Der Klimarisiko-Index des Deutschen Instituts für Wirtschaft zeigt die Verwundbarkeit der städtischen Infrastruktur. Wie sich die Stadt gegen die Schäden wappnet – und was das kostet.
Starkregen, HitzeSo hart könnte der Klimawandel Köln 2050 treffen

Nachdem der Rhein Mitte der Woche die Sieben-Meter-Marke geknackt hatte, sinkt der Pegel in Köln wieder. Von Katastrophenalarm (bei 10,70 m) war man weit entfernt.
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Die Kölner Altstadt wird bei einem Rhein-Pegelstand von 11,30 Meter überflutet. Das war nicht immer so. Beim Jahrhunderthochwasser Ende Januar 1995 reichten 10,69 Meter, um gewaltige, trübe Wassermassen und Schlamm Richtung Zentrum zu drücken. Auch Rodenkirchen, Sürth und Weiß sind damals abgesoffen, das Schokoladenmuseum wurde zur Insel, Kneipen waren per Boot oder über eilig erbaute Stege erreichbar. Die Schäden, auch finanziell, waren enorm.
Seitdem hat die Stadt aufgerüstet, hunderte Millionen Euro sind bereits in den Hochwasserschutz geflossen. Als verwundbar gilt die städtische Infrastruktur dennoch, wie eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis des Risikomodells der Köln Assekuranz, einer Tochter der Ergo Versicherung, zeigt. Die Forscher haben berechnet, wie stark Regionen in Deutschland heute und im Jahr 2050 Sturm, Starkregen, Hitze, Dürre und Hagel ausgesetzt sind.

Beim Hochwasser 1995 wurde das Schokoladenmuseum in Köln zur Insel, Uferstraßen und die Altstadt waren überflutet – daraus zog die Stadt ihre Lehren.
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Der Wert 0 beschreibt ein geringes Risiko, 10 steht für ein hohes Risiko, also einen potenziell hohen Schaden. Köln (Rang 131) liegt laut Studie mit einem aktuellen Klimarisiko-Index von 3,42 im bundesweiten Vergleich im oberen Drittel der betroffenen Städte, genauso wie Leverkusen (Rang 127) und Düsseldorf (Rang 47). Städte in der Nähe von Küsten und Flüssen sind demnach besonders gefährdet. Den höchsten Wert aller untersuchten 400 Regionen erreichte das an der Nordsee gelegene Wilhelmshaven in Niedersachsen mit 5,7. Am geringsten sei das Risiko in Kempten im Allgäu mit einem Wert von 2,8.
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Die berechnete Verwundbarkeit der NRW-Städte sei neben der direkten Flusslage ein Ergebnis vergleichsweise warmer klimatischer Bedingungen im Rhein-Tal, erklärt Hanno Kempermann vom in Köln ansässigen IW: „Sturm und Starkregen leisten den größten Beitrag zum Gesamtrisiko. Darüber hinaus sind in allen drei Städten Hitzegefahren, Hagel sowie Überschwemmungsrisiken im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich ausgeprägt“ – letztere in Düsseldorf besonders, daher die vordere Platzierung.
Köln: Überschwemmungsrisiken nehmen in Zukunft zu
Ein Blick in die Zukunft zeigt laut Studie: „Die meisten Klimarisiken nehmen weiter zu, sodass auch die Indexwerte aller drei Städte ansteigen und sich ihre Positionen im bundesweiten Ranking weiter nach vorn verschieben.“ 2050 landet Köln den Prognosen zufolge mit einem Wert von 3,87 dann auf Rang 59. „Die deutlichsten Zuwächse zeigen dabei die Hitzegefahren und Wasserknappheit, die im Zuge des Klimawandels deutlich an Bedeutung gewinnen.“ Sturm und Starkregen fallen mit Einzelwerten von 8,9 und 7,4 besonders stark in die Schadensberechnung ein.
„Zudem weisen auch die Überschwemmungsrisiken, insbesondere in Köln, eine beachtliche Zunahme auf und tragen somit zum zukünftigen Risikoprofil bei“, sagt der Experte und warnt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und dem Recherchenetzwerk „Correctiv.Lokal“: „Es ist wichtig, dass Städte die zunehmende Bedrohung auf dem Schirm haben, denn sie sind diejenigen, die die Gefahren abwehren müssen.“
Der Klimarisiko-Index solle eine Grundlage bieten, damit die kommunale Politik genauso wie die Wirtschaft Vorsorge treffen können. Denn neben Konzepten zum Schutz des Klimas sind auch Konzepte zum Schutz vor bereits spürbaren und stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels nötig. Doch „vielen Kommunen fehlte bislang das Geld, um sich hinreichend auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten“, kritisiert Kempermann.
Es ist wichtig, dass Städte die zunehmende Bedrohung auf dem Schirm haben, denn sie sind diejenigen, die die Gefahren abwehren müssen.
Daran wird wohl auch das 2025 beschlossene Sondervermögen des Bundes nichts ändern. Mit einer Finanzspritze von insgesamt 100 Milliarden Euro verfolgt die Regierung das Ziel, den Wirtschaftsstandort zu stärken und Defizite in der öffentlichen Infrastruktur zu beheben. Als Bevölkerungsschutzmaßnahme zählt auch die Hochwasserabwehr als förderwürdig. Über die Verwendung der Mittel können die Länder selbst entscheiden. Nordrhein-Westfalen erhält 21,1 Milliarden Euro.
Doch das reiche nicht. „Wenn Bund und Länder die Kommunen weiter mit Aufgaben überfrachten, ohne für die Finanzierung zu sorgen, bleiben notwendige Investitionen auch künftig auf der Strecke“, sagt Kempermann.
226 Millionen Euro für Überflutungsraum bei Köln-Worringen
Ein Gegenbeispiel zeige der 2025 genehmigte Überflutungsraum bei Köln-Worringen – ein 226-Millionen-Euro-Projekt der Stadtentwässerungsbetriebe (StEB), das von Land und Bund mitgetragen wird. Die Maßnahme soll mehrere Zehntausend Menschen im Kölner Norden (also eher Richtung Düsseldorf) bei Hochwasser schützen und schafft dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium zufolge Entlastung für alle, die unterhalb von Köln-Worringen am Rhein zu Hause sind.
Das Becken soll künftig dann geflutet werden, wenn am Kölner Pegel die Höhe von mindestens 11,70 Metern erreicht ist und eine Hochwasserwelle von mehr als 11,90 Metern prognostiziert wird. Dann könne der sogenannte Retentionsraum 30 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen und damit Hochwasserspitzen am Rhein um bis zu 17 Zentimeter kappen. Dafür werden Deiche, Dämme und Pumpwerke geschaffen, die ein kontrolliertes Fluten und später wieder Ablassen des Wassers auf einer Fläche von insgesamt 670 Hektar ermöglichen.

