Seit Freitag regieren Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne die Kölner Jecken. Rückblick auf den Gala-Abend in Kölns „guter Stube“.
„Kölner zeigen mal wieder, wie es geht“Große Gefühle, neue Aufgaben, letzte Male – So war die Pripro im Gürzenich

Das neue Dreigestirn (v.li.): Jungfrau Aenne, Prinz NIklas I. und Bauer Clemens
Copyright: Thilo Schmülgen
Die Nacht zu Samstag, gegen 0 Uhr, im Gürzenich: Die schweren Holztüren öffnen sich, rund 1300 Menschen strömen raus aus dem großen Saal und rein ins Foyer. Sie alle haben mehr als viereinhalb Stunden Prinzenproklamation hinter sich, und der Tenor scheint einhellig: Das war ein sehr, sehr guter Abend, der ein oder andere lässt sich beim ersten Nach-Weinzwang-Kölsch sogar zu der Aussage hinreißen: so gut wie seit Jahren nicht. Ein Rückblick.
Die emotionalen Momente

Ludwig Sebus wurde von Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn ausgezeichnet
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Gleich zu Beginn wurde es gefühlig, als Ludwig Sebus in einem roten Ohrensessel sitzend hinter dem roten Vorhang auftauchte. Christoph Kuckelkorn, scheidender FK-Präsident ehrte den Grandseigneur: „Danke für die Vermittlung deiner Werte: Familie, Freundschaft, Glaube, Heimatliebe, Verlässlichkeit, Haltung, Geradlinigkeit und vor allem Liebe. Wir wünschen dir, dass du noch viele Jahre dein Köln liebst und lebst.“ Sebus bekam den Verdienstorden in Gold mit Brillianten und kommentierte gewohnt humorvoll: „Ich freue mich sehr. Ich habe mich noch nie zu einer Ehrung gedrängt, aber jede angenommen.“
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Ein emotionaler Christoph Kuckelkorn
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Für einen anderen emotionalen Moment sorgte Kuckelkorn sozusagen auf der anderen Seite: Nach dem Auftritt von Stefan Knittler und Freunden bekam Kuckelkorn, der wegen beruflicher Gründe sein Amt zum Ende der Session abgibt, ein blaues Krätzchen aus den Händen des 13-Jährigen Robin von den Blauen Funken. Dabei handelte es sich nicht um irgendein Krätzchen, sondern um das seines 2024 verstorbenen Vaters Fro. Michael Kuhl sang „Karneval, ach Karneval“, auf der Leinwand stand der Schriftzug „Danke Christoph“ – und Kuckelkorn übermannten seine Gefühle.
Die Abräumer

JP Weber, Volker Weininger und Martin Schopps alias das „Herrengedeck“
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Das „Herrengedeck“ bestehend aus dem „Sitzungspräsident“ Volker Weininger, Martin Schopps und JP Weber schaffte es mit einem gesungenen, bissigen, pointierten Jahresrückblick, den kompletten Saal bestmöglich zu unterhalten. Besonders gut: der umgedichtete Merci-Schokolade-Werbe-Song auf das Duo Friedrich Merz und Vize Lars Klingbeil.
Das Dreigestirn
Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne von der Prinzen-Garde hatten es wahrlich nicht leicht nach dem Dreigestirn der Vor-Session (Stattgarde Colonia Ahoj), das sich rasend schnell in die Herzen der Jecken getackert hatte. Aber die drei Neuen brachten Schwung, ehrliche Begeisterung und ein Maximum an Stimmung in den Saal, wurden frenetisch gefeiert und immer wieder, wie echte Stars, nach Selfies gefragt. Bei einem Medley kölscher Hits spielte Bauer Clemens Trompete, Prinz Niklas zeigte, was er als ehemaliger Tanzoffizier noch immer beherrscht.
Der neue OB

OB Torsten Burmester mit Jungfrau Aenne
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Torsten Burmester (SPD) hat die sehr weise Entscheidung getroffen, nicht doch zu versuchen, Kölsch zu sprechen – seine Rede hielt er auf Hochdeutsch, lebendig und schwungvoll; er setzte die Pausen gekonnt und hatte Witz. Die Dialekt-Frage kommentierte er so: „Aus meiner früheren Arbeit im Kanzleramt kann ich Ihnen sagen: Etwas nicht zu können, hat gerade in der Bundesrepublik noch niemanden davon abgehalten, es trotzdem zu tun.“ Tosender Beifall.
Die Musik

Die Band Druckluft bei ihrem Auftritt
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Selten hatte eine Prinzenproklamation – im Volksmund gern „Pripro“ genannt – eine derart große musikalische Bandbreite. Für nahezu jeden Geschmack wurde etwas geboten: Wild wurde es, als zur „Karnevalsmaus“ von Druckluft 159 Tänzerinnen und Tänzer den Saal enterten – es war der erste richtige Party-Moment des sonst sehr festlichen Gala-Abends. Den letzten lieferte Cat Ballou beim großen Finale. Apropos Musik: Den Auftritt des Männer-Gesang-Vereins kommentierte im bereits erwähnten Foyer ein Gast mit: „Gut, dass die hier auf der Bühne stehen, die großen Bands sehe ich doch im Karneval schon oft genug.“ Als kleines Geschenk an das Dreigestirn hatte die Band Stadtrand ihren Hit „Ahle Kess“ umgedichtet: „Köbes, Kaiser Dreijesteen“.
Der rote Faden

Monsignore Robert Kleine bei seiner Festrede
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Eigentlich ist die Bezeichnung nicht ausreichend, denn was sich durch die Pripro zog, war eher ein dickes, rotes Tau denn ein dünner Faden. Den Programm-Machern ist es gelungen, das Sessionsmotto „Alaaf, mer dunn et för Kölle“ immer wieder einzuflechten und einzuarbeiten. Auch Monsignore Robert Kleine, der erstmals seit langer Zeit wieder eine Festrede halten durfte, hangelte sich gekonnt (wenn auch ein klein wenig zu lang) am Motto entlang. Und er lieferte den Versprecher des Abends: Als er „Egal wie kath…. äh, chaotisch alles aussieht“, sagte, zeigte der Stadtdechant Humor und wiederholte seinen Satz, indem er „katholisch“ ganz aussprach.
Die Gäste
Während viele Karnevalisten gar nicht mehr zählen können, wie oft sie schon bei der Inthronisierung des Dreigestirns dabei gewesen sind, war es für Jörn Stobbe eine Premiere. „Wir machen es wie beim FC“, blickte der neue Präsident des ersten Fußballklubs der Stadt auf seine Wahl 2025 zurück: „Wir schaue rein, hörn zu – und machen dann ordentlich mit“, meinte er neben seiner Frau Ulrike auf dem Roten Teppich. Das aktuelle Karnealsmotto kam bei nahezu jede Gast gut an, vor allem bei Moderatorin Laura Wontorra: „Ich durfte ja bereits Ehrenamtspatin der Stadt Köln sein. Es ist ein Mega-Motto, die Kölner zeigen mal wieder, wie es geht.“


