Führerschein-Prozess in KölnBundesliga-Profi im Gerichtssaal entlastet – wegen Blitzerfoto

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Bundesliga-Profi Edmond Tapsoba von Bayer Leverkusen im Amtsgericht Köln mit seinem Verteidiger Heinz Petersohn.

Der Bundesliga-ProfiEdmond Tapsoba im Amtsgericht Köln mit seinem Verteidiger Heinz Petersohn.

Der Fußball-Profi Edmond Tapsoba von Bayer Leverkusen saß auf der Anklagebank im Amtsgericht. Der Prozess endete mit einer guten Nachricht.

Unschuldig saß am Mittwoch der Fußball-Profi Edmond Tapsoba von Bayer Leverkusen auf der Anklagebank im Kölner Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 24-Jährigen vorgeworfen, ohne Führerschein mit seinem Mercedes gefahren zu sein. Ein im Gerichtssaal erstelltes Gutachten ergab aber: Der Nationalspieler aus Burkina Faso saß gar nicht am Steuer. Es erging daher Freispruch.

Auf A1 geblitzt: Strafanzeige nach Knöllchen

Im November 2021 hatte eine Blitzeranlage auf der Bundesautobahn 1 den zu schnell fahrenden Mercedes des Bundesliga-Profis und den Fahrer des Fahrzeugs fotografiert – die Behörde ging hierbei auch von Tapsoda aus. Es erging ein Bußgeldbescheid der Stadt Köln. Bei der Bearbeitung fiel auf, dass Tapsoba zu dem Zeitpunkt keinen gültigen Führerschein besaß. Die Folge war eine Strafanzeige.

Edmond Tapsoba mit Xabi Alonso, Trainer von Bayer Leverkusen.

Edmond Tapsoba mit Xabi Alonso, Trainer von Bayer Leverkusen.

„Was sind Sie von Beruf?“, fragte die Richterin zu Beginn der Verhandlung. „Fußballer“, übersetzte eine Dolmetscherin. „Machen Sie Angaben zum monatlichen Nettoeinkommen?“, lautete die nächste Frage, die vor allem Fußballkenner interessieren dürfte. „Nein“, grätschte da der Verteidiger Heinz Petersohn dazwischen. Auch die Wohnanschrift sollte nicht öffentlich bekannt gegeben werden.

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Anwalt: Bayer-Fußballer sei das Auto nicht gefahren

Anwalt Petersohn klärte im Anschluss auf: Sein Mandant sei nicht gefahren, sondern ein Bekannter, dem er das Fahrzeug geliehen hatte. Der Fußballer habe einen Führerschein in Burkina Faso gemacht, der sei aber abgelaufen. Daher sei er auch zu jener Zeit nicht Auto gefahren. Offenbar hatte der Fußballer auf den Bußgeldbescheid zunächst nicht reagiert, weshalb dieser rechtskräftig wurde.

„Er war zu der Zeit nicht in Deutschland“, sagte Tapsobas Verteidiger. Der Bayer-Profi legte bei Gericht ein Passfoto des Mannes vor, der an jenem Morgen tatsächlich auf der A1 gefahren sei. Dann kam der renommierte Foto-Gutachter Wolfgang Huckenbeck ins Spiel. Er zückte eine Kamera, ging auf den Fußballer zu und sagte: „Bitte einmal an die Decke schauen.“ Dann machte er ein Foto.

Foto-Gutachter entlastet den Bundesliga-Profi

Auf seinem Laptop verglich Huckenbeck das gerade entstandene Bild des Bayer-Profis mit dem Blitzerfoto von der A1. Das Ergebnis: Es handelt sich sehr wahrscheinlich nicht um dieselbe Person, vor allem die Partien Nase und Ohr unterschieden sich. Ähnlichkeiten sah der Sachverständige tatsächlich eher mit dem Bekannten des Fußballers. Edmond Tapsoba war damit entlastet.

„Gibt es Rückfragen?“, fragte die Richterin den Staatsanwalt und den Verteidiger. Beide verneinten. Der Ankläger beantragte danach einen Freispruch, so auch der Anwalt. Dem folgte die Richterin – das Gutachten habe klar ergeben, dass der Fußballer nicht auf dem Blitzerfoto zu sehen sei. Auch den Bußgeldbescheid hob die Richterin auf. Das nun verjährte Knöllchen muss niemand mehr bezahlen.

Auch Henning Krautmacher hatte Blitzer-Ärger

Es war nicht das erste Verfahren eines Prominenten um ein Blitzerfoto auf der A1. Vor mehr als zehn Jahren wurde der damalige Höhner-Frontmann Henning Krautmacher bei Wuppertal geblitzt – mit 101 statt der erlaubten 80 Stundenkilometer. Gegen das Bußgeld von 115 Euro und den Punkt in Flensburg hatte sich Krautmacher gewehrt. Er sei nicht gefahren und als Promi vorverurteilt worden.

Krautmacher wurde daraufhin ebenfalls vom Anthropologen Huckenbeck begutachtet – und der überführte den Sänger. Nicht etwa der markante Schnäuzer hatte damals den Ausschlag gegeben, sondern Übereinstimmungen der Kinnpartie und des Ohres. Krautmacher zog den Einspruch gegen das Knöllchen daraufhin zurück. Zusätzlich musste er Verfahrenskosten von etwa 1500 Euro tragen.

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