Neue Sicherheitsfirma im EinsatzKaum Wartezeit trotz Tausender Fluggäste am Samstag

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Fluggäste treffen teils sechs Stunden vor Abflug am Airport ein.

  • Nach dem Chaos der vergangenen Wochen erwartete der Flughafen am Wochenende die nächste Reisewelle.
  • Doch das befürchtete Chaos blieb aus. Auch, weil eine neue Sicherheitsfirma im Einsatz ist.
  • Flughafenmitarbeiterinnen sind erleichtert. Sie sehnen das Ende der Ferienzeit herbei.

Köln – Luca Wendland und Teresa Rovai sind aufgeregt vor ihrem Flug, aber nicht wegen des Flughafen-Chaos' der letzten Wochen. Wendland wird in einem Dorf zwischen Lucca und Pisa in Italien das erste Mal den Vater seiner Freundin kennenlernen. Dazu kommt noch seine leichte Flugangst. „Seit ich vor einem halben Jahr wegen einer Zwischenlandung fast acht Stunden nach Gran Canaria gebraucht habe, mache ich mir schon immer ein wenig Sorgen“, sagt er.

Das Paar kommt vier Stunden vor seiner Abflugzeit am Flughafen an. So wird es auch vom Flughafenbetreiber empfohlen. Zur Absicherung machen die beiden ein Selfie mit einer Uhr im Hintergrund. „Wir haben da Gerüchte gehört, dass das bei der Entschädigung hilft“, sagt Rovai. „Wir hoffen zwar nicht, dass wir es brauchen, aber als Sicherheit ist es gut zu haben.“

Sechs Stunden früher am Flughafen

Angelique Hubers und Christian Jebavi haben das auch gemacht. Jebavi studiert Jura und sagt, dass ein Foto auf jeden Fall bei der Entschädigung helfen kann, falls ein Flug ausfällt. „Vertraue niemandem, nur dir selbst“, sei das erste gewesen, was er im Studium gelernt habe. So wollten die beiden auch einem möglichen Chaos zuvorkommen, das aber ausbleibt. Um 12 Uhr waren sie am Flughafen, ihr Flug nach Antalya hebt um 17.30 Uhr ab. „Unsere Koffer konnten wir nach zehn Minuten abgeben“, sagt Hübers, die zum ersten Mal fliegt. „Jetzt warten wir hier fünf Stunden.“

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So geht es auch Ioanna Tzaminas. Die Griechin ist gut vorbereitet. Sechs Stunden vor Abflug ist sie schon am Flughafen, das Gepäck konnte sie schnell abgeben. Für ihren Hund hat sie eine Windel dabei und eine wasserfeste Tasche für den Flug. Sie sei vorsichtig geworden, weil ihr Vater vergangene Woche mehr als vier Stunden warten musste. Außerdem sei sie schon im März während einer Streikwoche geflogen. Da warte sie jetzt lieber länger und spare sich so den Stress.

Sie sitzt im einem Café, in dem Florian Mondorf seit fünf Uhr dreißig morgens arbeitet. Er ist hier seit fünf Jahren angestellt und sagt: „So schlimm wie in den letzten Wochen war es noch nie.“ Dieser Samstag sei aber ruhig, nur zwischen halb sechs und halb acht habe es Schlangen gegeben. Von den vielen Reisenden profitiere das Café aber kaum. „Die Leute stehen dann eisern sechs Stunden in der Schlange“, sagt Mondorf. „Mehr Umsatz machen wir durch das Chaos nicht.“

Seiner Meinung nach sei die Situation der letzten Wochen ein kombiniertes Fehlverhalten. „Flughafenmitarbeiter, Bundespolizei, Passagiere – alle haben Fehler gemacht und zeigen jetzt mit dem Finger aufeinander“, sagt er. Doch die Sommerferien gehen auf ihr Ende zu und Mondorf rechnet damit, dass sich die Situation wieder beruhigt.

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Das sagt auch eine Bodenstewardess, die Reisende eincheckt. „In den letzten Wochen war ich mehr hier als zu Hause", sagt sie. „Aber heute merkt man, dass die Ferien fast vorbei sind.“ Zwischen August und den Herbstferien rechnet sie nochmal mit mehr Passagieren. Sie hofft, dass diese dann wieder entspannter sind. „Wir können ja nichts für die Situation, kriegen aber viel ab“, sagt sie. „Das kann schon belastend sein.“

Neuer Sicherheitsdienst seit diesem Wochenende

Um die Situation zu entlasten, wurde seit diesem Wochenende ein neuer Sicherheitsdienst engagiert. Für das Wochenende werden insgesamt erneut mehr als 110.000 Passagiere erwartet. Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen, sagen, dass durch die zusätzliche Firma jetzt fast schon zu viele Menschen an den Sicherheitskontrollen arbeiten. Die Prozesse würden aber reibungslos laufen. Ein Mitarbeiter, der den ersten Tag am Flughafen arbeitet, berichtet von der entspannten Stimmung unter den Kollegen. Der ganze Flughafen sei erleichtert, dass die Sommerferien fast vorbei sind.

In anderen Bundesländern hingegen beginnen sie gerade erst. Familie Franz beispielsweise kam aus Heidelberg in Baden-Württemberg mit dem Zug zum Flughafen Köln-Bonn, weil die Flüge hier günstiger seien. Die Berichte über die schwierige Situation am Flughafen hätten sie nicht abgeschreckt. „Zeit ist dann doch nicht ganz so wichtig wie Geld“, sagt der Vater.

Die günstigeren Preise waren auch für Sybille und Oliver Simon entscheidend, trotz der negativen Berichte vom Flughafen Köln-Bonn zu fliegen. Das Ehepaar kommt aus dem Emsland und brauche so zu vielen großen Flughäfen zwei Stunden. „Aber wir sind eh sturmerprobt“, sagt Oliver Simon. „Wir waren unterwegs, als die Fluggesellschaften pleite gingen und während des Erdbebens auf Kreta. Uns schockt so schnell nichts.“

Ein wenig ärgern sie sich dennoch, dass sie während der Sommerferien fliegen. „Aber was soll man machen, mein Mann wird kommende Woche eben 60“, sagt Sybille Simon. Ihr Rückflug fällt genau aufs Ferienende, lange Wartezeiten könnten auf sie zukommen. Dem blicken die Simons aber entspannt entgegen: „Selbst wenn unser Flug ausfällt, sind wir eben zwei Tage länger auf Teneriffa“, sagt Sibylle Simon. „Da gibt es wirklich Schlimmeres.“

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