Mit diesen Maßnahmen wollen die StEB insbesondere Starkregen begegnen und das Wasser sinnvoll nutzen. Einige Projekte sind schon umgesetzt, viele noch in der Konzeptionsphase.
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Einen weiteren steuerbaren Überflutungsraum gibt es in Köln in Porz-Langel. Entlang des Rheins sind in NRW weitere Becken geplant. Immer noch sind sie die Reaktion auf die Jahrhunderthochwasser in den 90er Jahren. Wegen „komplexer Probleme“, heißt es, stockten die Planungen explizit in Worringen aber immer wieder, unter anderem, weil Grundstückseigentümer nicht verkaufen wollten. Es musste zur Flutkatastrophe 2021 kommen, um den Prozess zu beschleunigen. Auch wenn sich nicht alle Anwohner begeistert zeigen, soll der Bau 2027 starten.
„Maßnahmen der Klimafolgenanpassung“, sagt StEB-Abteilungsleiter Ingo Schwerdorf, „klingen in den Ohren der Bevölkerung immer etwas unsexy. Aber es geht darum, dafür zu sorgen, dass wir auch in Zukunft in unseren Städten leben können.“
Maßnahmen der Klimafolgenanpassung klingen in den Ohren der Bevölkerung immer etwas unsexy. Aber es geht darum, dafür zu sorgen, dass wir auch in Zukunft in unseren Städten leben können.
Die Tochtergesellschaft der Stadt Köln hat zu diesem Zweck neben dem Hochwasserschutz noch weitere Themen auf der Liste. Zum Beispiel stellt sich die Anstalt auf Starkregen, Hitze und Trockenperioden ein. Das sollten Schwerdorf zufolge auch die Bewohner. Er fordert „blau-grünes Denken: Mehr Grün und entsiegeln anstatt versiegeln. Das kühlt und schützt vor Starkregen.“
Ein zentraler Ansatz sei dabei das Schwammstadtkonzept, das darauf abzielt, den natürlichen Wasserhaushalt auch im urbanen Raum zu stärken, erklärt Schwerdorf. Statt unbelastetes Regenwasser wie bislang ungenutzt in die Kläranlagen laufen zu lassen, soll es lokal gespeichert und weiterverwendet werden, zum Beispiel zur Bewässerung von Parks.
In einigen Veedeln, darunter Porz/Eil, Zollstock sowie Dellbrück, wurden bereits Becken und Versickerungsanlagen mit Kosten in Höhe von jeweils 0,9 bis 1,7 Millionen Euro installiert. Viele weitere sind geplant oder befinden sich noch in der Konzeptionsphase, zeigt eine Karte der StEB. Die Finanzierung laufe über Förderprogramme und Abwassergebühren.
Sichere Wasserversorgung für Privathaushalte und Industrie in Kölner Bucht
Für die Trinkwasserversorgung zeigt sich in Köln derweil die Rhein-Energie verantwortlich. Während in anderen Regionen Deutschlands Wassermangel in der Zukunft eine erhebliche Gefahr darstellt, steigt das Risiko zwar auch im Rheinland, jedoch nach Einschätzung des Energieversorgers nicht gravierend. „Wir sehen das Risiko einer zunehmenden Wasserknappheit für den Bereich der Kölner Bucht ausdrücklich nicht.“ Das Grundwasserangebot sei sehr auskömmlich, wie Messungen seit mehr als 100 Jahren zeigen würden, sagt ein Sprecher.
„Durch die geologisch tiefe Lage kann man sich die Kölner Bucht wie ein Sammelbecken vorstellen.“ Niederschläge und der Rhein füllen die Speicher. Durch den Klimawandel, so prognostizieren es die Experten, wird es künftig mehr Starkregen-Ereignisse geben. „Auch diese füllen unsere Grundwasserbestände auf.“ Selbst während trockener Sommer sei das Wasser für die öffentliche Versorgung und die Industrie daher ausreichend, lautet die Einschätzung der Rhein-Energie.

