Ein Mitglied einer Drogenbande soll über eine Woche als Geisel festgehalten und gefoltert worden sein.
Sadistische BestrafungKölner Dealer verliert sein „Diensthandy“ – Komplizen trennen ihm Zehen ab

Ein verlorenes Dealerhandy führte in Köln zu einem schrecklichen Verbrechen.
Copyright: Sebastian Gollnow/dpa; dpa
Eine sadistische Bestrafungsaktion im Drogenmilieu wird seit Montag vor dem Kölner Landgericht aufgearbeitet. Ein Mitglied einer mit Kokain handelnden Bande soll ein Handy mit sensiblen Kundendaten verloren haben – ihm wurden dafür in einer Kalker Wohnung zwei Zehen mit einer Zange abgetrennt. Mehr als eine Woche wurde der Mann als Geisel festgehalten und gefoltert. Beim Prozessauftakt in Saal 10 des Justizgebäudes legte ein Angeklagter ein weitgehendes Geständnis ab.
Köln: Drogenbande glaubte dem Opfer nicht
Der Boss der Drogenbande soll zu mehreren Gelegenheiten insgesamt 200 Kilo Kokain erworben und dies mit seinen Männern für potenzielle Abnehmer in der Kalker Wohnung portioniert haben. Der später Geschädigte habe dann das Mobiltelefon verloren, über das die Verkäufe abgewickelt worden seien. Die Nummern von Kunden waren hier gespeichert, so heißt es in der Anklageschrift. Die Drogenabnehmer hätten darauf auch angerufen. Der Verbleib des „Diensthandys“ ist bis heute unklar.
Nachdem aufgefallen sei, dass das Handy verschwunden war, sei der Dealer „einbestellt“ worden, so die Ermittler. Rund eine Woche sei er dann in der Kalker Wohnung festgehalten worden. Die Dealerkollegen wollten den Mann laut Anklage dazu bewegen, das angeblich verlorene Handy wieder an sie herauszugeben. Oder zuzugeben, dass dieser es womöglich an die Polizei übergeben habe. Dass er das Mobiltelefon tatsächlich verloren hatte, glaubte vor allem der Chef ihm offenbar nicht.
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Die Täter sollen den Mann laut Anklageschrift mit einem Stück Stoff bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und ihm einen Teller auf dem Kopf zerschlagen haben. Auch sollen sie mehrfach eine heiße Eisenstange an dessen Hüfte gehalten, ihn so verbrannt haben. Weiterhin hätten sie dem Opfer glühende Zigaretten ins Gesicht gedrückt. Der aktuell vor Gericht stehende 33-jährige Angeklagte habe dem Geschädigten auch eine Pistole vorgehalten und gedroht: „Ich werde dich töten!“
Köln: Mann berichtet, dass ihm zwei Zehen abgetrennt wurden
Die Täter sollen laut Anklage zudem versucht haben, dem Opfer mit einer Zange zwei Zehen abzuschneiden. Als seine Peiniger danach offenbar abwesend waren, rief der Mann laut um Hilfe und konnte aus der Wohnung befreit werden. Er kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, verblieb dort mehrere Tage. Während in der Anklage nur vom Versuch die Rede ist, sprach der Geschädigte im Zeugenstand aber davon, dass ihm tatsächlich zwei Zehen abgetrennt worden seien – in der Klinik konnten Ärzte sie jedoch wieder annähen.
Im Zeugenstand wollte das heute 33-jährige Opfer auf Nachfrage des Richters seinen aktuellen Wohnort nicht verraten. „Er hat noch immer große Angst“, sagte seine Rechtsanwältin als Zeugenbeistand. Der Mann bestätigte das Tatgeschehen, wollte aber nicht ins Detail gehen. „Es geht mir sehr schlecht, die Erinnerungen kommen wieder hoch“, sagte er. Dass er vorher Teil der Drogenbande war, gab er zu – dafür wurde er vor dem Amtsgericht bereits rechtskräftig verurteilt.
Kölner Verteidiger mit weitgehendem Geständnis
Strafverteidiger Philipp Thiée hatte zuvor ein weitgehendes Geständnis für seinen Mandanten abgelegt. Aus Albanien kommend, habe der dreifache Familienvater eigentlich eine Arbeitsstelle gesucht. Nach Köln habe es ihn verschlagen, da hier ein Cousin wohne. Der habe ihn dann in die Drogengeschäfte involviert. Bei der Geiselnahme sei er dabei gewesen und habe den Geschädigten auch verletzt. Zur Waffe oder Zange habe der Angeklagte aber nicht gegriffen, so der Verteidiger.
„Er ist nicht stolz drauf, was da passiert ist“, sagte Thiée. Der Mandant habe zwischenzeitlich auch versucht, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld zukommen zu lassen. Er habe in der Heimat noch über Geldreserven verfügt. Doch das habe der alkoholkranke Vater des Mandanten offenbar an sich genommen und ausgegeben. „Daher können wir aktuell leider nichts anbieten“, erklärte der Verteidiger. Ein Urteil in dem Verfahren soll frühestens in einem Monat gesprochen werden.

