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Verkehrsnotstand in BonnWarum jetzt auch Köln davon betroffen ist

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Die Stadtwerke Bonn haben 60 von 75 Stadtbahnen wegen Sicherheitsbedenken aus dem Verkehr gezogen.

Die Stadtwerke Bonn haben 60 von 75 Stadtbahnen wegen Sicherheitsbedenken aus dem Verkehr gezogen.

Die Stadtwerke Bonn haben Sicherheitsmängel an Fahrzeugen aus den 1970er bis 1990er Jahren entdeckt. Um die Nachbarn zu unterstützen, verleiht die KVB 20 Stadtbahnen.

Erst kam die Sperrung der Nordbrücke, nun hat sich die ohnehin angespannte Verkehrssituation in Bonn seit Dienstagmorgen noch einmal deutlich verschlechtert. Die Stadtwerke Bonn (SWB) haben, wie berichtet, kurzfristig 60 von 75 Stadtbahnen aus dem Verkehr gezogen – wegen Sicherheitsbedenken. Damit überhaupt noch ein Stadtbahnbetrieb möglich war, haben die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) den Bonner Kollegen 20 ihrer Stadtbahnen geliehen. Somit hat der Ausfall auch Auswirkungen auf das Kölner Netz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema im Überblick.

Warum mussten die Stadtwerke Bonn die 60 Stadtbahnen so kurzfristig aus dem Verkehr ziehen?

Bei routinemäßigen Prüfungen haben die SWB Bus und Bahn festgestellt, dass an einigen Bauteilen der Stadtbahnwagen eine „frühzeitigere Materialermüdung“ auftreten kann. Betroffen sind verschiedene sicherheitsrelevante Komponenten im Bereich der Radsätze und des Fahrwerks. Am Montag tauschte sich das Unternehmen dazu mit der Bezirksregierung Düsseldorf aus, die in Nordrhein-Westfalen die Aufgaben einer Technischen Aufsichtsbehörde übernimmt. Um Sicherheitsrisiken auszuschließen, ist jetzt laut den SWB eine intensivere Überprüfung der betroffenen Bahnen notwendig.

Wann können die Bahnen wieder fahren?

Das steht noch nicht fest. Die SWB hoffen, dass der Ausfall nur kurze Zeit andauern wird. „Wir arbeiten mit der Technischen Aufsichtsbehörde an einem Konzept, das noch in dieser Woche geprüft werden soll. Wir hoffen, dass die betroffenen Bahnen bereits in der kommenden Woche wieder auf der Strecke unterwegs sein können“, sagt SWB-Konzerngeschäftsführerin Anja Wenmakers. Die Bezirksregierung Düsseldorf will die eingereichten Unterlagen unmittelbar nach Eingang mit höchster Priorität prüfen. „Die Prüfung wird voraussichtlich innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein. Ziel aller Beteiligten ist es, schnellstmöglich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die betroffenen Fahrzeuge wieder sicher eingesetzt werden können“, sagt Sprecherin Vanessa Nolte. Derzeit sei es schwierig einzuschätzen, wann das erforderliche Konzept vorliegen wird. Sobald die Unterlagen vollständig und fachlich belastbar seien, erfolge die Prüfung unverzüglich. „Voraussetzung für eine Wiederinbetriebnahme ist allerdings, dass ein sicherer Betrieb nachweislich gewährleistet werden kann“, sagt Nolte.

Um welche Bahnen handelt es sich?

Betroffen sind Stadtbahnen aus den 1970er bis 1990er Jahren aus den Baureihen B100S (15 Fahrzeuge) und B100C (20 Fahrzeuge). Genauer handelt es sich um den Stadtbahnwagen B, der von der Düsseldorfer Waggonfabrik Duewag entwickelt wurde, und der auch bei der KVB im Einsatz ist. Die ersten drei Prototypen wurden 1973 ausgeliefert, zwei gingen nach Köln, einer nach Bonn. Zwischen 2015 und 2023 wurden 25 SWB-Bahnen umfassend modernisiert und technisch umgerüstet. Dabei erhielten sie unter anderem eine erneuerte Antriebstechnik sowie einen zeitgemäß gestalteten Innenraum. Auch sie dürfen derzeit das Depot nicht mehr verlassen.

Besteht auch ein Risiko für Kölner Stadtbahnen?

Nein. Da die in Bonn verwendeten Bauteile mit den frühzeitigen Materialermüdungen in Kölner Fahrzeugen nicht verbaut sind, ist die Situation laut der KVB nicht vergleichbar. Ähnliche Fahrzeuge kommen laut der Bezirksregierung auch bei der Essener Ruhrbahn zum Einsatz. Nach derzeitigen Erkenntnissen scheinen aber weder die KVB noch die Ruhrbahn von den Problemen betroffen zu sein, sagt Sprecherin Vanessa Nolte.

