Die Unfallgefahr im Nahverkehr in NRW wächst. Verkehrsbetriebe wie die KVB warnen und ergreifen nun Gegenmaßnahmen.
Gefahr in Bus und BahnKVB und Rheinbahn besorgt über steigende Unfallzahlen

Straßenbahnen und Autos fahren am Graf-Adolf-Platz. (Symbolbild)
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Verkehrsbetriebe in NRW warnen vor einer wachsenden Unfallgefahr. Die Zahl der Kollisionen im öffentlichen Personennahverkehr nimmt zu, oft durch Fehlverhalten. Verkehrsunternehmen, darunter die KVB, ergreifen nun Gegenmaßnahmen.
Eine Erhebung der Deutschen Presse-Agentur belegt eine besorgniserregende Zunahme von Unfallgefahren im Betriebsalltag großer Verkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Als wesentliche Gründe werden falsche Abbiegemanöver über Schienen, Fahrgäste ohne sicheren Halt und die Ablenkung von Passanten durch Smartphones identifiziert.
Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wurde ein breites Spektrum an Vorkehrungen eingeleitet. Hierzu zählen bauliche Anpassungen, die signalrote Gestaltung der Fahrzeugfronten, neue Verkehrsbeschilderung, der Einbau von Kollisionswarnern in neue Züge sowie eine verstärkte Ausbildung der Fahrerinnen und Fahrer.
KVB in Köln über Zunahme der Vorfälle besorgt
Einen Zuwachs bei den Unfallstatistiken melden auch die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), obwohl gravierende Zwischenfälle in der jüngeren Vergangenheit selten auftraten. Mit Stadtbahnen allein wurden für das Jahr 2025 insgesamt 543 Kollisionen erfasst. Die Verantwortung für einen erheblichen Teil dieser Vorfälle wird dem Fehlverhalten Dritter im Straßenverkehr zugeschrieben, beispielsweise durch unerlaubte Abbiegevorgänge über die Schienen.
Die Zahl der Personen mit schweren Verletzungen ist zwar rückläufig, jedoch gibt ein anderes Phänomen Anlass zur Beunruhigung. Ein Sprecher der KVB erläuterte: „Wir beobachten, dass sich zunehmend Fahrgäste frei stehend, also ohne sich einen festen Halt zu verschaffen, in unseren Bahnen aufhalten“. Solches Verhalten resultiert oft in Stürzen, etwa bei Fahrten durch Kurven oder bei abrupten Bremsmanövern, welche häufig aufgrund der Achtlosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich sind.
Der Sprecher fügte hinzu: „Insgesamt beobachten wir die Unfallentwicklung mit Sorge, denn jeder Unfall bedeutet eine Beeinträchtigung der Betriebsabläufe“. Infolge von Kollisionen erleiden jährlich etwa 25 Fahrzeuge derart gravierende Schäden, dass ihre Reparatur und anschließende Wiedereingliederung in den Dienstbetrieb mitunter mehrere Wochen in Anspruch nimmt.
Köln: Technische Aufrüstung und Fahrsimulatoren als Lösung
Die KVB investiert in technologische Innovationen, um die Sicherheit zu verbessern. So verfügen moderne Stadtbahn-Typen über einklappbare Kupplungen am vorderen Fahrzeugteil. Dies bewirkt bei einem Zusammenstoß, dass die Bahnen in der Regel seitlich abgedrängt werden. „Hierdurch konnte die Zahl schwerer Verletzungen bei Fahrzeuginsassen deutlich reduziert werden.“
Des Weiteren ist geplant, innerhalb der nächsten sechs Jahre rund 50 Prozent der Stadtbahnflotte der KVB zu modernisieren. Jedes neue Fahrzeug erhält ein Kollisionswarnsystem, dessen Erprobung in zwei Zügen bereits zu Jahresbeginn startete. Ein unerlaubtes Überklettern der Kupplungen zwischen den Waggons wird bei den georderten Langzügen konstruktionsbedingt verhindert. Darüber hinaus hat die KVB zur Optimierung der Fahrerausbildung den Kauf von drei Stadtbahn-Fahrsimulatoren in Auftrag gegeben.
Unfallhäufung auch bei der Düsseldorfer Rheinbahn
Eine Serie von Unfällen bei der Rheinbahn in Düsseldorf hat dazu geführt, dass das komplette Sicherheitskonzept überprüft wird. Das Unternehmen gestand nach einem Zusammenstoß von zwei Straßenbahnen Ende Mai, bei dem 30 Personen verletzt wurden, technische Mängel in diesem spezifischen Fall ein. Seit November wurden vier Entgleisungen verzeichnet, wozu auch der Zusammenstoß zählt.
Ein Unternehmenssprecher hob jedoch hervor: „Bei dem weitaus größeren Teil der Unfälle ist allerdings verbotswidriges Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender die Ursache, vor allem durch illegale Linksabbiegevorgänge.“ Derzeit sind 15 Fahrzeuge wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb. Zu den ergriffenen Maßnahmen zählen die Erprobung eines Fahrerassistenzsystems sowie die rote Lackierung der Frontpartie von 110 Stadtbahnen.
Weitere Betriebe in NRW reagieren auf Gefahren
Die Bogestra (Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG) macht auf das Risiko durch abgelenkte Passanten aufmerksam, die sich auf ihre Mobiltelefone konzentrieren. Ein Sprecher erklärte: „Viele Unfälle sind durch unsere Fahrer verhindert worden“. Ebenso berichten die Stadtwerke Bielefeld von einer leichten Zunahme der Unfallzahlen, die mehrheitlich von Dritten verursacht wurden. An Gefahrenstellen wurden dort die Ampelschaltungen angepasst und für die Stadtbahnen Zonen mit Geschwindigkeitskontrolle geschaffen. (dpa/red)
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