Köln – So viele Mediziner auf einmal hat der Filmpalast am Hohenzollernring wohl noch nie gesehen. Grund war die Kinopremiere des Dokumentarfilms „Stille Pandemie“ von Regisseur Michael Wech, der sich dem globalen Kampf gegen Antibiotika-Resistenz widmet. Die Welt steht am Scheitelpunkt einer bedrohlichen Entwicklung: Bakterien bilden schneller Resistenzen gegen bestehende Antibiotika, als neue Antibiotika auf den Markt kommen.
Filmpremiere in Köln: Kampf gegen ultraresistente Bakterien
Der Film stellt die Frage, ob und wie der Eroberungszug ultraresistenter Bakterien aufgehalten werden kann. Mit dem „antibiotic gap“, wie Experten diese Entwicklung bezeichnen, beginnt ein neues Zeitalter der Medizin.
Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte müssen wir uns damit abfinden, dass nicht mehr alle bakteriellen Infektionen behandelbar sind. Die WHO verwendet seit Herbst 2021 den Begriff „Stille Pandemie“, denn anders als Corona schleicht sich die Resistenz gegen Antibiotika unbemerkt in unsere Gesellschaft ein – doch sie erschüttert unser Gesundheitssystem genauso allumfassend.
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Kölner Produzent: Sieben Jahre an Film gearbeitet
Sieben Jahre habe man an dem Thema gearbeitet, sagte der Kölner Produzent Leopold Hoesch (Broadview Pictures) bei der Begrüßung und stellte eine Frau vor, „die ich sehr bewundere“: Dame Sally Davies, Sondergesandte der britischen Regierung für Antibiotika-Resistenz, war extra aus Cambridge zur Premiere gekommen. Sie erläutert im Film mit eindrucksvollen Worten die Gefahren der stillen Pandemie für die Menschheit.
Antibiotikaresistenz: EU-weit jährlich 30.000 Tote
Auch NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser verlieh mit einem Grußwort dem Thema Bedeutung: „Danke, dass sie sich dem angenommen haben.“ Der verschwenderische Umgang mit Antibiotika hätte dazu geführt, dass mittlerweile 30.000 Menschen im Jahr EU-weit sterben würden, weil sie resistent seien. Da ähnliches für die Tierwelt gelte, müsse man über einen „One-Health-Ansatz“ nachdenken und auch über neue Wege in der Tierhaltung nachdenken. Um möglichst viele Ärzte für das Thema zu sensibilisieren hatte Hoesch die Sülzer Kardiologin Sabine Schäfer-Wiedenmann mit ins Boot genommen, die rund 300 Mediziner zur Premiere einladen hatte. Nach dem Film gab es eine Frage/Antwort-Runde aller Beteiligten.
Stille Pandemie – Der globale Kampf gegen Antibiotika-Resistenz“, Film von Michael Wech, zu sehen ab sofort online auf arte.tv (bis 11. Juni 2022)


