Weniger Dreck in der Stadt: Das ist eines von Torsten Burmesters großen Zielen für Köln. Den Auftakt macht eine Aktionswoche mit verstärkten Kontrollen durch das Ordnungsamt.
Ein Streifzug mit dem OBTorsten Burmester will Köln sauberer machen

Oberbürgermeister Torsten Burmester besucht Mitarbeiter des Grünflächenamts und der AWB im Mülheimer Stadtgarten.
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Torsten Burmester will aufräumen. Am Montagmorgen bei Temperaturen nur knapp über Null Grad ist der Oberbürgermeister dafür extra nach Mülheim auf den Wiener Platz gefahren. Sauberkeit und Ordnung hat er im Wahlkampf versprochen, und genau darüber will er mit den Menschen ins Gespräch kommen. Aber die Bürger haben erst einmal andere Sorgen. „Wann kommt denn endlich das Müllemer Böötche zurück, Herr Burmester?“, ruft eine ältere Frau in kölschem Singsang.
Beim „Veedelstreff“ des Ordnungsamtes auf dem Wiener Platz stellen sich Burmester und einige Mitarbeitende mit Kugelschreibern, Feedback-Zetteln und Leinentaschen samt Info-Pavillon für ein paar Stunden den Fragen und Sorgen. Der Termin ist Teil der Aktionswoche „Ordnung und Sauberkeit in den Veedeln“.

Torsten Burmester besucht den Veedelstreff des Ordnungsamts auf dem Wiener Platz in Mülheim.
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Die Bürger nutzen die Gelegenheit, den gerade noch so neuen OB zu treffen. Und Frust abzuladen. Vom Wiener Platz aus sind die Absperrgitter der Baustelle auf der Mülheimer Brücke zu sehen. Die Mülheimer sind die Sanierung leid. Die Stadtverwaltung soll Garageneinfahrten falsch genehmigt haben. Und, und, und. Burmester macht sich Notizen, will in den Ämtern nachhören lassen.
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Es wird konkreter: Dirk Storch trägt das Anliegen einer Eigentümergemeinschaft in Stammheim vor, es geht um Parkplätze vor den Wohnungen. Parken ist eines der Themen, dass die Kölnerinnen und Kölner am häufigsten ansprechen. Jemand anders beschwert sich über Wohnmobile, die zum Überwintern in der Hafenstraße am Rhein abgestellt werden. Die Falschparker in den Veedeln müssten konsequenter geahndet werden, ruft ein Mann. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts nickt.
Die Themen Parken, Müll und Drogen beschäftigen die Kölner
Dirk Storch holt sein Handy aus der Manteltasche, er hat noch mehr zu melden: Bilder von wildem Müll in seiner Wohnstraße zeigt er dem Oberbürgermeister. Ein alter Kühlschrank gehört nicht neben einen Glascontainer. Müll ist die zweite große Sorge, die die Bürger umtreibt. Das Gespräch ist angekommen beim Thema, das der OB am Montag angehen will. Seine kleine Tournee kann als Warnung an alle Kölnerinnen und Kölner verstanden werden: „Wer seine Zigarettenkippe wegwirft, kann mit einem Knöllchen persönlich vom Oberbürgermeister rechnen“, sagt er am Morgen. Burmester, der Dorfsheriff.
Christiane von Scheven begrüßt den OB. Seit 46 Jahren wohnt sie in der Buchheimer Straße, sitzt der dortigen Interessengemeinschaft vor, unterhielt bis vor sechs Jahren auch eine Apotheke mit ihrem Mann. „Herr Burmester, wir diskutieren an Runden Tischen dieselben Themen wie vor zehn Jahren schon“ – der sichtbare Drogenkonsum müsse angegangen werden. Unterkünfte für Abhängige will von Scheven, „wir müssen sie doch von den Straßen wegbekommen“, sagt sie.
Es ist das Thema, das die Kölner am meisten zu beschäftigen scheint. Es treibt auch Burmester um: Am Folgetag wird er abends den Plan eines Suchthilfezentrums im Pantaleonsviertel vor den Anwohnern verteidigen. Es soll die große Lösung für Kölns Drogenproblem werden. Meldungen überfüllter Altkleidercontainer in Mülheim sind da schon schneller auf Zettel geschrieben und weitergereicht. Von Scheven fordert nicht nur vom OB Veränderung. Sie will ein besseres „Miteinander“ aller Kölner, „jeder soll ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen“. Auch das ein Zweck der montäglichen Ordnungs-Tournee von Burmester: „Ich will ein besseres Bewusstsein für diese Themen erzeugen“, sagt er. Burmester, der Zuhörer.
Burmester will offenbar „Sauberkeitsoffensive“ umsetzen
Dass Burmester hier auf dem Wiener Platz stehe, sei eine „gute Sache“, sagen die Passanten, „der Oberbürgermeister kommt uns im Veedel besuchen“, „er macht sich ein Bild“, „das ist einer, der vor Ort ist“. Die Besuche kommen gut an, sie sind aber auch der leichte Part. Die Mülheimer werden den OB zum Ende seiner Amtszeit daran messen wollen, welche Taten er nach diesem Termin hat folgen lassen.
Mit einer „Sauberkeitsoffensive“ für Köln machte die SPD schon im Herbst Wahlkampf. 79 Tage nach der Amtseinführung liegt ein Bild mit Oberbürgermeister und Laubbläser da auf der Hand: Im Mülheimer Stadtgarten spricht Burmester beim zweiten Tourstopp mit den Mitarbeitenden des Grünflächenamts. Sie haben viel zu tun. Sind Hecken kleingehalten, ist der Park einsichtiger, fühlen sich Drogendealer weniger wohl und Anwohner sicherer. Den Bläser darf Burmester kurz halten, die elektrische Heckenschere geben die Fachmänner ihm nicht in die Hand. Burmester, der Laubbläser.
Der OB trifft gleich zwei Ordnungsteams auf einem Stopp. Der Mülheimer Stadtgarten ist auch das Revier anderer Orange-Jackenträger: den Stadtreinigern der AWB. Sie arbeiten Hand in Hand: Ist die Hecke geschnitten, ist der herumfliegende Verpackungsmüll auch leichter herauszufischen.

