Die Stadt Köln hat ein Klimaanpassungskonzept vorgelegt, um Hitze und Starkregen zu begegnen. 150 Millionen Euro Fördermittel sollen in 13 Projekte fließen.
Neue Parks, mehr Bäume Kölns 150-Millionen-Konzept gegen die Hitze

Dieser Sommer war extrem heiß.
Copyright: Martina Goyert
Das städtische Umweltdezernat hat ein Konzept zur Anpassung an Klimaveränderungen erarbeitet und will neue Parks, Bäume und Entsiegelung über das Sondervermögen des Bundes finanzieren. Projekte für 150 Millionen Euro soll der Rat möglichst in seiner Dezembersitzung freigeben.
Klimaanpassung denkt die Stadt in der Entwicklung schon länger mit, das jetzt neue Integrierte Klimaanpassungskonzept (IKA) bündelt Projekte und Leitbilder jedoch. Zudem ist es laut Umweltdezernent William Wolfgramm eine neue Chance, Mittel in dieser Summe eigens für grüne Projekte zur Verfügung zu haben: „So eine Situation hatten wir noch nicht“, sagte er bei der Vorstellung. „Der Hitzesommer 2026 hat spürbar gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.“ 71 Prozent der Kosten könnten nach seinem Plan über das Sondervermögen des Bundes finanziert werden.
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sagte: „Klimaanpassung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, um unsere Stadt widerstandsfähiger zu machen. Köln muss sich auf die Veränderungen vorbereiten, die der Klimawandel mit sich bringt.“ Die Investitionsmittel ermöglichten es Köln, trotz der angespannten Haushaltslage konkrete Maßnahmen in die Umsetzung zu bringen.
Es ist heiß und es wird noch heißer. Vor zwei Jahren veröffentlichten die Stadt und der Deutsche Wetterdienst (DWD) Klimaprojektionen für Köln, die zeigten: In naher Zukunft wird es in der Innenstadt bis zu 20 Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad geben. Zum Vergleich: Bis zum Jahr 2000 waren es maximal fünf pro Sommer.
Der DWD simulierte, wie sich die Stadt erhitzen könnte, wenn der Klimaschutz nicht verschärft wird. Die Ergebnisse stellen zwei Prognosezeiträume dar: Die 20 heißen Tage sind für 2031 bis 2060 zu erwarten – die nahe Zukunft. Für 2071 bis 2100, in ferner Zukunft, könnte es in Kölns dicht bebauten Gebieten 30 heiße Tage pro Jahr geben. Auch die Intensität der Starkregenereignisse nimmt zu. Das Ziel ist: Mit diesen Daten die weitere Stadtentwicklung so zu planen, dass sich Köln nicht derartig aufheizen wird.

Klimaprojektion des DWD für Köln
Copyright: Grafik: DWD, KStA Hahn
Dieser Sommer hat die Kölnerinnen und Kölner – gerade in der Innenstadt – spüren lassen, wie belastend Hitze sein kann. Vom 16. Juni bis 4. Juli gab es in Köln 19 Sommertage in Folge (Temperaturen über 25 Grad), vom 18. bis 29. Juni sogar zwölf heiße Tage (über 30 Grad) und neun Tropennächte in Folge (kühlt nicht unter 20 Grad ab). Die heißen Nächte sind besonders belastend für die Gesundheit. Nach Angaben der Stadt führte das zu 37 Prozent mehr Rettungseinsätzen, 90 Prozent mehr Reanimationen und 146 Prozent mehr Todesfeststellungen.
Wo Köln der Klimawandel am stärksten trifft. Im nächsten Schritt hat die Stadtverwaltung eine Gefahrenkarte auf Basis der Klimadaten und Analysen zu Starkregen und Hochwasser erstellt. Sie zeigt, dass weitreichende Teile Kölns (die rot umrandeten) besonders häufig von Hitze von 30 Grad oder mehr am Tag belastet sind. Auch sind viele Teile Kölns (lila umrandet) von Tropennächten besonders häufig betroffen. Innerhalb beider Bereiche sind zusätzlich Gebiete markiert (dunkler rot unterlegt), in denen die Bevölkerungsdichte mit mehr als 101 Einwohnern pro Hektar hoch und damit die Exposition gegenüber Hitze besonders erhöht ist.

