Abo

Neue AufgabeEx-Regierungssprecher soll für Burmester Mehrheiten beschaffen

2 min
Thomas Breustedt, einst Journalist und Pressesprecher, jetzt Mehrheitsbeschaffer im Kölner Stadtrat.

Thomas Breustedt, einst Journalist und Pressesprecher, jetzt Mehrheitsbeschaffer im Kölner Stadtrat

Er war Regierungssprecher von Hannelore Kraft und Geschäftsführer der Kölner SPD – jetzt vermittelt Thomas Breustedt im Auftrag des OB zwischen den Fraktionen. 

Nach den Kommunalwahlen im vergangenen September wollte Thomas Breustedt, der für ein Jahr als Geschäftsführer der Kölner SPD-Fraktion eingesprungen war, seinen Nachfolger Pascal Pütz noch ein bisschen unterstützen und dann sein Versprechen an seine Frau einlösen: dem Berufsleben den Rücken zu kehren und gemeinsam Zeit zu verbringen. Nun muss sich Frau Breustedt noch bis Juni gedulden, denn Kölns OB Torsten Burmester hat eine neue Aufgabe für seinen 65 Jahre alten SPD-Parteikollegen. Breustedt fungiert bei Burmesters Projekt der wechselnden Mehrheiten im Kölner Stadtrat als Bindeglied zwischen den Fraktionen.

Damit ist Breustedt der Mehrheitsbeschaffer des Oberbürgermeisters. Burmester leistet sich also einen eigenen Verhandler und setzt nicht allein auf SPD-Fraktionschef Christian Joisten.

Minderheitsregierung unter Kraft vergleichbar mit aktueller Situation im Kölner Stadtrat

Ein fester Job im Rathaus sei das nicht, sagte Breustedt am Montag auf Nachfrage: „Ich habe keinen Schreibtisch und keine Festanstellung.“ Auf Grund der besonderen Situation, dass es im Stadtrat aktuell kein festes Mehrheitsbündnis gibt, habe er jedoch eine Vereinbarung mit Burmester getroffen. „Ich stehe dem Team bis Juni beratend zur Seite“, erklärte Breustedt. Als Regierungssprecher der ehemaligen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) habe er das Agieren einer Minderheitsregierung erlebt: „Das war eine vergleichbare Situation, auch da musste man sich immer wieder Mehrheiten für politische Projekte suchen.“  

Breustedt ist ausgebildeter Industriekaufmann und hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Anschließend arbeitete er als Journalist, unter anderem beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ und beim „Express“. 2001 wechselte er als Pressesprecher in die NRW-Landesregierung und amtierte von 2010 bis 2017 als Staatssekretär und Regierungssprecher von Kraft. Im September 2024 übernahm er auf Bitten der Kölner SPD den Posten des Fraktionsgeschäftsführers und ersetzte den erkrankten Hubertus Tempski. 

Die seit seiner Wahl von Torsten Burmester favorisierte Variante, in Köln mit wechselnden Mehrheiten Politik zu machen, bezeichnet Breustedt als „für einen politisch denkenden Menschen sehr spannend“, es brauche „eine andere Art des politischen Austausches“, man müsse viel kommunizieren und aufeinander zu gehen. Man sei da in Köln auf einem guten Weg, findet Breustedt. Schon die Sondierungsgespräche habe er nicht als konfrontativ erlebt. Er sagte: „Die Bereitschaft, politische Projekte miteinander zu definieren, ist trotz manchmal unterschiedlicher Standpunkte und Interessenslagen da.“