1926 wurde die AWO Köln gegründet. Anlässlich ihres Geburtstags sprach OB Burmester über die Bedeutung von Solidarität in diesen Zeiten.
Festakt in der FloraArbeiterwohlfahrt Köln feiert 100-jähriges Bestehen

Foto (v. l.): Wilhelm Schmidt, Ulli Volland-Dörmann, Torsten Burmester, Ingrid Hack und Erik Flügge.
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„Solidarische Kraft“ und „ungeheurer Wille für das Füreinander“ – mit solchen Worten hat Oberbürgermeister Torsten Burmester die Leistung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Köln in der Flora gewürdigt. Dort fand am Freitag unter dem Motto „… erst der Anfang“ der Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Kreisverbands statt.
Er ist einer von knapp 400 des Spitzenverbands der freien Wohlfahrtspflege. Zu den rund 300 Gästen der Feier zählten unter anderem Kölns frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Politiker aus Stadt und Land, Mitglieder des Stadtvorstands, Polizeipräsident Johannes Hermanns und zahlreiche AWO-Führungskräfte.
Arbeiterwohlfahrt ging aus Initiativen der SPD hervor
Die AWO geht auf den Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD zurück, der 1919 auf Initiative von Marie Juchacz gegründet wurde. „Das Wir ist immer stärker als das Ich“, lautete ihr Leitsatz, der die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf den Punkt bringt. Anfangs ging es vordringlich darum, etwa mit Beratungsstellen, Nähstuben und Suppenküchen denjenigen zu helfen, die der Erste Weltkrieg geschädigt hatte. In mehreren Schritten sollte sich der Ausschuss zu einer eigenständigen Hilfsorganisation entwickeln.
1926 wurde die AWO Köln gegründet – in der Stadt, in der Marie Juchacz einige Jahre gelebt hatte und wo sich ihr Grab befindet. Heute beschäftigt der Kreisverband, dem 1250 Mitglieder angehören, über 1700 hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Hinzu kommen rund 800 ehrenamtliche Kräfte.
AWO bietet mehr als 100 unterschiedliche Dienstleistungen an
Im Auftrag der Kommune, des Landes NRW und anderen bietet der Verband mehr als 100 unterschiedliche Dienstleistungen an. Die Palette reicht von Kitas, Schulbetreuung und Seniorenberatung über Jugendprojekte, Pflegeeinrichtungen und Streetwork bis zu Inklusionsangeboten, betreutem Wohnen sowie Integrations- und Beschäftigungsförderung.
Die AWO stehe seit ihrer Gründung für Vielfalt, hob Erik Flügge hervor, der neben Ingrid Hack dem Kölner Kreisverband vorsteht. Schon zu Beginn hätten Frauen Leitungsfunktionen gehabt, und queere Menschen seien bereits in einer Zeit beschäftigt worden, als sie der Staat verfolgt habe und sie woanders nicht hätten arbeiten können. Es sei völlig gleichgültig, „wohin sich der gesellschaftliche Wind dreht, auch wenn er uns ins Gesicht bläst, wir werden immer für Vielfalt stehen“, bekräftigte Flügge und erntete Beifall.
Burmester mahnt zu Solidarität
Locker und humorvoll führte der Kabarettist und Stand-up-Comedian Jonas Greiner durch einen Teil des Programms und befragte mehrere Ehrengäste. „Wohlfahrtspflege ist sinnhaft, alle wissen, für wen und warum sie es machen“, sagte Ulli Volland-Dörmann, Geschäftsführerin des Kreisverbands. Wilhelm Schmidt, Ehrenvorsitzender des AWO-Bundesverbands, forderte zum Engagement auf angesichts der politisch-gesellschaftlichen Situation in Deutschland. Sie erinnere ihn ein wenig an die Lage in den Anfangsjahren der AWO. „Lasst uns alle gemeinsam dafür sorgen, dass diese Verhältnisse nicht wiederkommen.“
Ausgehend von Marie Juchacz’ Wahlspruch „Das Wir ist immer stärker als das Ich“ mahnte Burmester zu Solidarität in einer Zeit geballter Probleme, in der populistische und extremistische Kräfte erstarken. Man habe es mit einer „Legitimationskrise der Parteiendemokratie“ zu tun. Die Reformagenda der Bundesregierung zeige „richtige und wichtige Ansätze“, doch er habe die Sorge, dass sie keine Akzeptanz finde und deshalb scheitere.
Nötig sei, klar auszusprechen, dass es bei Reformen nicht nur Gewinner geben könne. Im Sinne sozialer Gerechtigkeit müsse manchen Menschen wegen ihres Einkommens und Vermögens „mehr zugemutet“ werden, gleichzeitig bestehe die Verpflichtung, Menschen in Not bedingungslos zu unterstützen. Das gelte auch für Köln, das „nicht gerecht“ sei. Statt in der Analyse zu verharren, komme es darauf an, Verbesserungen voranzubringen, so wie Marie Juchacz es getan habe und die AWO es seit Jahrzehnten tue: „Wir sind dankbar, dass wir uns als Stadtverwaltung auf Sie verlassen können.“
