradstraße vom Schulzentrum zur Innenstadt fertig sein.