Oberbürgermeister Torsten Burmester begleitet den Kommunalen Ordnungsdienst am Brüsseler Platz im Belgischen Viertel.
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Zwischen dem Vor-Ort-Sein, Veedelbesuchen und Saubermachen, braucht NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst den Kölner OB am Nachmittag vorübergehend in der Lanxess-Arena zum Kickoff der Olympia-Kampange des Landes. Offenbar staubt er dort eine dicke Winterjacke mit Olympialogo ab – ein Glück, denn um 21 Uhr geht Torsten Burmester mit Mitarbeitern des kommunalen Ordnungsdienstes über den Brüsseler Platz und es ist noch kälter geworden als am Morgen.
Kölner Ordnungsamt verschärft Kontrollen für Aktionswoche
Der OB bringt neben der neuen Jacke auch eine Zwischenbilanz der Aktionswoche mit: Mehr als 120 Gespräche haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts in drei Stunden auf dem Wiener Platz geführt. Das Ordnungsamt ahndete 38 Wildpinkler („So viele, trotz der Kälte!“, wirft Burmester ein), nahm 228 Meldungen zu wildem Müll auf, zählte 336 Bürgerkontakte seit Mittwoch („Positive!“, keine Problembehandlungen), und erwischte acht Zigarettenstummel-Wegschnipper auf frischer Tat. Burmester gibt am Abend zu: Knöllchen darf er selbst gar nicht ausstellen. Der Sheriff darf nur drohen und mahnen.
Auf dem Brüsseler Platz trifft Gerian Breidenstein den OB. Er ist stellvertretender Bezirksdienstgruppenleiter beim kommunalen Ordnungsdienst – kurzum: jemand, auf den man in den Kölner Veedeln hören sollte. „Der Brüsseler Platz spiegelt ganz Köln wieder“, sagt er. Das seit Sommer geltende nächtliche Alkoholverbot steht am vorläufigen Ende vieler Versuche, einen Weg zur Ordnung und Ruhe zu finden. Hinzu kommt eine Streife des Ordnungsdienstes, also zwei Leute, die hier jeden Abend Patrouille um die Kirche gehen. Im Sommer, wenn nicht nur ein Oberbürgermeister über den Platz läuft, sondern Hunderte Kölnerinnen und Kölner, sind hier deutlich mehr Ordnungshüter unterwegs. Breidenstein beschreibt seinen Job so, dass er dem von Torsten Burmester gar nicht so fern klingt: „Ganz viel Vermittlung.“