Hotspots in Köln
Copyright: Stadt Köln
Beides schließt nahezu die komplette Innenstadt, Nippes, Ehrenfeld, Lindenthal und den nördlichen Teil des Bezirks Rodenkirchen ein. Auch die Zentren von Chorweiler, Kalk und Mülheim sind stark belastet. Im Umkehrschluss zeigt die Karte, wie der Innere und Äußere Grüngürtel wie auch kleinere Parks in der Stadt die angrenzenden Straßen kühlen.
Die Stadt will sich wappnen. Das Umweltdezernat leitet aus den Analysen einen Plan für eine Klimaanpassung ab. Das Konzept enthält 26 prioritäre Maßnahmen, deren Realisierung zusammengenommen rund 18 Millionen Euro kosten würde.
Das Umweltdezernat hofft nun auf einen Beschluss des Rates am 10. Dezember, damit die Verwaltung diese 26 Projekte schrittweise umsetzen kann, sofern sie nicht schon gestartet sind. Neu vorgeschlagen ist die Erarbeitung eines Krisenmanagements für den Hitzenotfall. Fortgeführt werden soll Cooling Cologne, der Sprühnebel aus Schläuchen an heißen Tagen auf Innenstadtplätzen. Schulhöfe sollen klimaangepasst und das fußgängerfreundliche und klimaangepasste Winzer- und Pantaleonsviertel realisiert werden. Das Dezernat will das Förderprogramm „Grün hoch 3“ fortführen, den Masterplan Stadtgrün weiterentwickeln und einen Hybridpark in Braunsfeld bauen, das Monitoring des Stadtbaumbestandes fortführen, den Fred-Sauer-Platz in Kalk klimagerecht umgestalten, und das Pilotprojekt klimaangepasstes Bürgerzentrum starten.
Dahinter steht die Idee, vorhandene Außenanlagen von vier Bürgerzentren klimaangepasst umzugestalten. Im Zuge der Haushaltsaufstellung für die nächsten zwei Jahre hatte die Verwaltung eigentlich vorgeschlagen, bei den Bürgerzentren sparen zu wollen. Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin der Verwaltung, dieser Maßnahme stehe einer davon unabhängig geführten Diskussion über die künftige Struktur der Bürgerzentren nicht entgegen.
Wie die Klimaanpassung bezahlt werden soll. Der Rat soll im Dezember über eine Liste mit 13 Projekten entscheiden, die das Umweltdezernat über das Sondervermögen des Bundes finanzieren will.
Dafür soll der Rat im Dezember zustimmen, Gelder des Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz, abgekürzt LuKIFG, in Anspruch zu nehmen. Einen Teil des Sondervermögen des Bundes können Kommunen für energetische Sanierung, Klimaschutz, Klimafolgenanpassung und ökologische Nachhaltigkeit einsetzen. Rund 150 Millionen Euro will Umweltdezernent Wolfgramm für diese 13 Projekte aufwenden, konkret 148.160.673 Euro.
71 Prozent der Summe sollen über das LuKIFG bezahlt werden, für die restlichen 29 Prozent sollen weitere Drittmittel, zum Beispiel aus anderen Fördertöpfen, aufgetrieben werden.
Auf der Liste finden sich zum Teil die prioritären Projekte wieder, darunter der Fred-Sauer-Platz und der Hybridpark, aber auch weitere: Den größten Anteil mit 48 Millionen Euro will das Dezernat in die 30 Hektar große Grünanlage des neu entstehenden Stadtentwicklungsprojekts Parkstadt Süd stecken und weitere 6,6 Millionen Euro sollen in einen 4,5 Hektar großen geplanten Park am Eifelwall am Rande der Parkstadt fließen.
Das Umweltdezernat will zudem ein zentrales Budget für Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung mit Investitionskosten von zehn Millionen Euro einrichten, und will 11,1 Millionen Euro in die Baumbepflanzungen in Parks und an Straßen stecken. Und 18 Millionen Euro sollen in Pocketparks investiert werden. Das sind kleine, kühle Inseln in besonders hitzebelasteten Quartieren. Das Dezernat will zudem für fünf Millionen Euro Kölner Böden entsiegeln und mit 14,3 Millionen Euro den schon seit vielen Jahren umgeplanten Niehler Gürtel, genannt Grünzug Nippes, zum Park ausbauen.
