Claudia Blatzheim fordert einen Behindertenparkplatz vor Gut Pisdorhof in Ossendorf – doch die Stadt Köln lehnt trotz hoher Nachfrage ab.
„Parkplätze für Allgemeinheit weg“Verwaltung lehnt Forderung nach Behindertenparkplatz ab

Nicht ungefährlich: Claudia Baltzheim und Hans Peter Bochem müssen den Rollstuhl vor Gut Pisdorhof in zweiter Reihe ein- und ausladen.
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Claudia Blatzheim hat die Nase gestrichen voll. Alle 14 Tage holt sie ihren schwerstmehrfachbehinderten Sohn Jan Willems mit dem Kombi aus dem Caritas-Wohnheim Gut Pisdorhof ab, damit er einen Tag im Kreis der Familie verbringen kann. Dazu muss sie den sperrigen Rollstuhl aus dem Heckbereich ihres Wagens bugsieren und in die Einrichtung schieben, wo meist noch ein Gespräch mit den Mitarbeitern ansteht. Dann verabschiedet sich ihr Sohn noch von seinen Freunden. Er wird mit dem Rolli zum Wagen gefahren und in den Beifahrersitz manövriert. „Das alles dauert häufig so um die 30 Minuten“, erzählt Blatzheim.
Das Grundstück von Gut Pisdorhof kann sie dafür allerdings aus baulichen Gründen nicht nutzen, einen Stellplatz für Behinderte gibt es vor der Einrichtung auch nicht, und in der Frohnhofstraße ist nur selten ein Parkplatz frei. Deshalb bleibt ihr nichts weiter übrig, als den Kombi in zweiter Reihe zu parken und das Warnblinklicht einzuschalten. Aber die Prozedur ist angesichts des Zweirichtungsverkehrs auf der engen Frohnhofstraße nicht ungefährlich: „Hier gilt zwar Tempo 30, aber daran hält sich kaum jemand. Vor allem abends oder im Winter ist das ein Problem“, so Blatzheim.
Häufig ist sie damit mehrmals in der Woche konfrontiert: Wenn für ihren 33-jährigen Sohn Arzt- oder Krankenhaustermine anstehen, wenn er Freunde und Verwandte besuchen möchte, oder wenn ein Besuch im Zoo oder ein Spaziergang am Rhein geplant ist. Heimspiele der Kölner Haie lässt Jan Willems auch ungern aus.
Bewohner fordern sicheren Behindertenparkplatz
Vor ungefähr eineinhalb Jahren, nachdem sie – nicht zum ersten Mal – vor dem Caritas-Wohnheim beinahe von einem mit hohem Tempo vorbeifahrenden Pkw erfasst worden wäre, reichte es Claudia Blatzheim endgültig. Sie wandte sich mit einer Bürgereingabe an die Verwaltung und die Ehrenfelder Bezirksvertretung und forderte einen Behindertenparkplatz vor Gut Pisdorhof. Sie ist nicht allein mit ihrem Problem: In dem Wohnhaus leben 51 Menschen, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, viele werden regelmäßig von Freunden und Verwandten abgeholt. Viele sind für die Fahrt zu Werkstätten auf Busse angewiesen, für die es ebenfalls keine besonderen Parkmöglichkeiten gibt.
Doch die Reaktion der städtischen Beschwerdestelle auf ihre Eingabe machte Claudia Blatzheim sprachlos. Darin wird eine Stellungnahme des Amts für Verkehrsmanagement zitiert: Zwar sei es der Stadt Köln ein Anliegen, „bessere Verhältnisse“ für behinderte Menschen im öffentlichen Raum zu schaffen, allerdings sei auch „der Parkdruck vor allem in Großstädten besonders groß. Die Einrichtung eines allgemeinen Behindertenparkplatzes würde der Allgemeinheit bis zu zwei öffentliche Parkplätze dauerhaft entziehen. Daher ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und der Bedarf im Einzelfall zu prüfen.“
Verwaltung sieht keinen Bedarf für Behindertenparkplatz
„Nach intensiver Prüfung“ sei man im vorliegenden Fall zu dem Schluss gekommen, dass keine Notwendigkeit zur Einrichtung eines Behindertenparkplatzes bestehe. Denn in unmittelbarer Nähe des Guts Pisdorhof befinde sich ein Bereich mit eingeschränktem Halteverbot, auf dem man mit einem allgemeinen Schwerbehindertenparkausweis bis zu drei Stunden parken könne. Außerdem verfüge Gut Pisdorhof über einen privaten Parkplatz, „auf dem die Belange der Bewohner und ihrer Angehörigen abgewickelt werden können.“
Nur muss dieser Parkplatz Mitarbeitern des Hauses zur Verfügung stehen, und auch der nahegelegene Halteverbotsbereich bietet nur eine zeitlich sehr begrenzte Lösung: Er gehört zu der Caritas-Werkstatt Gut Frohnhof und ist hauptsächlich für Busse gedacht, die deren Mitarbeiter bringen und wieder abholen: Das Halten ist hier nur morgens von 7 bis 8.30 Uhr und nachmittags von 15 bis 16 Uhr verboten, ansonsten ist der Bereich meist zugeparkt.
Auch die Caritas Köln befürwortet daher die Einrichtung eines Behinderten-Stellplatzes vor Gut Pisdorhof, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt, „da Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Parksituation den Zugang für Bewohner zum Wohnhaus erleichtern und die Abläufe für Bewohnerinnen und Bewohner, Besucher und Fahrdienste insgesamt unterstützen.“
Auch die Ehrenfelder Bezirksvertreter mochten sich der Entscheidung der Verwaltung nicht anschließen, sondern forderten im Mai 2025 einstimmig die Einrichtung eines Behinderten-Stellplatzes. „‚Der Allgemeinheit zwei öffentliche Stellplätze entziehen‘?“, zitiert Bezirksbürgermeister Volker Spelthann kopfschüttelnd aus der Mitteilung. „Gehören behinderte Menschen etwa nicht zur Allgemeinheit? Das ist nicht akzeptabel“.
Passiert ist seit dem BV-Beschluss aber nichts, und Spelthann will nun das Gespräch mit der Verwaltung suchen. Hans Peter Bochem, Partner von Claudia Blatzheim, meint: „Behinderte Menschen haben nun wirklich genug Schwierigkeiten im Alltag. Da könnte man in solchen Fragen doch mehr Entgegenkommen zeigen.“
