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„Köln stellt sich quer“Großdemo in der Innenstadt – Kölner OB steckte im FC-Verkehr fest

4 min

Burmester war eigentlich für eine Veranstaltung angekündigt, doch der Kölner Oberbürgermeister wurde aufgehalten.

„Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!“, heißt es in einem satirischen Gedicht von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1931. Sarkastisch spießt es die Frage auf, wie man mit der NS-Bewegung umgehen sollte. Am Samstag, dem Internationalen Tage gegen Rassismus, waren die bissigen Reime, vorgetragen von einem Mitglied des Schauspiels Köln, auf dem Hohenzollernring am Rudolfplatz zu hören.

Dort stand die Bühne für die Kundgebung „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“, zu der das Bündnis „Köln stellt sich quer“ gemeinsam mit dem Verein „Arsch huh“ aufgerufen hatte. Ziel war es, ein Zeichen für Vielfalt, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Freiheit der Kunst zu setzen.

Tilly-Mottowagen bei Kölner Großdemo: „Wir sind mehr“

Dem Anliegen plakativen Ausdruck gab ein von Jacques Tilly entworfener Mottowagen aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug. Er zeigt einen großen bunten Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr“, der dabei ist, eine kleineren, die AfD symbolisierenden Fisch mit der Sprechblase „Wir sind das Volk“ zu verspeisen.

21.03.2026: Zum Internationalen Tag gegen Rassismus veranstalten verschiedene Gruppierungen eine Kundgebung auf dem Hohenzollernring. Bei der Versammlung „Für Demokratie – gegen Rassismus“  werden 10.000 Teilnehmende erwartet. Neben der Bühne und Infoständen soll am Hohenzollernring dann auch ein Wagen aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug 2024 von Jaques Tilly stehen: Zu sehen ist darauf ein großer, bunter Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr“, der einen kleineren Fisch mit der Sprechblase „Wir sind das Volk“ verspeist. Foto: Martina Goyert

21.03.2026: Zum Internationalen Tag gegen Rassismus veranstalten verschiedene Gruppierungen eine Kundgebung auf dem Hohenzollernring. Bei der Versammlung „Für Demokratie – gegen Rassismus“ werden 10.000 Teilnehmende erwartet. Neben der Bühne und Infoständen soll am Hohenzollernring dann auch ein Wagen aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug 2024 von Jaques Tilly stehen: Zu sehen ist darauf ein großer, bunter Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr“, der einen kleineren Fisch mit der Sprechblase „Wir sind das Volk“ verspeist. Foto: Martina Goyert

Nach Angaben der Veranstalter nahmen in der Spitze gut 5000 Menschen an dem Protest teil, der mit einer Kundgebung auf dem Sudermannplatz begonnen hatte. Von dort zogen die Demonstranten und Demonstrantinnen über die Ringe Richtung Rudolfplatz.

Die Bündnisse „Köln stellt sich quer“ und „Arsch huh“ organisieren die Demonstration gegen Rassismus und für die Demokratie.

Die Bündnisse „Köln stellt sich quer“ und „Arsch huh“ organisieren die Demonstration gegen Rassismus und für die Demokratie.

Beim Auftakt sollte Oberbürgermeister Torsten Burmester sprechen, doch er stecke wegen des FC-Heimspiels im dichten Verkehr fest, hieß es. Bürgermeisterin Brigitta von Bülow richtete Grüße aus und sagte, Burmester bedaure, den für ihn wichtigen Termin nicht wahrnehmen zu können. Manuel Brinkmann vom Interessenverband Klubkomm sagte, Rassismus sei „lauter, sichtbarer und akzeptierter“ geworden. Deshalb sei es nötig, sich klarer zu positionieren und aktiv für Demokratie zu kämpfen. „Hätz statt Hetze“ stand auf einem Schild, das eine Frau hochhielt.

Die Bündnisse „Köln stellt sich quer“ und „Arsch huh“ organisieren die Demonstration gegen Rassismus und für die Demokratie.

Die Bündnisse „Köln stellt sich quer“ und „Arsch huh“ organisieren die Demonstration gegen Rassismus und für die Demokratie.

„Wir stehen heute hier, weil Schweigen keine Option ist“, sagte Patrick Gloe, einer der Sprecher von „Köln stellt sich quer“, auf dem Hohenzollernring. Die Grundwerte der Demokratie würden „frontal angegriffen“. Gegen die „Normalisierung der Menschenfeindlichkeit“ gelte es ebenso anzugehen wie gegen den Abbau von Errungenschaften des Sozialstaats. Für die Kirchen sprachen Pfarrerin Miriam Haseleu und Stadtdechant Robert Kleine, der aus einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zitierte: „Völkischer Nationalismus ist mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar. Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar.“

Die Kölner Band Miljö während der Großdemo gegen Rassismus auf der Bühne.

Die Kölner Band Miljö während der Großdemo gegen Rassismus auf der Bühne.

Mir begegnet Rassismus in Deutschland, sobald ich meine Wohnung verlasse, aber auch auf der Arbeit in der Medienbranche“, sagte Nada Assaad, Journalistin und Autorin. Vielen anderen Menschen mit Migrationshintergrund gehe es ebenso. „Wir erleben ein Revival rassistischer Narrative in den Medien und an den Stammtischen“; dieser Trend habe längst die Mitte der Gesellschaft erreicht. Antirassismus bedeute, „unangenehme Themen zu Hause am Küchentisch anzusprechen“ und „sich seiner Privilegien bewusst zu sein, um Menschen zu beschützen, die weniger privilegiert sind“. Georg Restle, scheidender Moderator des ARD-Magazins „Monitor“, beschwor die Gefahr erdrutschartiger AfD- Wahlsiege in Ostdeutschland. Aber auch bei der jüngsten Landtagswahl in Baden-Württemberg habe die fremdenfeindliche Partei stark zugelegt, in manchen ländlichen Regionen bis über 30 Prozent. Das „Wohlstandsversprechen“ sei „brüchig“ geworden, und dies treibe die verunsicherten Menschen in die Arme der AfD. Dabei habe sie außer einem „Verweis auf gestern“ programmatisch nichts zu bieten, und den Wohlstand ohne Zuwanderung zu erhalten sei nicht möglich. Als „einen der größten gesellschaftlichen Skandale“ im Land kritisierte Restle die „obszöne“ Anhäufung von Reichtum bei einer kleinen Minderheit. Von einer „Ungleichheitskrise“ sprach Unternehmer Peter Reese, der sich bei Tax Me Now“ engagiert, einem Zusammenschluss von Millionärinnen und Millionären, die höhere Steuern für Wohlhabende fordern.

Weitere inhaltliche Akzente setzen unter anderen Marie Hacker, Vorstandmitglied der Bezirksschülervertretung Köln, Dozentin Bahar Aslan, die iranische Aktivistin Faranak Rafiei und der kurdische Friedensaktivist Memo Şahin. Für musikalische Abwechslung sorgten das Jazzhaus Community Orchester, die Bands Miljö und Buntes Herz, Gerd Köster, das Duo „toi et moi“, der in Syrien geborenen Rapper Amouri und der Frauenchor Veedelperlen. Worum es den Demonstranten und Demonstrantinnen ging, war auf einem Protestschild so zusammengefasst: „Nein! Et hät nit immer jot jejange!“.