Riehl – Von der Zukunft des Karnevals gab es beim Vorstellabend des Literarischen Komitees im Festkomitee in der Flora eher nichts zu sehen. So manche der jecken Talente, die teilweise drei Jahre in der Akademie des Festkomitees gefördert und denen per Zertifikat eine „erfolgreiche Teilnahme“ bescheinigt wurde, enttäuschten auf der ganzen Linie.
Das bei ihrer Premiere im Vorjahr noch mit Ovationen gefeierte Ehepaar Conny Tosetti und Peter Esser, die als Mitglieder der fiktiven KG Löstije Knalltüten die Abläufe in einer Traditionsgesellschaft und im Sitzungskarneval parodierten, blieben weit hinter den Erwartungen des Publikums zurück. Da sind den beiden wohl die Ideen ausgegangen.
Roter Faden ging verloren
Etwas besser machten es da Daniel Thelen und Marco Ages als „Woosch un Wööschje“. Auch wenn bei ihrem Dialog zur Quark-Herstellung und einer Bootstour auf dem Rhein teils der rote Faden verloren ging, ist die Nummer noch ausbaufähig.
Das war’s dann auch bei den Rednern, denn Anika Marten mit blonder Lockenperücke und pinkfarbenem Mantel konnte als „Annemie Krawtschak“ genauso wenig an den guten Auftritt bei ihrem Vorjahres-Debüt anknüpfen wie Kollegin Anne Vogd. Da wurden bekannte Witze aneinandergereiht und schlecht vorgetragen. Oder war das eine verunglückte Litsch-Rede?
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Doch warum man beide Damen dann auch noch denselben Witz erzählen ließ, bleibt wohl das Geheimnis der Talentförderer und Coaches der Fastelovends-Akademie. In der Fußball-Bundesliga wären Trainer nach Auftritten ihrer Schützlinge auf derart schwachem Niveau längst ausgewechselt worden.

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„Wir arbeiten derzeit zwar auch mit einigen Neulingen. Aber die sind noch nicht so weit. Wir lassen denen Zeit, sich zu entwickeln“, sagte Nadine Krahforst, die Leiterin des Literarischen Komitees. Aber manches, was präsentiert wurde, war eigentlich auch noch nicht so weit. Da müsste das Festkomitee mal sein Förderkonzept überdenken.
In der Vergangenheit war immer ein, mal auch zwei Redner im Programm, die hervorstachen und vom Publikum mit Ovationen belohnt wurden. Dafür brauchte diesmal keiner aufzustehen. Auch von den sechs Bands spielte nur die Nachwuchstruppe von King Loui nach lautstarken Zugabe-Rufen noch eine vierten Titel. Zu Recht.
King Loui überzeugen

Die Band King Loui
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Das Quartett im Alter von 18 bis 21 Jahren um Sänger Max Rohde begeisterte auch die Zuhörer aus der Ü-50-Abteilung. Die vier jungen Männer haben in den vergangen Monaten erheblich zugelegt, Rohde spielt zumeist Ukulele und zeigt in der Ansprache des Publikums durchaus Frontmann-Qualitäten.
Musikalisch wie inhaltlich orientieren sie sich an den Themen ihrer Generation. Das reicht von Lokalpatriotismus („Do bes Doheim“) bis zu einer Abrechnung mit den gängigen Dating-Portalen („Tinda“) im Rap-Stil. Das passt und ist gut gemacht.
Viele Bands präsentierten sich mäßig
Die anderen Bands bewegten sich zumeist zwischen belanglos und „hat man so oder ähnlich schon gehört“. Mit leisen Tönen ganz gut aufgestellt sind Kappes un Co, aber die lustigen Geschichten aus dem Vorjahr werden nur wiederholt oder sind ganz auf der Strecke geblieben.
Die Köbesse mühten sich um Stimmung, Kölsch Royal verwursten das Sessionsmotto „Uns Sproch es Heimat“ zu einem grausamen Lied und Müller – noch eine der besseren Bands des Abends – singen „Su es uns Kölle“ und „Do bes die Stadt“. Zumindest die Textzeile kennt man doch schon – und da ist die Hymne der Bläck Fööss einfach nicht zu toppen.

