René Wagner soll Cheftrainer werden. Doch spätestens die Heidenheim-Pleite hat den Zeitplan durcheinandergebracht und Fragen aufgeworfen.
Nach blamablem AuftrittDer durchgekreuzte Plan des 1. FC Köln

Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler (l.), Trainer René Wagner
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Der Plan war durchkreuzt worden – durch die indiskutable Leistung der eigenen Mannschaft beim 1:3 gegen das bisherige Schlusslicht 1. FC Heidenheim und den Kampf des Gegners, der mit dem Rücken zur Wand noch seine letzte Chance im Bundesliga-Abstiegskampf suchte und nutzte.
Dabei hatte der Plan des 1. FC Köln seinen Anfang bereits in den Tagen vor dem letzten Heimspiel dieser Saison genommen. Vieles hatte schon zuvor darauf hingedeutet, dass Thomas Kessler, der Kölner Sport-Geschäftsführer, gerne mit René Wagner in die neue Saison gehen möchte. Am Donnerstag stellte sich Kessler bei einer vom Verein einberufenen Mixed Zone öffentlich klar hinter den Trainer. Auch wenn der 40-Jährige dies nicht offiziell bestätigte, ließ sich deutlich heraushören, dass Wagner sein Mann ist – und er ihm weiterhin vertraut.
Kessler hatte den bisherigen Assistenten nach dem Aus von Lukas Kwasniok zum Interimstrainer befördert und gilt seither als sein Fürsprecher. Der Anfang unter dem gebürtigen Dresdner verlief vielversprechend: Der 37-jährige Wagner stabilisierte die Mannschaft. In den vergangenen Wochen zeigte der Trend jedoch in die falsche Richtung – mit Ausnahme des Derbys gegen Leverkusen, das zwar unglücklich mit 1:2 verloren ging, in dem der FC aber seine bis dahin stärkste Leistung unter Wagner gezeigt hatte. Vor dem letzten Saisonspiel beim Ligaprimus FC Bayern stehen sechs Punkte aus sechs Spielen zu Buche. Keine bittere Bilanz, aber auch keine besonders gute. Und die letzten Eindrücke bleiben bekanntlich haften: Vor allem die desaströse Vorstellung bei der 1:3-Niederlage gegen das bisherige Tabellenschlusslicht wirkt nach. Und kommunikativ liegt insgesamt auch einiges im Argen.
1. FC Köln: noch keine Verkündung der Trainer-Personalie
Das Spiel gegen Heidenheim hatte noch nicht begonnen, da sollte Wagner sich bei Dazn zu seiner Zukunft äußern. Der 37-Jährige hätte ausweichen, auf die Verantwortlichen oder die Zeit nach dem letzten Spieltag verweisen können – sagte aber vielsagend: „Vielleicht wissen wir morgen mehr.“ Allerdings dürfte die Entscheidung nicht so schnell offiziell werden – und von Montag als möglichem Tag der Bekanntgabe war nach dem Abpfiff keine Rede mehr. „Ich habe morgen keinen Termin mit René“, sagte Kessler mit einem Lächeln. „Wir haben noch ein Spiel in München – auch da kann man drei Punkte gewinnen. Wir sind nicht auf Abschiedstour. Dann werden wir uns zusammensetzen.“
Dennoch steht die Entscheidung an – und vieles läuft darauf hinaus, dass Wagner vom Interims- zum Cheftrainer befördert wird. In Fachkreisen genießt er hohes Ansehen, nun steht er vor dem Sprung, dauerhaft in die erste Reihe zu rücken. Das Heidenheim-Spiel lieferte zwar alles andere als Argumente für ihn – der Neustart könnte belastet beginnen, die Hypothek schwer wiegen. Doch Kessler ist von dem einstigen Assistenten überzeugt. Gemeinsam will das Duo den Kader weiter umkrempeln und den zweiten Teil des Umbruchs vollziehen. Alternativlos ist dieser ohnehin.