Die betroffenen B-Stadtwagen sind auch bei der KVB im Einsatz.

Die betroffenen B-Stadtwagen sind auch bei der KVB im Einsatz.

Was bedeutet der Ausfall für Fahrgäste in Bonn?

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stellen den Stadtwerken Bonn leihweise 20 ihrer eigenen Stadtbahnwagen zur Verfügung. Das ermöglicht es den SWB, die Linien wie gewohnt zu bedienen, allerdings mit einzelnen Zügen statt wie üblich mit Doppelzügen. Das Unternehmen kann also derzeit deutlich weniger Fahrgäste befördern als sonst. Wer nach Oberkassel will, muss ab Bonn Hauptbahnhof oder ab Ramersdorf die Linie 62 nehmen, weil die Bahnen der Linie 66 in Oberkassel vorübergehend nicht halten können. Die Linie 68 wird in den kommenden Tagen wegen der geringeren Nachfrage in den Ferien eingestellt. Auf den Linien 18 und 63 sind die KVB-Bahnen im Einsatz, auf der Linie 16 gibt es derzeit unabhängig von dem Ausfall einen Bahnersatzverkehr. „In Bonn ist der politische Worst Case eingetreten. Der öffentliche Personennahverkehr sollte dazu beitragen, den Ausfall der Nordbrücke abzufedern – dass jetzt auch noch 60 Stadtbahnen ausfallen, ist für Bonn eine echte Katastrophe“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.

Die KVB fährt seit Jahren mit einem reduzierten Fahrplan, weil das Unternehmen nicht genug Stadtbahnen zur Verfügung hat. Wie passt es, in dieser Situation 20 Stadtbahnen an die SWB zu verleihen?

„Wir halten den Einsatz von Einzelwagen auf der Linie 5 und den Verzicht auf die Verstärkerfahrten auf der Linie 18 in den Hauptverkehrszeiten für vertretbar. Das Fahrgastaufkommen ist mit dem Beginn der Sommerferien zurückgegangen, und wir stellen nach wie vor ein ausreichendes Fahrplanangebot zur Verfügung“, sagt KVB-Sprecher Matthias Pesch. Der KVB sei bewusst, dass diese Regelung für einen Teil der Fahrgäste Beeinträchtigungen mit sich bringt. „Aber wir bitten um Verständnis, dass wir die SWB in dieser Situation nicht alleine lassen können“, sagt Pesch.

Was ändert sich dadurch im Kölner Netz?

„Es ist richtig, dass wir wegen mangelnder Fahrzeugverfügbarkeit nicht unseren regulären Fahrplan fahren können. Die Unterstützung für die Stadtwerke Bonn ist daher nur möglich, weil wir wegen des oben schon erwähnten reduzierten Fahrgastaufkommens diesen Fahrplan vorübergehend noch einmal ausdünnen und damit genau diese 20 Fahrzeuge einsparen“, sagt Pesch. Das sei das Ergebnis eines intensiven internen Diskussions- und Abwägungsprozesses. Die KVB fühle sich einerseits verpflichtet, den Bonnern, mit denen die Linien 16 und 18 gemeinsam betrieben werden, in einer besonders schwierigen Lage zu helfen. „Gleichzeitig galt es abzuwägen, was wir unseren Fahrgästen an weiteren Einschränkungen zumuten können. Die betriebliche Regelung, für die wir uns letztlich entschieden haben, wird aus unserer Sicht beiden Aspekten gerecht“, sagt Pesch. Die Linie 5 fährt ab sofort nur noch mit Einzel- und nicht mehr mit Doppelzügen. Es entfallen außerdem die Fahrten auf der Linie 18, die dort morgens und nachmittags in der Hauptverkehrszeit für einen Fünf-Minuten-Takt sorgen.

Wie lange bleiben die KVB-Bahnen in Bonn?

Die Vereinbarung gilt zunächst nur für die laufende Woche. „Sollte die Situation in Bonn länger andauern, wären die Möglichkeiten einer weiteren Unterstützung neu abzustimmen“, sagt KVB-Sprecher Pesch. Eine Verlängerung sei vor allem von der Fahrgastnachfrage in Köln abhängig. „Hier ergeben sich spätestens mit den kommenden Großveranstaltungen wie den Kölner Lichtern am 1. August Situationen, die eine Neubewertung erforderlich machen“, sagt Pesch.

Bekommt die KVB Geld für die Leihe?

Die Frage der Vergütung wird erst in den kommenden Tagen geklärt. „Aus dem gemeinsamen Betrieb der Linie 16 und 18 gibt es hierzu bereits Verfahren, die als Grundlage dienen können“, sagt Pesch.