Rückendeckung für Wagner kommt auch aus der Kabine – zumindest von einigen erfahrenen Spielern. Marius Bülter sagte: „Er hat uns Stabilität und Struktur zurück ins Spiel gebracht.“ Kapitän Marvin Schwäbe schloss sich an: „Er hat klare und gute Arbeit geleistet und einen guten Draht zur Mannschaft gefunden.“
Doch es dürfte noch einige Tage dauern, bis die wichtigste Personalie des Sommers entschieden ist – weil insbesondere die Pleite gegen Heidenheim nachhallt.
Dabei hätte der Sonntag so schön werden können: letztes Heimspiel, Ränge voll, Klasse gesichert, tolles Wetter – und der fertige Plan für die Zukunft bereits in der Schublade. Stattdessen: Blamage, Pfeifkonzert, Ernüchterung. Das 1:3 gegen den Abstiegskandidaten verhagelte nicht nur die Stimmung, sondern auch den Zeitplan. Auch wenn sich Kessler davon nicht beirren lassen wollte. „Ich spüre absolut keinen Zeitdruck“, sagte der frühere Torhüter. „Es tut uns gut, alles rational zu analysieren.“ Kessler weiß, dass eine gründliche Analyse der vergangenen Wochen wichtig und richtig ist – doch auf dem Transfermarkt zählt jeder Tag, gerade im Kampf um neue Spieler, die wissen wollen, mit welchem Trainer der FC in die neue Saison geht.
Vorerst ist die Trainerpersonalie jedenfalls vertagt. „Wir haben viele Dinge in dieser Saison gesehen, die mir gut gefallen haben. Es gibt aber auch Themen, an denen wir arbeiten müssen. Als Aufsteiger zwei Spieltage vor Schluss die Klasse gehalten zu haben, war sehr positiv. Das werden wir in Ruhe analysieren – und dann kommt logischerweise die Trainerthematik auf den Tisch“, sagte Kessler.
Thomas Kesslers persönliches Risiko
Dass im Vergleich zu Vorgänger Kwasniok kein spielerischer Fortschritt zu erkennen sei, wollte der Sportchef nicht so stehen lassen: „Er hat eine Situation übernommen, die für uns extrem brenzlig war. Wir standen zwei Punkte über dem Strich. Und er hat das sehr sachlich und ruhig mit dieser Mannschaft geschafft, hat den ganzen Staff mitgenommen. Dass wir die Klasse gehalten haben – auch nach einem verlorenen Spiel gegen Heidenheim –, ist ein Erfolg.“
Doch Kessler geht mit dieser Personalie auch ein persönliches Risiko ein. Wer seinen Kandidaten durchsetzt, muss dafür geradestehen – scheitert Wagner, könnte das auch den Sportchef mindestens angreifbar machen. Zudem werden die Vereinsgremien, allen voran der Gemeinsame Ausschuss, die Trainer-Personalie jetzt nicht einfach durchwinken. Fragen werden gestellt – auch unbequeme.
Dazu kommt: Die Niederlage kostete den Klub nicht nur Ansehen, sondern auch bares Geld. In der TV-Geld-Tabelle hätte der FC noch klettern können – stattdessen wird der aktuelle Tabellen-14. die Saison bestenfalls auf Rang 13, möglicherweise sogar auf Platz 15 beenden. Der Klassenerhalt war nach den Patzern der Konkurrenz bereits nach dem 32. Spieltag gesichert – mehr wäre dennoch drin gewesen. Der FC wird die Saison voraussichtlich auch hinter dem Erzrivalen abschließen. Borussia Mönchengladbach hat als 13. drei Punkte mehr und empfängt am letzten Spieltag allerdings die um die Champions League kämpfenden Hoffenheimer. Das ist für den FC wohl nur ein Randaspekt, aus Kölner Sicht aber ein emotionaler.

